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Graduiertenkolleg

Das Forschungsfeld „transnationale Räume“ steht im Kontext von (historischen und aktuellen) Globalisierungsprozessen, die eine Fixierung auf nationalstaatliche „Behälterräume“ zunehmend obsolet erscheinen lassen. "Globalisierung" ist zu einem Schlüsselbegriff in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft avanciert, der die Erweiterung des Organisationsraumes der Wirtschaft zu einem weltumspannenden räumlichen Beziehungsgefüge thematisiert. Man spricht vom "Schrumpfen des Raumes" und meint die rasante Beschleunigung des Transfers von Informationen, Kapital und Waren, der Migrationsbewegungen von Menschen und der Verbreitung kultureller Praktiken über weite geographische Distanzen. Dies ist ein vielschichtiger Prozess der Entwicklung transnationaler Vernetzungen.

Die meisten Studien zu transnationalen Vernetzungen konzentrieren sich auf grenzüberschreitende Beziehungen, soziale Netzwerke und institutionelle Strukturen. Auch wenn räumliche Kategorien „here and there“, „bifocality“, „place/space“, thematisiert werden, werden diese in erster Linie auf soziale Konfigurationen, nicht aber in Bezug auf Raumkonzepte bzw. auf die (materielle, soziale, diskursive) Konstitution von „transnationalen Räumen“ untersucht. Transnationale Räume sind von einer vielschichtigen De-Territorialisierung und Re-Territorialisierung wirtschaftlicher, sozialer, politischer und kultureller Beziehungen geprägt. Dabei wird das überkommene Mosaik nationalstaatlicher Territorien durch die diskontinuierliche Territorialität globaler Vernetzungen überlagert, subnationale Räume werden als lokale Knoten in globale Netzwerke eingebettet. Hier gelten Städte als besonders wichtige Orte der Analyse von Transnationalität. Ihre sozio-ökonomischen, politischen und kulturellen Dynamiken beeinflussen die Formung transnationaler Netzwerke. Anders herum haben transnationale Bewegungen u. a. von Migranten einen bedeutenden Einfluss auf den Wandel von Städten. Raum ist nicht als Setting zu verstehen, in dem transnationale Praktiken stattfinden, sondern als konstitutiv für Transnationalismus in all seinen Formen. Neben der Weiterentwicklung theoretischer Ansätze über die Charakteristika transnationaler Räume sind vor allem (quantitative und qualitative) empirische Forschungen notwendig, um die Dynamiken und Möglichkeiten des Wandels sowie der Neuentstehung von Räumen zu verstehen/erforschen.

Im Juni 2008 wurde an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Europa-Universität Viadrina das interdisziplinäre Graduiertenkolleg „Transnationale Räume“ eingerichtet, zu dem u. a. Wirtschafts- und Sozialgeographie, Ethnologie, Geschichte, Politikwissenschaft und Soziologie mit jeweils unterschiedlicher thematischer Akzentuierung beitragen. Für die erste Phase dieses Forschungs- und Lehrprojektes wurden vier Promotionsstipendiaten ausgewählt. Vor dem Hintergrund historischer, ethnographischer, soziologischer und geographischer Ansätze untersuchen sie in ihren jeweiligen Forschungsvorhaben Parameter, Verflechtungen und Auswirkungen transnationaler Prozesse im Sinne einer interdisziplinären kulturwissenschaftlichen Perspektive.