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Offene Grenzen? Wissensanthropologische Erkundung einer (noch) unmöglichen Möglichkeit

Dr. Norbert Cyrus

Seminar: MASS: Politik und Kultur
3/6/9 ECTS
Do, 10:15 - 11:45 Uhr
Ort: GD 206
Veranstaltungsbeginn: 17.10.2019

Vor über dreißig Jahren veröffentlichte der kanadische Philosoph Joseph Carens eine Begründung für offene Grenzen. Bisheute ist dieser Beitrag Ausgangspunkt und Bezugspunkt intensiver Debatten: Haben Nationalstaaten das unbeschränkteRecht, über die Einreise und Aufenthalte von Fremden allein nach eigenen Interessen zu entscheiden? Gibt es einMenschenrecht auf Bewegungsfreiheit, das staatliche Entscheidungshoheit einschränkt? Die Positionen in dieser intensiv geführtenphilosophischen Debatte beruhen nicht nur auf konkurrierende migrationsethische Ansichten darüber, welche Rechte undAnsprüche Migrant*innen zustehen; sondern auch auf Gewissheiten darüber, was in der Realität möglich und was unmöglich ist.Eine wissensanthropologische Perspektive untersucht die Konstruktion von Gewissheiten und versucht aufzuzeigen, wie bereitsetablierte Gedanken, Repräsentationen und Sozialbeziehungen die menschliche Erfahrung und Wahrnehmung der Welt und damitunterschiedliche Weltsichten hervorbringen. Die wissensanthropologische Betrachtung der Debatten über die (Un-)Möglichkeit offener Grenzen eröffnet die Chance zur Reflektion (noch) unmöglicher Möglichkeiten.

Literatur: Carens, Joseph H. (2012), Fremde und Bürger: Weshalb Grenzen offen sein sollten, in: Cassee, Andreas und Goppel, Anna (Hrsg.): Migration und Ethik, Münster: metis, 23 –46; Barth, Frederik (2002); An Anthropology of Knowledge, in: CurrentAnthropology 43 (1): 1-18; Brie, Michael (2010); Solidarische Gesellschaftsformation - Skizze über eine (noch) unmöglicheMöglichkeit, in: Horst Müller (Hg.): Von der Systemkritik zur gesellschaftlichen Transformation, Bod-Verlag: Noderstedt, 12-56.

Weitere Literatur wird zu Semesterbeginn bekannt gegeben!

Teilnahmevoraussetzungen: Regelmäßige und aktive Teilnahme, Bereitschaft zum Lesen englischsprachiger Texte.

Leistungsnachweise: 3 ECTS: Referat | 6 ECTS: Hausarbeit (12-15 Seiten) | 9 ECTS: Hausarbeit (20-25 Seiten).

Sprache: Deutsch