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Dr. Caroline Jessen

Vor dem Hintergrund von Exil und Migration beschäftigen mich aktuell Krisenmodelle der Überlieferung – genauer: literarische Texte, die Modelle des Überlieferns und Übertragens in der Spannung von Sammlung und Zerstreuung, Kontinuität und Bruch durch die poetische Figur des ›Boten‹ – Hermes/Mercurius – entwerfen. In meiner Dissertation habe ich zuvor ausgehend von Bibliotheken deutsch-jüdischer Emigranten in Israel das Paradoxon eines Sprechens über ›deutsche‹ Literatur beschrieben, das Nähe und Distanz zu einer deutschen Gegenwart markiert. Mit großem Interesse für Archivprozesse und historische Sammlungsforschung habe ich zudem in Israel für das Deutsche Literaturarchiv Marbach und das Rosenzweig Minerva Forschungszentrum der Hebrew University Jerusalem sowie für den Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel gearbeitet. Ergebnisse bündelt mein Buch Der Sammler Karl Wolfskehl (2018), das sich als Beitrag zu einer literaturwissenschaftlich interessierten Provenienzforschung versteht.

In Forschung und Lehre gilt mein Interesse dem Zusammenhang von Migration und Wissenstransfer, Theorien des ›kulturellen Erbes‹ und der epistemischen Relevanz der Provenienz von Büchern und Handschriften für die philologische Forschung.

Am Lehrstuhl leite ich die Chiellino-Forschungsstelle für Literatur und Migration.