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Industrie und Kultur in Europa, 10.-21. Jahrhundert (3 Teile); Teil 2: 16. bis frühes 19. Jahrhundert

Prof. Dr. Klaus Weber

KUL-12182

6 ECTS

Vorlesung: KGMOE: Räume - Grenzen - Metropolen // MEK: Europäische Kulturgeschichte im globalen Kontext / Wirtschaftskulturen

Di, 14:15 - 15:45 Uhr Ort: GD 305, Veranstaltungsbeginn: 14.04.2020

Viele Merkmale industriellen Wirtschaftens reichen weit in die Vergangenheit zurück: hoher Kapitaleinsatz, hochgradige Arbeitsteilung, Abhängigkeit von importierten Rohstoffen und fernen Exportmärkten, interkontinentale Lohn- und Preiskonkurrenz. Erst im Vergleich mit anderen Weltregionen, v.a. mit Indien und China, werden Eigenheiten der wirtschaftlichen Entwicklung Europas (z.B. auch hoher Energieeinsatz) und der davon ausgehenden soziopolitischen Umwälzungen deutlich. Dabei wird auch sichtbar, dass die europäische Vormachtstellung ein recht junges Phänomen ist: Bis weit ins 18. Jhd. waren es die Europäer, die bestimmte asiatische Länder um Techniken und Moden beneideten – und nicht umgekehrt. Dieser Teil 2 der Vorlesung wird mit den Konflikten der Reformationszeit und dem Beginn der Kolonisation der „Neuen Welt“ einsetzen. Erst auf den amerikanischen Plantagen konnten Europäer die begehrten „orientalischen“ Produkte in großem Stil selbst gewinnen: Baumwolle, Indigo, Zucker, Kaffee, etc., die bis heute prägend sind für die materielle Kultur und die Ästhetik des Alltags. Dass dies nur untermillionenfachem Einsatz von Sklaven aus Afrika möglich war, wirft Fragen auf zum Preis des kapitalistischen Wirtschaftens und zu den Ursprüngen der westlichen Vorstellungen von individueller Freiheit. Auch die im 18. Jhd. in England einsetzende Industrielle Revolution wird in dieser Vorlesung nicht eurozentrisch, sondern in ihren globalen Kontexten betrachtet werden: Wieso begann sie eigentlich nicht in Südchina, wo man im Handel mit dem Westen immer Exportüberschüsse erzielt hatte?

Literatur: Peer Vries: Ursprünge des modernen Wirtschaftswachstums: England, China und die Welt in der frühen Neuzeit, Göttingen 2013. Jochen Meissner / Ulrich Mücke / Klaus Weber: Schwarzes Amerika. Eine Geschichte der Sklaverei, München2008. Sven Beckert: King Cotton: Eine Globalgeschichte des Kapitalismus, München 2014. Sebastian Conrad / Jürgen Osterhammel (Hg.): 1750-1870, Wege zur modernen Welt, München 2016.

Hinweise zur Veranstaltung/zum Blockseminar: Teil 1 deckt das Mittelalter ab (WiSe 2019/20), Teil 3 die Hochindustrialisierung und das 20. Jhd. (WiSe 2020/21). Die Teile können unabhängig voneinander besucht werden. Exkursion zum Stahlwerk Arcelor Mittal (Eisenhüttenstadt) am 3. Juli.

Leistungsnachweise: Klausur (6 ECTS) auf Basis der Vorlesung und der Begleittexte aus dem Reader am 21.07.2020.

Sprache: Deutsch