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100 Jahre Dada, 500 Jahre Reformation: eine Bestandsaufnahme

Prof. Dr. Klaus Weber

3/6/9 ECTS

Seminar: KGMOE: Menschen - Artefakte - Visionen // MAL: Wissenskulturenund Künste // MEK: Wissenskulturen – Wissenschaften, Religionen, Künste

Dienstag, 11:15 - 12:45 Uhr, Ort: AM 202, Veranstaltungsbeginn: 16.10.2018

Um dem Krieg von 1914-18 einen Sinn zu geben, wurde hierzulande nicht zuletzt die Reformation bemüht. Thomas Mann sah die Wurzeln dieses „deutschen Krieges“ im „eingeborenen … Protestantentum“ des Landes. Er sei ein „neuer Ausbruch … des uralten deutschen Kampfes gegen den Geist des Westens sowie des Kampfes der römischen Welt gegen das eigensinnige Deutschland“. Während der Kulturprotestant Mann so eine Kontinuität von Arminius über Luther bis 1914 beschwor, sah Hugo Ball, katholischer Protagonist des Züricher Dada, bei Luther die Wurzel allen Übels – bei dem Luther, der „… das frohmütige Kuschen einführte…, die Heiligung des Staates durch die Christlichkeit der Knechtschaft“, der „die Deutschen zum geflissentlich reaktionären Volk“ machte: „Res publica wurde Polizeistaat, Aufsichtsstaat, dessen Sendung es ist, vom Nordkap bis Bagdad, von Finnland bis Spanien unter Berufung auf Bibel, Jehova und Jesus zu strafen, zu richten und zu henken. … Doch der Staat um des Staates willen besteht nur aus Verderbnis, sei es Verderben oder Verdorbenheit seiner Bürger.“ Ausgehend von diesen beiden Positionen werden die Bilder und Stereotype des „auf Dauer gestellten“ konfessionellen Konflikts (T. Bendikowski) und ihre Wirkung auf politisch-kulturelle Gegensätze in Deutschland untersucht – von der Konfessionalisierung über ein vermeintlich säkulareres 19. Jhd. bis zu den Wahlerfolgen der NSDAP. Anhand geschichts- und literaturwissenschaftlich relevanter Texte wird auch das (zumeist ahistorische) Bild von der Reformation als Auslöser eines großen Modernisierungs- und Demokratisierungsprozesses hinterfragt.

Literatur: H. Ball: Zur Kritik der deutschen Intelligenz (1919). Th. Mann: Betrachtungen eines Unpolitischen (1918). Sekundärliteratur: T. Bendikowski: Der deutsche Glaubenskrieg (2016). O. Blaschke (Hg.): Konfessionen im Konflikt. Deutschlandzwischen 1800 und 1970 (2002). Ch. Clark / W. Kaiser (Hg.): Culture Wars: Secular-Catholic Conflict in 19th-C. Europe (2003). J.Falter: Hitlers Wähler (1991). G. Krumeich / H. Lehmann: „Gott mit uns“. Nation, Religion und Gewalt im 19. und frühen 20. Jh.(2000). H.-G. Wehling (Hg.): Konfession — eine Nebensache? (1984).

Teilnahmevoraussetzungen: Regelmäßige aktive Teilnahme, mündliches Referat, schriftliche Hausarbeit

Hinweise zur Veranstaltung/zum Blockseminar: Wg. reger Nachfrage jetzt nochmals im Angebot. Letzte Gelegenheit!