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Pensées Françaises Contemporaines

Das Projekt

pensees logo homepage 600x159 ©Projekt Pensees Francaises

 

Das Programm "Pensées Françaises Contemporaines", und der gleichnamige Lehrstuhl (Lehrstuhl für zeitgenössische, französische Denkweisen), hat den Anspruch die Vielfalt der französischen Fachdebatten in Deutschland zu präsentieren. In diesem Zusammenhang verweist der Plural in ‚Denkweisen‘ (pensées) einmal auf die nicht reduzierbare Vielfalt der untersuchten Disziplinen und Inhalte des soziokulturellen Lebens. Zum anderen wird damit aber auch auf die zahlreichen Verknüpfungen und Diskontinuitäten zwischen Deutschland und Frankreich verwiesen.

 

Der Lehrstuhl widmet sich der Analyse, Rekonstruktion und Kritik dieser "zeitgenössischen französischen Denkweisen" (Pensées françaises contemporaines). Eine zentrale Rolle spielt es, hierbei zusammen mit den Partneruniversitäten, die Transformationen und Einflüsse von deutschen und französischen Debatten zu übersetzten, zu untersuchen und zu befruchten.

Diese Ausarbeitungen von Unterschieden und Gemeinsamkeiten können in dieser Hinsicht fächerübergreifend die erkenntnistheoretische Positionen und die darüber hinausreichenden Überlegungen der Studierenden und Kolleg*innen der Geistes- und Sozialwissenschaften wie den Wirtschaftswissenschaften, der Geschichte, der Politikwissenschaft, der Philosophie, der Anthropologie, den Rechtswissenschaften oder der Soziologie sinnvoll bereichern.

 

Darüber hinaus hat der Lehrstuhl eine Plattform im Bereich Digital Studies geschaffen, sich verstärkt mit der Rolle und Integration der neuen Technologien und Digitalisierung in Bezug auf die Konzeption einer nachhaltigen Lehre in den Geistes- und Sozialwissenschaften auseinanderzusetzen, insbesondere in Krisenzeiten.

 

Dies bezeugt der Vergleich in den Wirtschaftswissenschaften, in denen es seit jeher gegensätzliche Denkschulen auf den gegenüberliegenden Seiten des Rheins dominieren: Während der Liberalismus in Frankreich geboren wurde, blieb Deutschland lange Zeit dagegen resistent, wie die historische Schule der Nationalökonomie bezeugt. Das 20. Jahrhundert war geprägt von unterschiedlichen Auffassungen von staatlicher Intervention, insbesondere in der Nachkriegszeit, wo die ordoliberale Prägung in der Bundesrepublik und der Keynesianismus und die Planifikation (le planisme) in Frankreich große Unterschiede markierten. Grade im aktuellen Kontext, der von Zusammenführung der vorherrschenden theoretischen Ansätze auf internationaler Ebene geprägt ist, könnte man untersuchen, was genau von diesen Unterschieden übriggeblieben ist und was die deutsch-französischen Debatten über die institutionelle Architektur der Eurozone aussagen.

 
Auch in der Rechtswissenschaft bleiben die nationalen Ansätze zur europäischen Integration oft konträr und insbesondere dort von Bedeutung, wo das Karlsruher Gericht dem Schutz der Grundrechte sowie den Grundsätzen der Subsidiarität und der Verhältnismäßigkeit beimisst.

 

In diesem Sinne ist das Ziel des Lehrstuhls gemeinsame theoretische Ansätze und Rahmenbedingungen zu analysieren und die Besonderheiten der französischen Ansätze (vor einem deutschen und internationalen studentischen Publikum an der Viadrina) herauszuarbeiten, wobei ein besonderes Augenmerk auf deren Verbreitung und mögliche Neuinterpretationen im Ausland gelegt wird. Gerade dieser vergleichende Ansatz des Lehrstuhls spiegelt den Gründungsauftrag der Europa-Universität Viadrina wider, eine experimentelle Universität mit europäischer Strahlkraft zu sein.