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Faculty of Social and Cultural Sciences (Kuwi)

Lehrbeauftragter

Oder Florida: Die unabgeschlossene Transformation in Ostdeutschland

3/6/9 ECTS
Blockveranstaltung: Zentralbereich Kultur / Zentralbereich Politik / WPM 4: Regionalentwicklung in Europa / WPM 4: Stadt, Region und Grenze in Europa / WPM 5: Kultur, Geschichte & Gesellschaft in Europa
Mi, 14-täglich, 9:30 - 13 Uhr Ort: GD 07, Veranstaltungsbeginn: 10.04.2019
KUL-11743

In seinem Roman „Oder Florida“ beschreibt der in Frankfurt (Oder) geborene und aufgewachsene ZEIT-Autor Christian Bangel die Brüche, Verwerfungen und auch entstehenden Freiräume, die sich im ersten Nachwende-Jahrzehnt an vielen Orten Ostdeutschlands beobachten ließen. Das Schwanken der Hauptfigur zwischen neuen Möglichkeiten und der eigenen Orientierungslosigkeit der ‚Wendekinder-Generation‘ wie auch ihrer Eltern, das Erstarken der rechtsextremen Szene, Identitätsfragen, Demütigungs- aber auch Resilienzerfahrungen verweisen auf jene Aspekte der ostdeutschen Transformation, die heute – 20 Jahre nach dem im Roman beschriebenen Zeitfenster – intensiver denn je diskutiert werden. „Oder Florida“ ist ein Teil der aktuellen belletristisch-journalistischen ‚Wiederentdeckung‘ der Ambivalenzen der Post-Transformation, die sich auch in Publikationen wie „Wer wir sind“ ( Jana Hensel & Wolfgang Engler, 2018) oder „Eisenkinder“ (Sabine Rennefanz, 2013) spiegelt. Zugleich werden in der jüngeren sozialwissenschaftlichen Debatte neue Fragen gestellt und Perspektiven eingenommen, welche die unintendierten Effekte des sozialen Wandels in (Ost-)Deutschland, die Exklusion spezifisch ostdeutscher Erfahrungen aus bundesdeutschen Narrativen, die Unterrepräsentation Ostdeutscher in gesellschaftlichen Eliten oder auch Parallelen zwischen Deutschen mit Transformations- oder Migrationserfahrung thematisieren. In diesem Seminar werden wir uns anhand des Romans „Oder Florida“ mit den verschiedenen Aspekten der unabgeschlossenen Transformation Ostdeutschlands befassen. Dabei stehen im theoretischen Teil unter anderem die Fragen im Vordergrund, wie die klassische Transformationstheorie den sozialen Wandel in Ostdeutschland begleitet und beschrieben hat (auch im Vergleich zu anderen postsozialistischen Gesellschaften), welche sozialstrukturellen Besonderheiten und Parallelen die unabgeschlossene Transformation kennzeichnen, wie heutige Deprivations- oder Extremismusphänomene aus resonanz- und anerkennungstheoretischer Perspektive zu erklären sind – aber auch, inwiefern Posttransformationsgesellschaften eine spezifische demokratische Kultur herausbilden. Das Seminar wird gemeinsam mit dem Autor und Journalisten Christian Bangel durchgeführt, der den Studierenden auch Einblicke in die journalistische Praxis und Bearbeitung des gesellschaftlichen Zeitgeschehens präsentiert. Mit Hilfe von Ansätzen der Biographieund Elitenforschung erstellen die Studierenden eigene Kurzstudien oder Portraits von Akteuren oder sozialen Konstellationen der Post-Transformationsgesellschaft.

Literatur: Bangel, Christian (2017): Oder Florida. Roman. Originalausgabe. München: Piper; Kollmorgen, R., Koch, F. & Dienel, H.- L. (2010). Einheit und Diskurs: Die Kommunikation über Ostdeutschland und die deutsche Vereinigung (1., Auflage). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.


Hinweise zur Veranstaltung/zum Blockseminar: Max. 30 Teilnehmer*innen; Anmeldung ab 15.03.2019 bis 05.04.2019 an worschech@europa-uni.de.


Leistungsnachweise: Vortrag & Kommentar; Hausarbeit; Empirische Arbeit während des Semesters

  • Logenstraße 11
  • 15230 Frankfurt (Oder)