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Doktorand*innen

Plitt_Mike_MG_6115 ©Frau Fest Presseabteilung der EUV

Mike Plitt


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Schmalz_Foto ©Schmalz

Tatjana Schmalz


Thema/Arbeitstitel des Promotionsprojekts:

Angebote für die Neukonzeptionierung der bundesrepublikanischen Erinnerungskultur am Beispiel der russlanddeutschen Volksgruppe

Abstrakt des Projekts:

Dem Forschungsvorhaben liegt die Beobachtung zugrunde, dass die Erinnerungskultur des Einwanderungslands Deutschland nicht die ethnisch-kulturelle Heterogenität der bundesrepublikanischen Gesellschaft widerspiegelt. Stattdessen existieren die vielfältigen Herkunftserzählungen gleichranging in der von Odo Marquardt beschriebenen „Polymythie“, so auch die Mythen der ko-ethnischen Migranten aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Ihre hierzulande einzige politisch anerkannte Interessenvertretung, die 1950 gegründete Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V., verhandelt seit dem massenhaften Spät-/Aussiedlerzuzug ab 1987 um einen „Platz in der Geschichte“ für die Russlanddeutschen, also um Sichtbarkeit einer der am besten integrierten Zuwanderergruppen in der offiziellen Erinnerungskultur. Die Aufmerksamkeit der Politik wächst scheinbar erst seit dem Fall Lisa im Jahr 2016 und dem darauffolgenden Mediendiskurs über die politischen Loyalitäten der Russlanddeutschen gegenüber Russlands Regierung und der Alternative für Deutschland. Dennoch hat die bundesdeutsche Medienöffentlichkeit die russlanddeutsche Meistererzählung als (Zwangs-)Migrationsgeschichte zwischen dem Russischen Reich, der Sowjetunion und der „historischen Heimat“ Deutschland nachhaltig infrage gestellt.

Das Dissertationsvorhaben beabsichtigt den Perspektivwechsel von einer Migrations- zur Behauptungsgeschichte der Russlanddeutschen und untersucht die Angebote russlanddeutscher Selbstorganisationen zur Neukonzeptionierung der bundesrepublikanischen Erinnerungskultur (1987/89-2018) im Lichte ihrer historischen Prägung durch den imperialen Kontext. Dafür untersucht die Studie die zentralen Sprachrohre russlanddeutscher Selbstorganisationen wie Printpublikationen und Kulturbetriebe auf identitätspolitische Strategien, die ihrer Behauptung als eigenständige Volksgruppe dienen, und befragt zugleich die nationalstaatliche Aussiedlerpolitik nach ihrem Umgang mit diesen Handlungs- und Interventionsstrategien. Indem historischen Erfahrungen als Minderheit oder Diasporaangehörigen im Integrationsprozess Bedeutung zugesprochen wird, soll die angestrebte Neuinterpretation der russlanddeutschen Geschichtsschreibung beispielhaft die Binnenkohäsion von Einwanderergruppen aus dem imperialen Behauptungskontext beleuchten und damit einen Beitrag zur Erforschung von Erinnerungskulturen in Einwanderungsländern leisten.

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PS_Bild_Webseite ©Seidel

Paula Seidel


Titel des Promotionsprojekts

Intellektuelle in Umbruchzeiten

Politische Gestaltungspraktiken des Publizisten Milan Ćurčin während des Zerfalls der Habsburgermonarchie und der europäischen Neuordnung nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1929)

Abstract des Promotionsprojekts

Das Dissertationsprojekt erforscht politische Gestaltungspraktiken von Intellektuellen vor dem Hintergrund der krisenhaften Zeit des Ersten Weltkrieges und der europäischen Neuordnung. Im Zentrum stehen die Aktivitäten des serbischen Publizisten Milan Ćurčin sowie sein Netzwerk in Zagreb, Belgrad, Wien und London im Zeitraum von 1914 bis 1929. Ćurčin setzte sich im Londoner Exil für die Gründung eines jugoslawischen Staates ein. Nach dessen Proklamation kämpfte er als Herausgeber der Zeitschrift „Nova Evropa“ für eine liberal-demokratische Staatsordnung.

Am biografischen Beispiel untersucht die Dissertation, wie Intellektuelle ihre Ordnungsideen auf konkreter Handlungsebene umsetzen. Sie fragt nach dem Zusammenspiel von Zeitdiagnosen, individuellem Gestaltungsanspruch und Gestaltungspraktiken. Dabei bezieht sie Ćurčins persönliches Netzwerk als Instrument politischer Mitgestaltung sowie als Kommunikationsraum ein. Anhand seiner Erfolge und Misserfolge, seiner Strategien und Anpassungen bilanziert das Forschungsprojekt über Räume und Grenzen politischer Mitgestaltung von Intellektuellen in postimperialen Umbruchzeiten.

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Portrait_MichaelaWolf (2) ©Wolf

Michaela Wolf


Thema/Titel des Promotionsprojekts

Wege aus dem "neuen Unbehagen" - Zur Kritik an der deutschen Erinnerungskultur

Abstrakt des Projekts

In der vorangegangenen Masterarbeit wurden die theoretisch-wissenschaftliche Kritik Ulrike Jureits und Aleida Assmanns an der Entwicklung der deutschen „Erinnerungskultur“ seit 1989 mit den Praxiserfahrungen sowie daraus resultierenden Konzepte aus einschlägigen Einrichtungen der Bildungs- und Erinnerungsarbeit verglichen. Damit sollte gezeigt werden, welche Visionen es für die Weiterentwicklung erinnerungskultureller Ansätze gibt und inwiefern bestehende Konzepte aus der Bildungs- und Erinnerungsarbeit einen Ausweg aus dem „neuen Unbehagen“ der Erinnerungskultur bieten können. Dabei wurde deutlich, dass neben wachsender historischer Distanz und einer zunehmenden Politisierung von Erinnerung auch die gesellschaftliche Wahrnehmung davon, wie an die Verbrechen des Nationalsozialismus erinnert wird, Ursachen für das aktuelle Unbehagen darstellen. Um der Verunsicherung darüber, welche Regeln für das Sprechen über die Zeit des Nationalsozialismus gelten und wer diese festlegt, entgegenzuwirken, gilt es, Jureits Forderung nach einer „irritierenden Erinnerungskultur“ nachzukommen. Dabei kann auf zahlreiche Ansätze aus der Bildungs- und Erinnerungsarbeit zurückgegriffen werden. An die Ergebnisse dieser Arbeit wird nun in einem Promotionsprojekt angeknüpft.

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