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Nina Weller

Vergangenheit der Gegenwart. Geschichtsbilder, Fiktion und Erinnerung in der belarussischen, russischen und ukrainischen Kultur

Das Projekt untersucht anhand von Literatur, Film und Graphic Novels der 1990er und 2000er Jahre künstlerische Bearbeitungen des Zweiten Weltkriegs in Belarus, Russland und der Ukraine. Vor dem Hintergrund der gedächtnispolitischen Kontroversen und der pluralisierten Erinnerungskulturen in Osteuropa fragt es, wie sich in künstlerischen Ausdrucksformen die Auseinandersetzung mit dem sowjetischenMeta- Narrativ des „Großen Vaterländischen Kriegs“, mit nationalen Geschichtsmythen und mit westeuropäischen Erinnerungsdiskursen gestaltet. Im Zentrum des Interesses steht das Verhältnis von Geschichtsbildern, Erinnerung und Fiktion in der Spannung von sowjetischem Erbe und nationaler Identitätssuche der drei Länder. Über welche Motive äußert sich die Koexistenz und Konkurrenz der Erinnerung? Welche historischen Ereignisse werden als Teil der gemeinsamen transnationalen Vergangenheit thematisiert, welche Traditionen kultureller Selbstvergewisserungen betont? Welche Funktion kommt den jeweiligen medialen Erzähl- und Darstellungsformen bei der Umschreibung, Enttabuisierung, Wiederaneignung oder auch Mythisierung der Vergangenheeit zu? Wie wird Erinnerung postmemorial inszeniert, wie Geschichte fiktioalisiert, wie die imaginäre Präsenz der Vergangenheit in der Gegenwart reflektiert? Ziel ist die Herausarbeitung der Parallelen und Unterschiede, die sich in populärkulturellen Reaktionen auf die institutionalisierte Geeschichtspolitik wie auch in den dazu alternativen Kriegs- und Gewaltdarstellungen unterschiedlicher Werke zeigen.

Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Ausschreibung „Kleine Fächer, große Potentiale" (2018-2021)

Designing the Past. Imagined History, Fiction and Memory in the Belarusian, Russian and Ukrainian Cultures

The project examines memory of World War II in literature, film and graphic novels in Belarus, Russia and the Ukraine from the 1990s to the 2000s. Against the background of memory-political controversies and of new pluralistic cultures of remembrance in these countries, the project asks how the new artistic forms are dealing with the reflections of the meta-narrative of the »Great Patriotic War«, the national respective myths of history, and how they refer to the Western European remembrance discourses. The relationship between new forms of designing the past, memory narratives and fiction is the focal point. Which motives come to the fore in the coexistence and competition of the cultures of remembrance in these three countries? Which role play the different forms of narrating and representing the past for contemporary remembrance of World War II, its rewriting, mythologizing, re-appropriating or freeing the history from taboos? How is memory staged, how is history fictionalized, how is the imaginary presence of the past reflected in the 1990s and 2000s. The project aims to examine the parallels and differences that emerge in popular culture in reactions to official discourses of remembrance or in alternative versions to them in the three countries. In doing so, the project will strengthen the visibility of the »small« or niche discipline Eastern European Studies (especially Ukrainian and Belarusian studies).