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Forschung

Konzeption der Forschungsstelle

Die Forschungsstelle verknüpft sich mit dem Profil der Europa-Universität in vier Punkten:

1. Die kulturwissenschaftliche Fakultät der Europa-Universität betont den über nationale Grenzen hinausgreifenden Ansatz ihrer Forschung und Lehre; sie legt besonderen Wert auf die Perspektive des interkulturellen Vergleichs, und sie will sich in Forschung und Lehre den Herausforderungen der europäischen Integration stellen. Hierzu gehören aus der Perspektive der Wirtschafts- und Sozialgeographie die räumlichen Differenzierungen eines wirtschaftlichen und sozialen Strukturwandels, der sich in den Regionen und Städten Europas höchst ungleichmäßig vollzieht. Die Entwicklung von Regionen und Städten ist in der Gegenwart von synchronen Tendenzen der Globalisierung und Regionalisierung geprägt, wobei trotz wachsender internationaler Verflechtung von Produktion und Märkten die Bedeutung regionsspezifischer Strukturen und Interaktionsprozesse (einschließlich der wirtschafts- und sozialkulturellen Prägung von Regionen) gewachsen ist. Die Europa-Universität ist an einem herausgehobenen Ort angesiedelt, dem eine zugleich symbolische und materielle "Brückenfunktion" im zusammenwachsenden Europa zugeschrieben werden kann. Die Schnittstellen-Lage der deutsch-polnischen Grenzregion im erweiterten gesamt-europäischen Wirtschaftsraum stellt eine besondere Herausforderung für die Raumforschung dar. Die Europa-Universität ist somit dafür prädestiniert (und gefordert), in Forschung und Lehre aus einer europäisch vergleichenden Perspektive die Stadt- und Regionalentwicklung im neuen Europa zu analysieren. Die "Forschungsstelle für europäisch vergleichende Stadt- und Regionalforschung" möchte diese Aufgabenstellung im Bereich der fachlichen Verantwortung des Lehrstuhls Wirtschafts- und Sozialgeographie dauerhaft an der Europa-Universität verankern.

2. Das Konzept der Forschungsstelle ist auf eine inhaltliche Verschränkung von wirtschafts-, sozial- und kulturwissenschaftlichen Perspektiven am Gegenstand der Stadt- und Regionalentwicklung gerichtet. Damit soll in unserem Arbeitsgebiet dem besonderen Anspruch der kulturwissenschaftlichen Fakultät, einen Beitrag zum Studium der Interdependenz von kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Phänomenen zu leisten, entsprochen werden. Die inhaltliche Verschränkung bezieht sich vor allem auf die Einbettung der ökonomischen Realitäten der Stadt- und Regionalentwicklung in ein sozialwissenschaftliches Konzept der Raumforschung, in welchem die besonderen wirtschafts- und sozial-kulturellen Prägungen der Regionen einen großen Stellenwert erhalten. Hier werden Regionen als Interaktionsfelder ökonomisch-sozialer Akteure gefasst, und die Bedeutung regional differenzierter gesellschaftlicher "Regulationssysteme" für die Entwicklungsdynamik von Wirtschaftsräumen herausgestellt So können gerade in der gesellschaftsbezogenen Raumforschung die Synergieeffekte einer Verschränkung zwischen den Disziplinen der Geographie, Ökonomie und Soziologie deutlich gemacht werden. Der bisherige Mitarbeiterstab des Lehrstuhls, an dem die Forschungsstelle angesiedelt ist, weist zugleich eine personelle Verschränkung der genannten Disziplinen auf, da sich der Mitarbeiterstab des Lehrstuhls aus Geographen, Ökonomen und Soziologen zusammensetzt.

3. Das Konzept der Forschungsstelle ist auf eine Verknüpfung von Forschung und Lehre gerichtet: Die Lehrveranstaltungen zur Wirtschafts- und Sozialgeographie sind an inhaltlichen Schwerpunkten ausgerichtet, die mit dem Konzept der Forschungsstelle korrespondieren. Dazu gehören (a) "Stadt- und Regionalsystem im neuen Europa" - hier stehen die strukturbestimmenden Faktoren und die ungleichmäßige Entwicklungsdynamik europäischer Städte und Regionen, sowie die Art und Weise der Integration ostdeutscher und ost-mitteleuropäischer Städte und Regionen in das neue wirtschaftsräumliche Gefüge Europas im Mittelpunkt; (b) "Internationaler Vergleich regionaler Produktions- und Regulationssysteme" - hier werden verschiedene Typen von Regionen, ihre unterschiedlichen Entwicklungs-Pfade und -Milieus im europäischen Rahmen betrachtet, und auf der Basis internationaler Erfahrungen die Bedingungen und Ansätze der Revitalisierung von Wirtschaftsregionen (unter besonderer Berücksichtigung von Städten und Regionen in sog. Transformations-Kontexten) thematisiert. Im Lehrgebiet Wirtschafts- und Sozialgeographie erwerben die Studenten anhand eigener Studienarbeiten die Befähigung zu disziplinübergreifenden vergleichenden Stadt- und Regionalanalysen. Dabei kommen die Sichtweisen des neuen Europa von Stadt- und Regionalforschern aus "West und Ost" gleichermaßen ins Spiel - praktisch stellt sich dies z.B. so dar, dass unsere Studenten die Beiträge polnischer Stadt- und Regionalforscher zur europäischen Raumentwicklung (in polnischer und englischer Sprache) aufarbeiten und mit den Beiträgen z.B. englischer, deutscher, französischer, italienischer u.a. Wissenschaftler vergleichend diskutieren (Zusammenführung von "West- und Ost-Perspektive"). Ein Lehrangebot, das die Zusammenhänge von soziokulturellen und wirtschaftlichen Prozessen exemplarisch erfahrbar macht, kann die beruflichen Chancen unserer Absolventen verbessern (z.B. auf dem Sektor von regionalen Entwicklungsagenturen und Planungsinstitutionen, wo die Sensibilität für eben diese Zusammenhänge und damit die Offenheit für fachübergreifend denkende und arbeitende Personen gewachsen ist).

4. Die Forschungsstelle will mit ihrer Tätigkeit auch dem regionalen Umfeld des Wissenschaftsstandortes Frankfurt (Oder) von Nutzen sein, was in einer partiellen Fokussierung der Projektarbeit auf (a) Erfahrungen und Ansätze zur regionalwirtschaftlichen Transformation und Erneuerung in Regionen der Neuen Bundesländer (insbesondere Brandenburg), sowie (b) die Probleme und Perspektiven der deutsch-polnischen Grenzregion zum Ausdruck kommt. Zu (a) wurde 1999 auf Basis der Arbeiten der Forschungsstelle ein Drittmittel-Projekt von der Otto Brenner Stiftung eingeworben, das im Jahre 2000 anläuft. Das Projekt hat den Titel: "Produktionscluster in Ostdeutschland" und soll einen Beitrag zum Wissenstransfer zwischen Universität und Akteuren der regionalen Strukturpolitik in den Neuen Bundesländern erbringen. Zu (b) wurde seit 1996 das Projekt "Die deutsch-polnische Grenzregion im Transformationsprozess - Strukturwandel einer Wirtschaftsregion im europäischen Kontext" bearbeitet. Unsere Studien zur Grenzregion sind nicht als traditionelle Grenzraumforschung konzipiert - wir begreifen Grenzregionen nicht einfach aus der Perspektive des jeweiligen nationalen Wirtschaftsraumes als periphere Gebiete mit speziellen Entwicklungsbarrieren, sondern als Teile eines gesamt-europäischen wirtschaftsräumlichen Gefüges, die in der räumlichen Arbeitsteilung eine veränderliche Position einnehmen. So wird die Entwicklung der deutsch-polnischen Grenzregion durch die Überlagerung von drei Problemaspekten untersucht: erstens ihre Position im Rahmen der sich verändernden Muster der gesamteuropäischen räumlichen Arbeitsteilung, zweitens die wirtschaftsräumliche Restrukturierung im Kontext ungleichmäßiger ökonomischer und institutioneller Transformationsprozesse, drittens der "Sondereinfluß Grenzlage" in seinen ökonomischen, soziokulturellen und politisch-institutionellen Dimensionen (vergleichende Analyse von Grenz-Regionen). Die Forschungsstelle erarbeitet u.a. Empfehlungen zur Ausgestaltung regionaler Entwicklungsstrategien, die durch Mitarbeit des Lehrstuhls in regionalen Institutionen und Arbeitskreisen Funktionsträger der regionalen Wirtschaft und Planung erreichen. Die Projektarbeit wird durch den Aufbau von fachbezogenen regionalen und internationalen Kooperationsbeziehungen unterstützt.

 

Kooperationsbeziehungen

  • Regional Studies Association (London)

  • Sussex European Institute (University of Sussex)

  • Sektion Stadtsoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie

  • Arbeitskreis Geographie und Gesellschaftstheorie der Deutschen Gesellschaft für Geographie

  • Department of Sociology (Lancaster University)

  • Urban and Regional Development and Policy Association URDP (Athen)

  • EUROREG - Institute for Regional and Local Development (Warschau)

  • Akademia Economiczna, Uniwersytet A. Mickiewicza (Poznan)

  • Institute of Socio-Economic Geography and Spatial Planning (Poznan)

  • Centre Marc Bloch: Arbeitsgruppe Paris-Berlin (Berlin)

  • Akademie für Raumforschung und Landesplanung ARL (Hannover): Landesarbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburg-Mecklenburg/Vorpommern

  • Forum Zukunft Brandenburg e.V. (Potsdam)

  • ISW - Institut für Stadtentwicklung und Wohnen des Landes Brandenburg (Potsdam)

  • IRS - Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (Erkner)

 

Prof. Krätke ist seit 1999 Mitglied im Beirat für Raumordnung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, und wirkt dort in der Arbeitsgruppe "Konkretisierung und Umsetzung des EUREK" (Europäisches Raumentwicklungskonzept) mit.