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Lehrveranstaltungen

Prof. Dr. Christoph Asendorf
Berlin - Geschichte einer Stadt in ständiger Veränderung (1700-2000)
Seminar: Kulturwissenschaften-/Kulturgeschichte-Vertiefung 
8/9 ECTS
Dienstag 14-16 Uhr, Ort: GD 05

Berlin ist, verglichen mit Paris oder London, eine junge Hauptstadt. 300 Jahre umfasst der Zeitraum von der Erhebung zur königlichen Residenz bis zur Gegenwart - und darin ist noch das halbe Jahrhundert zwischen 1945 und 1990 eingeschlossen, als das geteilte Berlin durch einen Status der Vorläufigkeit charakterisiert war. Leicht lassen sich einige Hauptphasen der Stadtgeschichte unterscheiden. Die erste reicht von 1701 bis ca. 1850; sie ist sicher die für das Stadtbild prägestärkste. In dieser Zeit entstand Preußens Via triumphalis, die Abfolge der wichtigsten staatsikonographischen Bauten, die sich vom Schloss über das Forum Friedericianum bis zum Brandenburger Tor erstrecken. Die nächste Phase übergreift Kaiserreich und Weimarer Republik; gebaut werden nach 1871 in hochrepräsentativer Manier u.a. Museen, Reichstag und Dom. Nach Gründung der Weimarer Republik wird Berlin zur modernen Metropole mit weltweiter Ausstrahlung, und nicht mehr Repräsentationsbauten, sondern die großen Siedlungen und Infrastrukturprojekte stehen im Zentrum des Interesses. Mit den megalomanen Planungen des NS-Regimes wird in der Mitte der dreißiger Jahre eine erste Welle der Stadtzerstörung eingeleitet, die sich im Krieg fortsetzt. Danach bleiben die Neubauplanungen, die sich in Ost und West an ganz verschiedenen städtebaulichen Leitbildern orientieren, vielfach ohne Bezug zum ja immer noch bestehenden alten Stadtgerüst; erst nach der Mitte der 1970er Jahre setzt hier auf beiden Seiten ein Umdenken ein; Erhalt statt Abriß ist nun häufig die Devise. Die vorläufig letzte Phase hatte mit der Wiedervereinigung einen glücklichen Beginn; zum ersten Mal entstanden in Berlin politische Großbauten für einen demokratischen Staat. Unter den aktuellen Projekten ist besonders der Neubau des Schlosses inklusive der geplanten Nutzungen zu diskutieren.
Literatur: Wird zu Semesterbeginn bekannt gegeben.
Leistungsnachweis: Referat und Hausarbeit

 

Prof. Dr. Christoph Asendorf
Zur Kulturgeschichte der Straße – Promenaden, Boulevards und Highways
Seminar: BA/MA, BA Kulturgeschichte-Vertiefung//MEK Wissenskulturen - Wissenschaften, Religionen, Künste//MA Literaturwissenschaft: Wissenskulturen und Künste
3/6/8/9 ECTS
Dienstag 16-18 Uhr, Ort: GD 05

Bernard Rudofsky teilt in seinem 1969 erstmals erschienenen Buch "Straßen für Menschen" die erstaunliche Rechercheerfahrung mit, dass unter den Millionen Bänden der Library of Congress sich keines über Straßen oder Fußgänger oder ein verwandtes Thema gefunden habe. Doch hat sich seitdem die Lage geändert: Straßenleben ist verstärkt zum Thema für Schriftsteller oder Soziologen wie auch der Kunst- und Kulturgeschichte geworden. Im Seminar wird es um die Straße in der Epoche der Industrialisierung gehen. Die moderne Großstadt bildet spezifische Formen des Straßenlebens aus, wie zunächst London und Paris und da besonders die Malerei des Impressionismus zeigen. Mit der Flanerie bildet sich auch eine den Straßen der Stadt angemessene literarische Wahrnehmungsform heraus. Künstlergruppen, denen die Straße besonders wichtig war, wie etwa die Surrealisten und die Situationisten der 1960er Jahre, werden ebenso behandelt wie das Genre der Street Photography. Weiter soll es um aktuelle Formen architektonischer Straßeninszenierung gehen. – Parallel entwickelt sich die Geschichte eines anderen Akteurs: Mit dem Auto bekommen die Straßen eine neue Qualität; die Städte verändern sich (Stichwort „autogerechte Stadt“), und an die Seite der alten Überlandstraßen tritt der neuartige Bewegungsraum Autobahn. Nicht zuletzt Romane wie Kerouacs „On the Road“ und wenig später die Roadmovies reagieren darauf.
Literatur: Bernard Rudofsky, Straßen für Menschen, Salzburg/Wien 1995.
Boulevards – Die Bühnen der Welt, Einl. K. Hartung, Berlin 1997.
Wege und Kanäle, in: Hauser/Kamleithner/Meyer (Hg.), Architekturwissen, Bd. 2: Zur Logistik des sozialen Raumes, Bielefeld 2013, S. 241-296. 
Leistungsnachweis: Referat und Hausarbeit

Prof. Dr. Christoph Asendorf
Pop! Die Massenkultur und ihr punktuelles Bündnis mit den Avantgarden des 20. Jahrhunderts
Seminar: MA MEK WM Wissenskulturen und Künste//MAL Theoretische und historische Grundlagen/Wissenskulturen und Künste//MASS Zentralmodul/WM
Donnerstag 11-13 Uhr, Ort: GD 05

Die Geschichte der Avantgarden läßt sich über weite Strecken gar nicht ohne den Bezug zu modernen Lebenswelt verstehen; das gilt schon um 1910 für das künstlerische Interesse an Bewegung und Simultaneität. In den 1920er Jahren geriet mit den Massenmedien auch die Massenkultur in den Blick. Doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der selbständige Status der Hochkunst problematisiert; die Künste begeben sich gleichsam ins Gemenge. Zu Beginn der Ära der Pop Art ging die englische Independent Group daran, die Ideen der klassischen Avantgarden mit den aktuellen Erscheinungsgsformen der populären Kultur zu verschmelzen. Wenig später wird es möglich, das Gestalter als Devise formulieren können: „Learning from Las Vegas“. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, als die Massenkultur selbst immer mehr „zur hegemonialen kulturellen Wirklichkeit in den modernen Gesellschaften“ wird (Michael Makropoulos). Sie übernimmt schließlich erhebliche Anteile des Aktionsbereiches der Künste. Heute orientiert sich ein Rem Koolhaas ebenso an den inszenatorischen Strategien von Prada wie am aktuellen Architekturdiskurs.
Literatur: Michael Makropoulos, Theorie der Massenkultur, München 2008
Leistungsnachweis: Referat und Hausarbeit

Prof. Dr. Christoph Asendorf / Prof. Dr. Annette Werberger
Epochenjahre (Von 1789 - 2001)
Seminar: MA MEK Zentralmodul//MAL Theoretische und historische Grundlagen/Wissenskulturen und Künste
Donnerstag 14-16 Uhr, Ort GD 05

Ein Epochenjahr kann definiert werden durch das Zusammentreffen mehrerer Ereignisse, die ineinandergreifen und eine Änderung des gegebenen historischen, gesellschaftlichen oder kulturellen Ausgangszustandes bewirken. Dies soll im Seminar beispielhaft an Fallstudien erörtert werden, die den Zeitraum zwischen 1789 und der Gegenwart übergreifen und dabei immer auch Zäsuren in der Entwicklung der Moderne markieren (1917, 1937, 1968 etc.). Ein besonderes Interesse gilt dabei der Verschiedenartigkeit der historiographischen Zugriffe zwischen allgemeiner Geschichte auf der einen und der Kultur-, Literatur- und Kunstgeschichte auf der anderen Seite. Nach Epochenjahren zu fragen, ergibt womöglich - und darüber wäre zu diskutieren - größere interpretative Spielräume, erlaubt nach Wechselwirkungen zu fragen zwischen ansonsten nach Fachdisziplinen getrennt behandelten Aktionsfeldern.  
Literatur: Jean Starobinski, 1789 – Die Embleme der Vernunft, München-Wien-Zürich 1981
Felix Philipp Ingold, Der große Bruch. Rußland im Epochenjahr 1913, München 2000
Robert Stockhammer, 1967. Pop, Grammatologie und Politik, Paderborn 2017
Leistungsnachweis: Referat und Hausarbeit

Lilja-Ruben Vowe
Vst.-Nr.: 10974
Bilder der Macht - Macht der Bilder? Repräsentation, politische Ikonologie und widerständige Narrative
6/8/9 ECTS
Seminar: BA, Kulturgeschichte-Vertiefung
Montag, 14-16 Uhr, Veranstaltungsbeginn: 09.10.2017

Dieses bildwissenschaftliche Seminar bietet einen Einblick in die ‚Verwebung‘ von künstlerischen Bildmotiven mit politischen Botschaften von der Antike bis in die Gegenwart. Ziel des Seminars ist die Analyse von visualisierten politischen Ideen und Bildprogrammen, die je nach geschichtlicher Periode in verschiedenen Medien wie Skulptur, Architektur, Malerei und Fotografie ihren Ausdruck fanden. Im digitalen Zeitalter der scheinbar grenzenlos zirkulierenden Reproduktionen, Fotografien und Videos sollen die Studierenden über Referate einerseits historische Wurzeln politischer Pathosformeln freilegen, andererseits historische und aktuelle Strategien visueller Politisierung aufarbeiten. In vielen politischen Motiven lassen sich Kontinuitätslinien von der Antike bis in die Gegenwart erkennen. Die Kraft von Motiven der politischen Ikonographie wie dem Kniefall wurde von Martin Warnke u.A. im Handbuch der politischen Ikonographie (2011) systematisch beschrieben und ausgewertet. Im Laufe des Seminars wird das Phänomen des Ikonoklasmus bzw. der sog. damnatio memoriae als Teil einer politischen Praxis ebenso behandelt wie die jüngsten Zerstörungswellen der Terrormiliz Daesh, die dieser historischen Thematik zusätzlich eine neue Dringlichkeit in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung verleihen. Am Beispiel der Bedeutung von Fotografie für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und in Arbeiten Shirin Neshats sind zudem die Möglichkeiten widerständigen bildnerischen Handelns Thema des Seminars. 

Literatur: Burke, Peter: Augenzeugenschaft – Bilder als historische Quellen, 2003, Wagenbach, Berlin. Diers, Michael: Schlagbilder – Zur politischen Ikonographie der Gegenwart, 1997, Fischer, Frankfurt (Main). Vowinckel, Anette: Agenten der Bilder, 2016, Wallstein, Göttingen. Warnke, Martin / Fleckner, Uwe / Ziegler, Hendrik: Handbuch der politischen Ikonographie, 2011, Beck, München.
Teilnahmevoraussetzungen: regelmäßige Teilnahme, aktive Mitarbeit Hinweise zur Veranstaltung: Bitte um Voranmeldung per E-Mail an vowe@europa-uni.de
Leistungsnachweis: Referat und Hausarbeit