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Diskussionforum

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Interkulturelle Literatur, Gastarbeiterliteratur, Migrantenliteratur – bereits diese un­be­frie­di­gen­den Ver­suche, eine tref­fen­de Be­zeich­nung zu fin­den, spie­geln die Viel­schich­tig­keit eines li­te­ra­ri­schen Phä­no­mens, das heute zum fes­ten Be­stand­teil einer grenz­über­schrei­ten­den eu­ro­pä­ischen Li­te­ra­tur ge­wor­den ist. Sol­che Viel­schich­tig­kei­ten aus­zu­lo­ten, ohne alt­her­ge­brach­te Gren­zen ei­ner na­tio­na­lis­ti­schen Ka­no­ni­sie­rung neu zu er­rich­ten, ist eines der Zie­le des of­fe­nen Dis­kus­sions­fo­rums Be­weg­tes Eu­ro­pa, das die Axel Sprin­ger-Stif­tungs­pro­fes­sur für deutsch-jü­di­sche Li­te­ra­tur- und Kul­tur­ge­schich­te, Exil und Mi­gra­tion im WS 2012/13 und SoSe 2013 an der Eu­ro­pa-Uni­ver­si­tät Via­dri­na ver­an­stal­tet. Dabei geht es auch darum, die Per­spek­ti­ven unter­schied­licher Fach­tra­di­tio­nen zu­sam­men­zu­füh­ren und in pro­duk­ti­ver Wei­se mit­ein­an­der ins Ge­spräch zu brin­gen. Das Of­fene Fo­rum Mi­gra­tion und Li­te­ra­tur bie­tet da­her In­te­res­sier­ten al­ler Fach­rich­tun­gen die Mög­lich­keit, ak­tuel­le For­schungs­as­pek­te ken­nen­zu­ler­nen und in einen Aus­tausch mit in­ter­na­tio­na­len Ex­per­tin­nen und Ex­per­ten auf dem Ge­biet der kul­tur­wis­sen­schaft­li­chen Mi­gra­tions­for­schung zu treten.

Jede monat­lich statt­fin­den­de Ver­an­stal­tung wird mit einem ein­füh­ren­den Vor­trag einer wis­sen­schaft­li­chen Ex­per­tin/eines wis­sen­schaft­li­chen Ex­per­ten er­öff­net, der dann im Wei­teren zur Dis­kus­sion steht.

Die Referentinnen und Referenten stellen dazu Text­ma­te­rial zur Ver­fü­gung, das der Ein­stim­mung und Vor­be­rei­tung dient. Es kann per E-Mail bei Aleksandra Laski (laski@europa-uni.de) an­ge­for­dert werden.  

 

Archiv vergangener Veranstaltungen:


 

10. Juli 2013

16:00–18:00 Uhr

Stephanssaal

Prof. Dr. Joanna Jabłkowska (Univ.Łódź)


„Fremdkörper? Versöhnung? Polnische Migrantenliteratur in Deutschland.“

Vortrag und Diskussion


JJablkowksa ©Copyright by J. Jablkowska

Prof. Dr. Joanna Jabłkowksa

Der polnische Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­ler Jan Błoński fragte einst, ob es eine o­der zwei pol­ni­sche Li­te­ra­tu­ren gebe, die Li­te­ra­tur, die in Po­len ent­steht und die E­xil­li­te­ra­tur, und lei­te­te damit eine wich­ti­ge De­bat­te ein.

In der Tat, wich­ti­ge Wer­ke der pol­ni­schen Na­tio­nal­li­te­ra­tur ent­stan­den im E­xil: im 19. Jahr­hun­dert Wer­ke von Adam Mickiewicz, Juliusz Slowacki, Zygmunt Krasiński, Cyprian Kamil Norwid, im 20. Jahr­hun­dert von Czesław Miłosz, Witold Gombrowicz, Gustaw Herling­-Grudziński und vie­len an­de­ren. Die letz­te Pha­se der po­li­ti­schen E­mi­gra­tion be­gann An­fang der 80er Jah­re, nach der Ver­hän­gung des Kriegs­zus­tands in Po­len.

Nach 1989 be­gan­nen Re­in­te­gra­tions­pro­zes­se, vie­le Dich­ter kehr­ten nach Po­len zu­rück; vie­le ver­such­ten als Mitt­ler zwi­schen der pol­ni­schen und an­deren Kul­tu­ren zu wir­ken, doch bis heu­te ist das Exil aus der Land­schaft der pol­ni­schen Kul­tur nicht zu til­gen. Die pol­ni­sche Mi­gran­ten­li­te­ra­tur in der Bun­des­re­pu­blik schreibt sich in diese Tra­di­tion ein. Al­ler­dings hat sie ihren ei­ge­nen Cha­rak­ter ent­wic­kelt. Am Bei­spiel der Wer­ke von ei­ni­gen Au­to­ren, die in der Bun­des­re­pu­blik oder in den bei­den Län­dern leben, pol­nisch oder deutsch oder in den beiden Spra­chen schrei­ben, wird das Phä­no­men der pol­ni­schen Mi­gran­ten­li­te­ra­tur ge­zeigt. 


22. Mai 2013

16:00–18:00 Uhr

LH 120

Prof. Dr. Walter Schmitz (TU Dresden):

„Gibt es eine Literatur der Migration? Zur Konzeption eines Handbuchs zur Migrationsliteratur im deutschsprachigen Raum seit 1945“

Vortrag und Diskussion


ProfWalterSchmitz ©Copyright by Walter Schmitz

Prof. Dr. Walter Schmitz

Mi­gra­tion nach 1945, vor al­lem die Ar­beits­mi­gra­tion seit Mit­te der 1960er Jah­re, hat nicht nur die Ge­sell­schaf­ten in den deutsch­spra­chi­gen Län­dern ver­än­dert; sie hat Deutsch­land auch zu ei­nem Ein­wan­de­rungs­land ge­macht. Aus der Er­fah­rung „Mi­gra­tion“ ent­ste­hen neue, grenz­ü­ber­schrei­ten­de Le­bens­läu­fe, neue Le­bens­er­zäh­lun­gen und eine Li­te­ra­tur, die auf die­se Er­fah­run­gen in viel­fäl­ti­ger Wei­se rea­giert. Die li­te­ra­ri­sche Land­schaft in Deutsch­land, Ös­ter­reich und der Schweiz hat sich seit­her grund­le­gend verändert.


25. April 2013

16:00–18:00 Uhr

Stephanssaal

Dr. Cornelia Zierau (Univ. Paderborn):

"'Als ob sie mit Fremdsprache sprechenden Menschen an einem Tisch säße' - Sprachenwechsel und Mehrsprachigkeit in der interkulturellen Literatur"

Vortrag und Diskussion


CorneliaZierau ©Bild von Frau Zierau selbst bereitgestellt

Dr. Cornelia Zierau

Das Schrei­ben in einer Zweit­spra­che ent­hält auf lin­gu­is­ti­scher und se­man­ti­scher Ebene Spuren von Mehr­spra­chig­keit und In­ter­lin­gu­a­li­tät, die ein um­fas­sen­des Sprach- und Kul­tur­wissen implizieren. Diese werden äs­the­tisch ein­ge­bun­den und ver­dich­ten sich somit zu li­te­ra­risch, kul­tu­rell und sprach­lich viel­stim­mi­gen Tex­ten. Gerade Au­to­rin­nen und Au­to­ren, die in der Zweit­spra­che schrei­ben, verknü­pfen häufig in in­te­res­san­ter Weise ein ästhe­ti­sches Pro­gramm der Po­ly­pho­nie und Mehr­deu­tig­keit mit Mehr­spra­chig­keit und kul­tu­rel­ler Viel­falt, so dass – im Sinne Homi Bhabhas – Spuren kul­tu­rel­len Wis­sens gelegt und in­no­va­tiv zu neuen hy­bri­den kul­tu­rel­len Rä­umen ar­ran­giert werden. Im Vortrag soll ausgehend von Ü­ber­le­gun­gen darüber, was die Be­grif­fe "Mehr­sprach­ig­keit" und "Sprach­re­fle­xi­vi­tät" im­pli­zie­ren, diesen As­pekt­en in in­ter­kul­tu­rel­len li­te­ra­ri­schen Wer­ken genauer nach­ge­gan­gen werden: Welche Mög­lich­kei­ten der Ins­ze­nie­rung von Mehr­sprach­ig­keit und kul­tu­rel­ler Viel­falt gibt es? Welche Ef­fek­te werden dabei er­zeugt? Welches kul­tu­rel­le und sprach­liche Wissen kommt dabei zum Vor­schein? 


8. Januar 2013

16:15–18:00 Uhr

AM 02

Dr. Wiebke Sievers (Österr. Akadmie der Wissenschaften, Wien):

"Lässt sich das überhaupt vergleichen? Migration und Literatur in Europa, den USA, Kanada und Australien"

Vortrag und Diskussion


WiebkeSievers ©von Wiebke Sievers selbst bereitgestellt

Dr. Wiebke Sievers

Migrationsliteratur wird in der Literaturanalyse gern als trans­natio­nales Phä­nomen gelesen, das Nationen und Kulturen per se in Frage stellt. Der ver­glei­chende sozio­lo­gische Ansatz dieses Vortrags versucht da­gegen zu zeigen, wie stark die Ent­ste­hungs­ge­schich­ten und Inter­pre­ta­tionen dieser Lite­raturen in ihren jewei­ligen nation­alen Kontexten verankert sind. Grundlage des Vortrags ist ein in Ent­stehung befind­liches Handbuch zu Migration und Literatur, das sich diesem Phä­nomen in 13 ver­schiedenen Ländern widmet. 

13. Dezember 2012

16:15–18:00 Uhr

Stephanssaal

Prof. Dr. Gerhard Bauer (FU Berlin):

"Postkolonialismus auf Deutsch? politisch? kulturell. literarisch!"

Vortrag und Diskussion


Gerhard Bauer ©Fotografie von Herrn Bauer zur Verfügung gestellt

Prof. Dr. Gerhard Bauer

In der angloamerikanischen Bewältigung des kolonialen Erbes und der französischen Auseinandersetzung mit den im eigenen Land nach­lebenden Zeugen des großen Abenteuers „Algerien“ hat das theo­re­tische Konzept eines „Post­kolonia­lis­mus“ einen hohen Rang.  Es setzt auch die Migration, die human folgen­reichste Seite der Glo­ba­li­sierung, einer verschärft kritischen politischen, polit­öko­no­mischen und sozialen Reflexion aus. Aber in Deutschland? Seine koloniale Vergangenheit zählt kaum gegenüber der der „großen“ Kolonial­mächte – oder ist sie nur vergessen? Seine Migranten rücken nicht in die Rolle seiner einstigen „Feinde“ und Kulis ein – oder doch? in wie fern? Was wird aus den schön klingenden kulturellen, sozialen, individuellen Gewinnen der Migration, wenn man die hierorts vergessene, also unbewusst nach­lebende kolo­nia­lis­tische Mentalität berück­sichtigt, wenn man sie bis ins neuer­dings unent­behrliche „head hunting“ verfolgt? Aber die Literatur, die sich ihre Autonomie, ihre Sou­ve­räni­tät, auch ihre Locker­heit und ihre vielen, z. T. tief­ernsten, Späße nicht nehmen lässt! Hat sie mit jenem düsteren Erbe überhaupt zu tun? Kehrseitig, reziprok, „writing back“ oder noch anders?