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Forschungsprojekte

Sievers_8544_hoch190 ©von Wiebke Sievers selbst bereitgestellt

Dr. Wiebke Sievers (Habilitantin)
Österreichische Akademie der Wissenschaften

E-Mail: Wiebke.Sievers@oeaw.ac.at


Migrationsliteratur: eine Revolution im literarischen Feld? Eine literatursoziologische Analyse von Literatur im Kontext von Migration in Österreich:

Der Begriff Migrationsliteratur ist in der deutschsprachigen Debatte über Literatur und Migration allgegenwärtig, wird aber von den Autoren und Autorinnen, die unter diesem zusammengefasst werden, und in der Literaturwissenschaft inzwischen durchwegs abgelehnt. Dieser Spannung möchte ich mit Hilfe von Pierre Bourdieus Arbeiten zum literarischen Feld am Beispiel von Literatur im Kontext von Migration in Österreich auf den Grund gehen. Meine erste These lautet, dass unter dem Titel Migrationsliteratur eine Revolution im literarischen Feld stattfand, die als solche anerkannt werden muss: Autoren und Autorinnen wie Dimitré Dinev, Anna Kim oder Julya Rabinowich, die selbst oder deren Eltern als Zuwanderer kamen, fanden unter diesem Label zum ersten Mal Anerkennung im österreichischen literarischen Feld und durchbrachen damit die darin herrschenden nationalistischen Strukturen. Natürlich finden sich Spuren dieser Revolution auch in den Werken, die jedoch, so meine zweite These, weit über diese hinausweisen.

Die Habilitation basiert auf dem Projekt Literature on the Move.

Maffle_St%c3%a9phane_MG_7137%5b1%5d ©Heide Fest EUV

Stéphane Maffli, M.A. (Gastwissenschaftler)
Université de Lausanne

E-Mail: Stephane.Maffli@unil.ch


Literarische Innenperspektiven der Migration. Sprache und Narration in der Migrationsliteratur aus der deutschsprachigen Schweiz seit 1980 an den Beispielen von Beat Sterchi, Franco Supino, Aglaja Veteranyi, Ilma Rakusa und Melinda Nadj Abonji:

Die bekannte Wendung: »Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kommen Menschen.« von Max Frisch bezieht sich auf die Debatten über Einwanderung, die die Schweizer Öffentlichkeit seit Beginn 1960er dominiert und anfangs von zwei widersprüchlichen Kräften bestimmt wird: die Bedürfnisse der Wirtschaft und die gesellschaftliche Befürchtung einer „Überfremdung“. Frischs Satz deutet darauf hin, dass auch die Perspektive des Anderen, des Einwanderers als Mensch zu berücksichtigen ist. Was bedeutet es für die eigene Identität, sein Zu Hause zu verlassen und in einer anderen Kultur ein neues Leben zu beginnen? Mein Dissertationsprojekt untersucht in diesem Zusammenhang fünf literarische Texte, die zwischen 1980 und 2011 erschienen sind, mit der Hauptthese, dass Literatur eine Innensicht in die Migration ermöglicht.

Pelloni_neu ©Gabriella Pelloni

Dr. Gabriella Pelloni (Gastwissenschaftlerin)
Università degli Studi di Verona

E-Mail: Gabriella.pelloni@univr.it


Forschungsprojekt im Rahmen von ‚Eurotales': per una memoria delle voci d’Europa:

Mein Forschungsvorhaben strebt eine Darstellung der Phänomene Migration und Identitätsbildung in biopolitischer/biopoetischer Perspektive anhand von ausgewählten, die Migration thematisierende Texte zeitgenössischer deutschsprachiger Autoren an. Ausgehend von Roberto Espositos biopolitischem Ansatz zum Verhältnis von Gemeinschaft und Immunität untersucht mein Projekt ein umfängliches Textkorpus (Özdamar, Şenocak, Vertlib, Erpenbeck) im Hinblick auf thematisierte Schutz- und Abwehrmechanismen, mit denen Identitätspolitiken gegenüber dem Anderen/Fremden gestützt werden. Nach diesem Ansatz wird Literatur, die sich der Vergegenwärtigung von Migrationsphänomenen widmet, als Ausdruck ästhetisch-politischen Handelns gefasst, durch das Optionen der Grenzüberschreitung in Erscheinung treten können.