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Die französische Expansion unter Ludwig XIV

Dr. Jutta Wimmler

3/6/9 ECTS

Seminar
MA (alt):
MEK: Europäische Wirtschaftskulturen // MASS  Wirtschaft und Kultur
MA (neu):
MEK "Wirtschaftskulturen" //
MASS "Wirtschaft und Kultur"

Freitag, 09.15 - 10.45 Uhr, Veranstaltungsbeginn: 21.04.2017, Raum GD 202

Frankreichs Aktivitäten im atlantischen und indischen Ozean im ausgehenden 17. und frühen 18. Jahrhundert stellen HistorikerInnen seit Jahrzehnten vor interpretative Probleme. Frankreich gehört zu jenen Seemächten, die in dieser Zeit den „Pionieren“ Spanien und Portugal den Rang abliefen und diese katholischen Reiche mehr und mehr in Bedrängnis brachten. Während England und Holland als innovative, tolerante, und vom Staat wenig gelenkte (protestantische) Ökonomien beschrieben werden – was ihren „Erfolg“ zu erklären scheint – gilt das katholische Frankreich als wirtschaftlich konservativ und intolerant. Dass es trotzdem mit den beiden anderen nicht nur mithalten konnte, sondern im 18. Jahrhundert mit Saint-Domingue (Haiti) sogar die ertragreichste Zuckerkolonie der Welt sein eigen nannte, scheint nicht recht in dieses Bild zu passen. Frankreich steht daher konzeptuell unentschlossen zwischen den katholisch-konservativen Iberern, und den protestantisch-progressiven „Nordeuropäern“. Ausgehend von dieser ambivalenten Position werden wir uns in dieser Lehrveranstaltung einerseits kritisch mit der Historiographie zur frühneuzeitlichen europäischen Expansion auseinandersetzen und uns fragen, wie dieses Bild zustande kam. Andererseits werden wir uns aber auch genauer ansehen, wie dieses frühe französische „Empire“ überhaupt funktionierte (oder eben nicht) und einen Vergleich mit anderen Seemächten anstellen. Schließlich beschäftigen wir uns mit den Rückwirkungen französischer Expansion auf Frankreich, etwa in den Bereichen Wissenschaft und Industrie, aber auch bezüglich dominanter Denkstrukturen.

Literatur:

  • James Pritchard: In Search of Empire. The French in the Americas 1670 – 1730. Cambridge Univ. Press 2004.
  • Jack P. Greene & Philip D. Morgan: Atlantic History. A Critical Appraisal. Oxford Univ. Press 2009.

Teilnahmevoraussetzungen:
Gute Englischkenntnisse (Pflichtlektüre in englischer Sprache).

Hinweise zur Veranstaltung:
Maximal 25 Studierende. Anmeldung per Email zwischen 29.03. und 12.04.2017 (jeweils 11:00) an wimmler@europa-uni.de. Platzvergabe nach Eingang der Emails.

Leistungsnachweis:
Essay/ Seminararbeit/ Hausarbeit

Seminarplan (vorläufig):

Termin Thema
21.04. Vorbesprechung
28.04. Frankreich ist anders?
Über Forschungstraditionen zur europäischen Expansion
05.05. Die ewige Blaupause
Warum eine gescheiterte Brasilienexpedition des 16. Jahrhunderts diskursbestimmend wurde
12.05. Colbert, Asien und „Orientalismus“
Wieso der Versuch, in Asien Fuß zu fassen in den Atlantik führte
19.05. Karibik I: Grundlagen
Wie aus staatlichen Kolonien private und dann wieder staatliche wurden
26.05. entfällt
02.06. Karibik II: Diskurs
Die Sache mit den Kannibalen
09.06. Kanada und die Louisiane
Das Juwel des Empires und die „nutzlose“ Expansion entlang des Mississippi
16.06. „La guerre de la gomme“
Warum die europäischen Seemächte um die Kontrolle des Senegalhandels kämpften
23.06. Für den Sklavenhandel nach Whydah
Wie eine afrikanische Stadt die Europäer zum Frieden zwang
30.06. Rückwirkungen I: Textilindustrie
Warum Konsum in Europa ohne die atlantische Expansion nicht möglich gewesen wäre
07.07. entfällt
14.07. Rückwirkungen II: Wissenschaft
Von Botanischen Gärten, Chemie und Pharmazie
21.07. Rückwirkungen III: Weltverständnis
Frankreich und die „gescheiterte Eroberung“