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Who needs migration research? And what makes it good? Exploring methods, challenges and ethics of anthroplogical and sociological research on mobile people and intersecting inequalities

Di, 14:15 - 15:45 Uhr, 14-tägig

Raum: AM 03

MA-Seminar: MASS: Kultur und Gesellschaft / Migration, Ethnizität, Ethnozentrismus // Alle MAs: Optionsmodul: Transdisziplinäre Kulturwissenschaften

3/6/9 ECTS

Veranstaltungsbeginn: 20.04.2020

„Es war mein Philosophieprofessor [...] der es mir eines Tages in Erinnerung rief: „Wenn Sie hören, daß man schlecht über die Juden redet, dann spitzen Sie die Ohren, man spricht von Ihnen.“ Und ich dachte, daß er universell recht hatte, insofern ich mit meinem Körper und meiner Seele für das Schicksal verantwortlich bin, dass man meinem Bruder bereitet. Seitdem habe ich begriffen, dass er ganz einfach sagen wollte: ein Antisemit ist zwangsläufig rassistisch*“ Frantz Fanon, Schwarze Haut Weiße Masken, 1985 [1952] ,S. 89, (*Zitat ist für das Vorlesungsverzeichnis leicht angepasst) Wie sprechen Antisemitismus- und Rassismustheoretiker*innenüber das Leiden und die Unterdrückung der jeweils anderen Gruppe? Welche Perspektiven auf Antisemitismus und Rassismus entwerfen sephardische und ashkenasische Jüd*innen, was diskutieren Jüd*innen of Color? Was schreiben postkoloniale Theoretiker*innen und Schwarze Autor*innen über Antisemitismus und sein Verhältnis zu unterschiedlichen Rassismen? Wo zeigen sich Ähnlichkeiten, wo Differenzen in den Erfahrungen von Ungleichheit? Welche blinden Flecke finden sich in den Texten und wo werden Ausschlüsse reproduziert, wo Solidaritäten entworfen? Wie waren und sind Rassismus und Antisemitismus miteinanderverflochten? Im Zentrum des Lektürekurses zu Beziehungen und Spannungen zwischen Antisemitismus und Rassismus stehen die Fragen: Was lässt sich aus dem Verhältnis von Jüdinnen, Schwarzen und Menschen of Color in anderen historischen und lokalen Konstellationen für gegenwärtige Diskussionen lernen? Welcher Modus der Kritik und welche Sprache kann auch eine gegenwärtige Diskussion weiterführen? Im Seminar werden theoretische und ideengeschichtliche, vor allem aber historische und empirische Studien sowie literarische Texte gelesen. Das Seminar hat angesichts der vielen Leerstellen im Verhältnis zwischen den beiden Forschungsfeldern einen explorativen Charakter. Vorkenntnisse der antisemitismus- und rassismustheoretischen Forschung werden nicht vorausgesetzt. Studierende sollten jedoch Interesse an einer Auseinandersetzung mit diesen und anderen Machtverhältnissen mitbringen. Sie sollten offen dafür sein, eigene Positionen in Frage stellen zu lassen und andere Perspektiven anerkennen oder zumindest respektvoll aushalten können. Im besten Falle soll im Seminar eine inhaltlich fundierte aber auch praktische erprobte Sensibilität und Reflexionsfähigkeit für vielfältige und widersprüchliche Differenzen innerhalb von Machtverhältnissen erarbeitet werden.

Literatur:
Wird nachgereicht!

Leistungsnachweise:
3 ECTS: Lektüretagebuch mit Einträgen zu zwei Texten a´ 2 Seiten und Übernahme der Verantwortung für einen Text an einer Sitzung. 6 ECTS: Lektüretagebuch mit Einträgen zu drei Texten, Übernahme der Verantwortung für einen Text an einer Sitzung und ein zusammenfassendes Essay a´ 6 Seiten. 9 ECTS: Lektüretagebuch mit Einträgen zu drei Texten, Übernahme der Verantwortung für einen Text an einer Sitzung und zwei längeres Essays (10-12 Seiten) oder einer Hausarbeit von 20-25 Seiten.