Agrarismus in Ostmitteleuropa - Bauerngesellschaften auf dem Weg in die Moderne
Professur:
Vergleichende Europäische Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Projekttitel:
Agrarismus in Ostmitteleuropa - Bauerngesellschaften auf dem Weg in die Moderne
Projektleitung:
Prof. Dr. Helga Schultz / Prof. Dr. Alexander Nützenadel / Dr. Andras Vari
Projektmitarbeiter:
Dr. Angela Harre
Projektart: Tagung
Finanzierung: VolkswagenStiftung
Projektbeginn: 16.04.2009
Projektende: 19.04.2009
Projektbeschreibung in deutsch:
Ziel der Tagung ist die Diskussion des Agrarismus in interdisziplinärer und transnationaler Perspektive. Der Agrarismus wird hier als eine Ideologie verstanden, die die Landwirtschaft als Grundlage ökonomischen Fortschritts und die Dorfgemeinschaft bzw. die bäuerliche Großfamilie als die Zelle der gesellschaftlichen und staatlichen Strukturen ansieht. Der Agrarismus konnte sich in den Agrargesellschaften des östlichen Europa dauerhaft und nachhaltig entfalten. Werte, Mentalitäten und die Symbolsprache bäuerlicher Gesellschaften haben in Ostmitteleuropa nationale Identität, Kunst und Kultur in besonderem Maße geprägt.
Während dieser Tagung soll der Frage nachgegangen werden, ob der Agrarismus als eine konservative Ideologie scheitern und unweigerlich in das Bündnis mit dem Faschismus führen musste. Oder enthielt er soviel demokratisches Potenzial in der Mobilisierung der bäuerlichen Massen und wirksame Strategien zur Entwicklung der bäuerlichen Wirtschaft, dass er einen Dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus verkörpern konnte. Eine andere Frage ist, inwieweit der ostmitteleuropäische Agrarismus mehr ist, als eine regionale Variante agraristischer Entwicklungsstrategien überall auf der Welt. Es bleibt zu klären, ob die Idee dieses Dritten Weges in der Region besonders nachhaltig verfolgt wurde, weil es sich hier um Rumpf-Gesellschaften handelte (Ivan Berend) und der Agrarismus sich daher mit dem Nationalismus verband.
Entsprechend wird die Konferenz den Agrarismus in fünf Blöcken erörtern. Der erste legt den Grund mit den geistigen Wurzeln, ideologischen Strömungen und Gesellschaftsentwürfen. Der zweite und dritte Block sind der Politik im langen zwanzigsten Jahrhundert gewidmet. Hier werden die Brüche, Kontinuitäten und politischen Verwerfungen betrachtet, denen der Agrarismus von den nationalen Emanzipationsbewegungen bis zu den kommunistischen Diktaturen unterworfen war. Der vierte Block soll zeigen, inwieweit der Agrarismus Kunst und Kultur geprägt hat. Der fünfte Block richtet den Blick auf Entwicklungen in anderen Regionen Europas und der Welt, zeigt so Verflechtungen auf und hilft, die Frage nach den Besonderheiten des ostmitteleuropäischen Agrarismus zu beantworten.
(Der Tagungsband erscheint 2010 im Harrassowitz-Verlag in der Reihe "Studien zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Ostmitteleuropas")
Kooperationspartner:
Siehe Projekt "Agrarismus in Ostmitteleuropa..." in dieser Forschungsdatenbank.

