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Fellowship Programm

ET ©European Times

EUTIM Stipendienprogramm 2022

(English version below)

Die Europa-Universität Viadrina und die Universität Potsdam haben für 2022 je ein dreimonatiges Stipendium für einen Forschungsaufenthalt im Rahmen des Projekts „Europäische Zeiten/European Times – A transregional Approach to the Societies of Central and Eastern Europe” (EUTIM) vergeben.

 

Projekthintergrund

„Europäische Zeiten/European Times – A Transregional Approach to the Societies of Central and Eastern Europe (EUTIM)“ ist ein gemeinsames Projekt der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), der Universität Potsdam und des Forum Transregionale Studien in Berlin. Es befasst sich mit Narrativen von Zeit und Raum an den Rändern Europas. Ausgehend von den Erfahrungen in den Gesellschaften Mittel- und Osteuropas werden Konzepte wie „Alt“/ „Neu“ und „Ost“/„West“ mit ihren zeitlichen Grenzziehungen und Verortungen analysiert. Kulturelle Phänomene der Ungleichzeitigkeit werden im Hinblick auf Dynamiken der Enteuropäisierung und Europäisierung untersucht.

 

Inhaltliche Ausrichtung

Im Jahr 2022 widmet sich das Projekt „EUTIM“ dem thematischen Schwerpunkt „Kleine Literaturen“. Untersucht werden sollen Einflüsse von Modernisierungsbewegungen auf kleine Literaturen, in denen es zu Prozessen der Übernahme, Modifizierung und Überformung von Ästhetiken und Stilverfahren aus Imperien und diskurssetzenden Kulturen kommt. Außerdem sollen beschleunigte und gebremste Dynamiken von Verflechtungsprozessen zwischen verschiedenen europäischen Kulturen und Literaturen als Ausdruck von Ungleichzeitigkeit in den Blick genommen werden.

 

Die drei Stipendiatinnen waren: 

Galina Babak

Galina Babak promovierte 2020 in slavischer Literaturwissenschaft an der Karlsuniversität Prag  zum Thema "Die Rezeption des russischen Formalismus in der ukrainischen Kultur der Zwischenkriegszeit (1921-1939)". Von 2020 bis 2022 war sie Postdoctoral Research Fellow am New Europe College (Bukarest, Rumänien). Derzeit ist sie Forschungsstipendiatin am CAS Sofia (Gerda Henkel Fellowship). Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Geistes- und Wissenschaftsgeschichte mit einem Fokus auf Literaturtheorie und Komparatistik. Zu ihren Forschungsinteressen gehören Literatur und Kunst der ukrainischen und russischen Avantgarde sowie die politische und kulturelle Geschichte der 1920er bis 1930er Jahre.

Galina ist Autorin der Monografie (in Zusammenarbeit mit Alexander Dmitriev) "Das Atlantis der sowjetischen nationalen Moderne: Formalismus in der Ukraine in den 1920ern und zu Beginn der 1930er Jahre”. (Novoe literaturnoe obozrenie, 2021).

Zu ihren neuesten Veröffentlichungen gehören: Ethisch vs. ideologisch in den literarischen Diskussionen in der sowjetischen Ukraine in den 1920er Jahren // Historyka. Studia Metodologiczne. 2019. T. 49. Pp. 41-54; "Die Avantgarde und ihre Wurzeln: Die Poetik von Mykola (Nik) Bazhan". In: Quiet Spiders of the Hidden Soul: Mykola (Nik) Bazhan's Early Experimental Poetry, eds. O. Rosenblum, L. Friedman, A. Khyzhnya (Boston: Academic Studies Press, 2020), 14-37; Roman Jakobson and the Development of the Formal Method in Ukraine in the 1920s // Harvard Ukrainian Studies. 2022. Vol. 39. № 3-4 (im Druck).

Während ihres einmonatigen Aufenthaltes an der Viadrina wird Galina Babak ihre Forschungen zum ukrainischen Formalismus fortsetzen.


Oksana Pashko

Oksana Pashko ist Literaturwissenschaftlerin. Sie hat am Schewtschenko-Institut für Literatur an der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine zum Thema “Die Rezeption von Sergej Jessenins Arbeiten in der Ukraine der 1920er Jahre” promoviert. Seit 2015 lehrt und forscht sie an der Mohyla-Akademie Kyjiw. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die ukrainisch-russischen Literaturbeziehungen im 20. Jahrhundert, die ukrainische und russische Moderne, Literatursoziologie, ukrainische Literaturkritik in den 1920er Jahren, Zensur und Literatur, literarisches Leben in der Ukraine in den 1920ern. 

Während ihres EUTIM-Forschungsaufenthaltes an der Europa-Universität Viadrina arbeitet sie zu folgendem Thema: Die Herausbildung der Literatursoziologie in der ukrainischen Literaturkritik der 1920er Jahre: Soziologie der literarischen Stile und der Leserwahrnehmung

Um zu verdeutlichen, wie wichtig die Einrichtung einer literaturwissenschaftlichen Abteilung am Charkiwer Institut für Volksbildung war, formulierte Oleksandr Biletsky 1926 die Idee, dass es notwendig sei, "unser gesamtes Wissen über die Literatur im Allgemeinen in einer Soziologie der Literatur zu reorganisieren". In den Plänen für diese neuen Abteilung hieß es daher, dass die Wissenschaftler neben der formalen Analyse auch an der "Soziologie der Stile" und der "Soziologie des Lesers" arbeiten sollten. Die Untersuchung dieser Aspekte der Literatursoziologie begann in der Ukraine jedoch schon viel früher. Das Problem der "Soziologie der Stile" (die Logik des Wandels der künstlerischen Stile; die Dialektik des literarischen Prozesses; der künstlerische Stil und der Alltagsstil der Epochen; die sozio-literarischen Normen) wurde von Mykola Zerov in seinem Werk "Neue ukrainische Literatur" (1923) analysiert. Die Probleme der Periodisierung des literarischen Prozesses wurden hingegen von Andriy Kovalevsky und Agapiy Shamrai untersucht. Das Thema "Lesersoziologie" beschäftigte O. Biletsky seit 1922 (er schrieb den Artikel "Über eine der nächsten Aufgaben der Geschichts- und Literaturwissenschaft"). Ergänzt um neue Materialien wurde die Arbeit nicht nur von Charkiwer Literaturkritikern wie A. Shamrai und I. Eisenshtock, sondern auch von Kost' Dovhan' (Institut für Bibliologie) und P. Philipovych (Ukrainische Akademie der Wissenschaften). Zu den wichtigsten Aspekten der Untersuchung gehören: Die Soziologie der literarischen Wertung; Lesertypologie; Klassenpsychologie und Leserwahrnehmung; Mittel zur Leserbeeinflussung; "populäre" Schriftsteller; poetische Topoi.


Tetiana Kalytenko

Tetiana Kalytenko ist Literaturwissenschaftlerin. Sie studierte an der Nationalen Drahomanov-Universität für Pädagogik Kyjiw und an der Mohyla-Akademie Kyjiw ukrainische Philologie und promovierte an der Mohyla-Akademie zum Thema „Die Konstruktionsprinzipien multipler fiktionaler Universen im Mittelalter und in der modernen Literatur“. Im Mittelpunkt ihrer Forschungen stehen postkoloniale Aspekte der Literaturwissenschaft. Außer ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit kuratiert Tetiana Kalytenko Literatur- und Kunstprojekte, zuletzt den Schwerpunkt Comic auf der Buchmesse Arsenal in Kyjiw 2021, und ist als Literaturkritikerin tätig, unter anderem für das Onlineportal Chytomo.

Während ihres EUTIM-Forschungsaufenthaltes an der Europa-Universität Viadrina arbeitet sie zu folgendem Thema: Das fiktionale Multiversum unter den Bedingungen der (Un)Freiheit: Koloniale und postkoloniale Kontexte

Das Hauptziel dieses Projektes ist es, die Korrelation zwischen fiktionaler Pluralität unter den Bedingungen kolonialer und postkolonialer Kontexte zu untersuchen und damit die Frage der Kleinen Literaturen mit postkolonialen Theorien für den Fall der ukrainischen Literatur abzugleichen.

Im Zentrum stehen drei Beispiele der ukrainischen Literatur aus verschiedenen Epochen: Romantik (d.h. die Ukraine als Teil des Russischen Reichs), der Science Fiction des 20. Jahrhunderts (Ukraine als eine Republik in der Sowjetunion) und der Postmoderne (unabhängige Ukraine). Einerseits kann das Leben in einem totalitären System die Schriftsteller dazu anregen, unglaubliche Welten zu erschaffen, in denen man der Realität entfliehen kann. Auf der anderen Seite kann der Mangel an Freiheit die Schaffung  realer und utopischer Welten auch beeinträchtigen.  Die literarischen Beispiele sind für die Epoche der Romantik: Oleksa Storoschenkos „Verdammter Marco“ (Marko Prokliatyi), für die Science Fiction des 20. Jahrhunderts: Juri Smolychs „Ostanni Eidschevud“ und für die Literatur der unabhängigen Ukraine Juri Andruchowytschs „Moscoviada“.

 

 

Das Projekt „Europäische Zeiten/European Times“ wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter: EUTIM - Projekt • Kulturwissenschaftliche Fakultät • Europa-Universität Viadrina / EUV

EUTIM ist ein Forschungsverbundprojekt von

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Fellowship Program

Call for Applications

The European University Viadrina and the University of Potsdam have invited scholars to apply for a three-month Visiting Fellowship in 2022 within the framework of the project “European Times – A transregional Approach to the Societies of Central and Eastern Europe”.

 

Background of the project

"Europäische Zeiten/European Times - A Transregional Approach to the Societies of Central and Eastern Europe (EUTIM)" is a joint project of the European University Viadrina Frankfurt (Oder), the University of Potsdam and the Forum Transregionale Studien in Berlin. It deals with narratives of time and space at the edges of Europe. Based on experiences in the societies of Central and Eastern Europe, concepts such as "old"/"new" and "East"/"West" are analysed with their temporal demarcations and localisations. Cultural phenomena of non-simultaneity are examined with regard to dynamics of de-Europeanisation and Europeanisation.

 

Research focus

In 2022, the EUTIM project will focus on "Small Literatures". The research work puts the spotlight on the influences of concepts of modernisation on small literatures, in which  we observe processes of adoption, modification and reshaping of aesthetics and stylistic procedures from empires and discourse-setting cultures. In addition, accelerated and slowed-down dynamics of interweaving processes between different European cultures and literatures will be examined and reflected as modi of non-simultaneity.

 

The research Fellows were: 

Galina Babak

Galina Babak received her PhD in Slavic literatures at Charles University (Prague, Czechia) in 2020, with her doctoral project titled “Reception of Russian Formalism in Ukrainian Culture in the Inter-war Period (1921–1939).” In 2020–2022, she was a Postdoctoral Research Fellow at the New Europe College (Bucharest, Romania). Currently, she is a Research Fellow at CAS Sofia (Gerda Henkel Fellowship). Her research is mainly within the area of Intellectual History and History of Science with a focus on literary theory and comparative literatures. Her research interests include Ukrainian and Russian avant-garde literature and art, as well as political and cultural history of the 1920s–1930s.

Galina is an author of the monograph (in co-authorship with Alexander Dmitriev) “The Atlantis of Soviet National Modernism: Formal Method in Ukraine in the 1920s – the beginning of the 1930s”. (Novoe literaturnoe obozrenie, 2021).

Her recent and forthcoming publications include: Ethical vs Ideological in the Literary Discussions in Soviet Ukraine in the 1920s // Historyka. Studia Metodologiczne. 2019. T. 49. Pp. 41–54; “The Avant-Garde and Its Roots: The Poetics of Mykola (Nik) Bazhan”. In: Quiet Spiders of the Hidden Soul: Mykola (Nik) Bazhan’s Early Experimental Poetry, eds. O. Rosenblum, L. Friedman, A. Khyzhnya (Boston: Academic Studies Press, 2020), 14–37; Roman Jakobson and the Development of the Formal Method in Ukraine in the 1920s // Harvard Ukrainian Studies. 2022. Vol. 39. № 3–4 (forthcoming).

During her one-month stay at the Viadrina, Galina Babak will continue her research on Ukrainian formalism.


Dr. Oksana Pashko

Dr. Oksana Pashko is a philologist. She received her PhD in Comparative Literature from Shevchenko Institute of Literature of the National Academy of Sciences of Ukraine, thesis “Reception of Sergey Yesenin’s works in Ukraine of the 1920s”. Since 2015 she has been teaching at the National University of Kyiv-Mohyla Academy. Her main areas of research are: Ukrainian-Russian Literary Relations in the 20th century, Ukrainian and Russian Modernism, Sociology of Literature, Ukrainian Literary Criticism of the 1920s, Censorship and Literature, Literary Life in the Ukraine of the 1920s.

During her EUTIM research stay at the European University Viadrina she is working on the following topic: The formation of sociology of literature in Ukrainian literary criticism of the 1920s: sociology of literary styles and readers' perception

In 1926 Oleksandr Biletsky formulated the idea that it was necessary to "reorganize all our knowledge of literature in general into a sociology of literature." Thus, he explained why it was important to establish a department of literary studies at the Kharkiv Institute of National Education. The plans for this new department included, in addition to formal analysis, the work on the "sociology of styles" and the "sociology of the reader." However, the study of these aspects of the sociology of literature began much earlier in Ukraine. The problem of "sociology of styles" (the logic of change of artistic styles; the dialectics of the literary process; the artistic style and the everyday style of epochs; the socio-literary norms) was analyzed by Mykola Zerov in his work "New Ukrainian Literature" (1923). The problems of periodization of the literary process, on the other hand, were studied by Andriy Kovalevsky and Agapiy Shamrai. Already since 1922 Oleksandr Biletsky has been interested in the sociology of the reader.  He wrote the article "On one of the next tasks of historical and literary science". It was supplemented with new materials not only by Kharkiv literary critics such as A. Shamrai and I. Eisenshtock, but also by Kost' Dovhan' (Institute of Bibliology) and P. Philipovych (Ukrainian Academy of Sciences). The most important aspects of the research are: the sociology of literary evaluation; reader typology; class psychology and reader perception; means of reader influence; "popular" writers; poetic topoi.


Tetiana Kalytenko

Tetiana Kalytenko is a literary scholar. She studied Ukrainian philology at the National Drahomanov University of Pedagogy Kyiv and at the Mohyla Academy Kyiv and received her PhD from the Mohyla Academy on the topic "The principles of construction of multiple fictional universes in the Middle Ages and in modern literature". Her research focuses on postcolonial aspects of literary studies. In addition to her academic work, Tetiana Kalytenko curates literary and art projects, most recently focusing on comics at the Arsenal Book Fair in Kyiv in 2021, and works as a literary critic, i.e for the online portal Chytomo.

During her EUTIM research stay at the European University Viadrina she is working on the following topic: The fictional multiverse under the conditions of (in)freedom: colonial and postcolonial contexts

The main goal of this project is to investigate the correlation between fictional plurality colonial and postcolonial contexts, thus matching the issue of minor literatures with postcolonial theories for the case of Ukrainian literature.

The focus is on three examples of Ukrainian literature from different periods: Romanticism (i.e. Ukraine as part of the Russian Empire), 20th century science fiction (Ukraine as a part of the Soviet Union), and postmodernism (independent Ukraine). On the one hand, living in a totalitarian system can inspire writers to create fictive worlds where one can escape reality. On the other hand, the lack of freedom can also undermine the creation of real and utopian worlds.  The literary examples are for the Romantic era: Oleksa Storoshenko's "Damned Marco" (Marko Prokliatyi), for the 20th century science fiction: Yuri Smolych's "Ostanni Eidschevud" and for the literature of the independent Ukraine Yuri Andrukhovych's "Moscoviada".

“European Times” is funded by the Federal Ministry of Education and Research. For further information about the project please refer to EUTIM - Projekt • Kulturwissenschaftliche Fakultät • Europa-Universität Viadrina / EUV.

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