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Lehre

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Lehrveranstaltungen
im Wintersemester 2019/2020

       

Dr. Markus Nesselrodt

Russland im 19. Jahrhundert zwischen Reform und Revolution (1855–1905) 

KGMOE: Grundlagen der Kultur und Geschichte Mittel- und Osteuropas / Politische Ordnung - Wirtschaft - Gesellschaft

Di, 9 - 11 Uhr / Ort: GD 07 / Veranstaltungsbeginn: 15.10.2019

Das russische Zarenreich erlebte im sogenannten Krimkrieg (1853–56) ein militärisches Debakel. Das russische Imperium, so schien es, hatte den Anschluss an die industriellen Großmächte in Europa verloren und müsse nun umfassende Veränderungen einleiten. Der junge Zar Alexander II. sah sich in der Folge zu zahlreichen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Reformen genötigt, die das Imperium für Jahrzehnte prägen sollten. Zu den wichtigsten Veränderungen zählen die Abschaffung der Leibeigenschaft, die Bauernbefreiung, die Reform der Armee, der Kampf gegen das Analphabetentum, die Lockerung der Zensur, die Entwicklung von Zeitungen als öffentliche Debattenforen und der Ausbau der Eisenbahn als zentrales Verkehrsmittel. Zu den wichtigsten Folgen dieser Entwicklungen zählt die Neuordnung politischer und sozialer Verhältnisse auf dem Land, wo die sogenannte zemstvo die langjährige Vormachtstellung des Adels auflöste. Im Zentrum der Autokratie in St. Petersburg allerdings schienen die Machtverhältnisse weiterhin unverändert. Dieser Zustand verstärkte im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts den Aufstieg sozialistischer und nationalistischer Bewegungen, die infolge der zunehmenden Urbanisierung und Industrialisierung regen Zulauf erhielten. Zahlreiche Arbeiterstreiks zwangen Zar Nikolaus II. schließlich zur Einführung einer parlamentarischen Vertretung, der Staatsduma, im Jahr 1905. Im Seminar werden wir uns außerdem mit der westlichen Peripherie des Zarenreichs, dem sogenannten Königreich Polen, beschäftigen. Dort wurden viele Reformen überhaupt nicht oder in veränderter Form umgesetzt. Außerdem sollte das polnische Unabhängigkeitsstreben die russische Autokratie immer wieder in ihrem Kern attackieren und wurde folglich mit Gewalt bekämpft.

     

Dr. Markus Nesselrodt

„Bigossozialismus und Belle Époque“ – Die Volksrepublik Polen unter Edward Gierek (1971–1980)

BA Kulturgeschichte: Vertiefung

Mo, 16 - 18 Uhr / Ort: GD 07 / Veranstaltungsbeginn: 14.10.2019

Als Edward Gierek im Sommer 1970 das Amt des Generalsekretärs der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei übernahm, hatte die junge polnische Volksrepublik sich noch nicht von den Folgen der staatlich gelenkten antisemitischen Kampagne des Jahres 1968 erholt. Auch wirtschaftlich ging der Volksrepublik schlecht. Gierek hatte sich als kommunistischer Funktionär in seiner schlesischen Heimat bewährt und galt vielen Menschen in Polen als Hoffnungsträger. Und tatsächlich tat sich einiges im Land. Mit finanzieller Unterstützung durch ausländische Kredite entstanden überall im Land neue Wohnsiedlungen, Bahnhöfe, Straßen und andere infrastrukturelle Projekte. Gierek hoffte, die Loyalität seiner Landsleute mit kreditfinanziertem Konsum, dem sogenannten Bigossozialismus, kaufen zu können. Der gefühlte Aufschwung der ersten Jahre führte jedoch gegen Ende des Jahrzehnts in eine schwere Wirtschaftskrise, von der sich die Volksrepublik bis zu ihrem Ende nicht mehr erholen sollte. Wir werden uns im Seminar mit verschiedenen Aspekten der Politik-, Sozial-, Architektur, und Kulturgeschichte der polnischen 1970er Jahre befassen und uns einige Relikte dieser Epoche auf der Exkursion in Warschau ansehen.

      

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