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Forschungsarchiv

Abgeschlossene Forschungsprojekte

 

1. The Structure of Church-State Relations in Europe

Bearbeiter: Michael Minkenberg, in Kooperation mit: Z. Enyedi (CEU Budapest) / B. Girvin (University Glasgow) / J. Madeley (LSE London)

Kurzbeschreibung: Dieses Projekt strebt eine neue Konzeptionalisierung des Staat-Kirche-Verhältnisses im modernen Europa an, die über die üblichen engen normativ-juristischen Bestimmungen und breiten despkriptiv-historischen Abhandlungen bzw. speziellen Fallanalysen hinausweist. Es geht um eine umfassende komparatistische Untersuchung dieses Verhältnisses unter Einbeziehung spezifisch politikwissenschaftlicher Fragestellungen und Themen der Macht, des Staates, des policy making und der Konfliktregulierung. Das Projekt verfolgt drei Ziele: ein theoriegeleitetes gemeinschaftliches Buch der vier Partner, eine umfassende Datensammlung zu Indikatoren des Staat-Kirche-Verhältnisses, die in einem Datenhandbuch für künftige Forschungen zur Verfügung stehen soll, und eine aus mehreren Workshops hervorgehende Publikation von Einzelfallanalysen im sich erweiternden Europa.   

Veröffentlichungen:

  • M. Minkenberg, "Staat und Kirche in westlichen Demokratien", in: Politik und Religion , hrsg. von M. Minkenberg und U. Willems. (Opladen: Westdeutscher Verlag, 2003), S. 115-138.
  • M. Minkenberg, “ The Policy Impact of Church-State Relations: Family Policy and Abortion in Britain, France and Germany ,” in: Zsolt Enyedi und John Madeley (Hrsg.) The Chimera of Neutrality: Church and State in Contemporary Europe , Sonderheft der West European Politics 16, 1 (London: Frank Cass, 2003), S. 195-217.

 

2. Representations of Europe and the nation in current and prospective member states: media, élites, and civil society (2001-2004)

Euronat Projekt

Bearbeiter: Michael Minkenberg, Wilfried Spohn

Kurzbeschreibung: Das interdisziplinäre und internationale Projekt, an dem neben dem Lehrstuhl für Poltikwissenschaft und unter der Federführung des EUI in Florenz auch Sozialwissenschaftler in London, Madrid, Athen, Krakau, Prag und Budapest teilnehmen, will die Wechselwirkung von europäischen und nationalen Identitäten vor allem vor dem Hintergrund der EU-Osterweiterung analysieren und vergleichen. Durch Umfragen und individuelle Interviews sowie durch inhaltsanalytische Auswertung von Medienmaterial sollen in den jeweiligen Ländern die Vorstellungen, Bilder und Darstellungsweisen Europas auf den Ebenen der politischen Eliten, der Medien und der Zivilgesellschaft beleuchtet werden. Die Leitfragen sind u.a.: Sehen sich die Bürger Europas vor allem als Deutsche, Italiener, Griechen, Briten usw. oder in erster Linie als Europäer? Welchen Einfluß haben die Medien auf die Vorstellungen der Bürger? Verstehen die Bürger in den verschiedenen Staaten Europa auf eine andere Weise? Dies sind einige Leitfragen, die die Bearbeiter für die Länder Deutschland und Österreich untersuchen. 

Veröffentlichungen:

  • M. Minkenberg, „Germany“, mit Willfried Spohn und Daniel Becker, in: Representations of Europe and the Nation in Current and Prospective Member States: The Collective State of the Art and Historical Reports, hg. Von Bo Strath und Anna Triandafillydou. Bruxelles: European Commission, 2003, S. 86-126.

 

Abgeschlossene Dissertationsprojekte

 

1. The Culture of European Societies (Monica Gariup, 2000-2003)

Der innerhalb der Europäischen Union verwendete Begriff der „Sicherheit“ ist kontrovers und nicht genau definiert. Ziel dieser Dissertation ist es die kulturell und normativ bestimmenden Faktoren der Gemeinsamen Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GESVP) herauszustellen. Mit Hilfe von konstruktivistischer Paradigmen und Diskurs-Analyse soll versucht werden die Komponenten der EU- Sicherheitskonzeption zu spezifizieren. Darüber hinaus soll erklärt werden warum die Sicherheitsfunktion der EU auf die nicht-herkömmlichen „Petersberger Aufgaben“ Konflikt-Management, Peacekeeping und humanitäre Intervention begrenzt bleibt.

2. Postkommunistische Außenpolitiken im Transformationsprozess (Julian Pänke, 2000-2003)

Im Westen dominiert noch immer die Vorstellung, daß die osteuropäischen Länder trotz aller inneren und transitorischen Probleme Staaten seien, deren Außenpolitik steuerungsfähig ist. Diese Annahme beruht auf der Fehlwahrnehmung, eine Konsistenz des Außenverhaltens insbesondere der Nachfolgestaaten der Früheren Sowjetunion anzunehmen. Während sich die Außenpolitiken der MOE-Staaten wesentlich geschlossener und beständiger präsentieren. Dieses Projekt vermutet einen funktionalen Zusammenhang zwischen dem Konsolidierungsgrad eines Landes und der Konsistenz seiner Außenpolitik, der mit Hilfe von Fallstudien nachgewiesen werden soll. Zur Erforschung wird ein neues Modell der Foreign Policy Analysis angewandt, das sich an domestic structure- Ansätzen orientiert.

3. Die Europäische Union im Südkaukasus: Strategisches Handeln und ein neuer Typ von Außenpolitik? (Sebastian Mayer, 2000-2003)

Die Politik der EU gegenüber dem Südkaukasus (SK) besteht im wesentlichen aus “low politics”: Entwicklungshilfe, Außenhandelspolitik und Kooperationsprogrammen, die sich aus der stark vergemeinschafteten Säule I des EU-Vertrags ergeben. Diesen Politikfeldern wird allgemein eher technische- und kaum strategische Relevanz zugebilligt. Das Projekt untersucht die Bedingungsfaktoren dieser SK-Politik und fragt danach, inwieweit sie imstande ist, strategisches Handeln und genuin europäische Interessen hervorzubringen, die unabhängig von den Interessen der Mitgliedstaaten sind. Dies geschieht mit Hilfe eines systemtheoretischen Modells, das nach “input” und “output” fragt sowie anhand des “feedback” eine Einschätzung der Akteursqualitäten der EU in den internationalen Beziehungen versucht. Die Ergebnisse sollen einer Theorie der europäischen Außenpolitik mittlerer Reichweite zugute kommen, die derzeit noch in den Anfängen steckt.

Veröffentlichung:

  • S. Mayer, „Tbilisi, Washington und die NATO nach dem 11. September. Perspektiven der georgischen Außen- und Sicherheitspolitik“, in: Blätter für deutsche und internationale Politik (Juni 2003), S. 706-713.

4. Moralpolitische Konflikte in katholischen Gesellschaften - Polen, Italien und Spanien im Vergleich (Anja Hennig)

Warum fiel in einigen katholischen Ländern wie Polen und Italien die moralpolitische Gesetzgebung bisher restriktiv aus, während es in Spanien – man denke an die „Homoehe“ – zu überaus liberalen Regelungen kam? Es liegt, so die These des Buches „Moralpolitik und Religion. Bedingungen politisch-religiöser Kooperation in Polen, Italien und Spanien“, in erster Linie an der Bereitschaft politischer Entscheidungsträger, mit katholischen Akteuren aus der Zivilgesellschaft zu kooperieren. Diese Bereitschaft wird vor allem durch drei Bedingungen befördert: eine historisch begründete „Kultur der Kooperation“ im Verhältnis von Kirche und Staat, politische Instabilitäten, die Liberalisierungsgegnern Chancen zur politischen Einflussnahme bieten und durch einen mittleren Grad an gesellschaftlicher Religiosität. Diesen Bedingungen kommt die Autorin auf die Spur, indem sie zwei Vergleichsmethoden verbindet: die theoretisch informierte Kongruenzanalyse und das process tracing, mit dem in detaillierten Länderstudien die Formen der Interaktion von Religion und Politik nachvollzogen werden. Eingebettet ist diese empirische Studie zum einen in die theoretische Debatte um die Gleichzeitigkeit von Säkularisierungsprozessen und einer neuen öffentlichen Relevanz von Religion. Vor allem aber benennt und strukturiert sie Muster und Mechanismen im Verhältnis von Religion und Politik und leistet somit einen Beitrag zu einem so interdisziplinären wie aktuellen Forschungsfeld.