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Lehre

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2019/2020

Andrii Portnov

Osteuropakolloquium

Kolloquium: KGMOE: Forschungsmodul / Grundlagen der Kultur und Geschichte Mittel- und Osteuropas

Mo, 18:15 - 19:45 Uhr Ort: HG 217

Das Osteuropakolloquium ist eines der zentralen Elemente des Universitätslebens für Studierende, die sich für verschiedene Aspekte der Geschichte und Politik in Ost- und Mitteleuropa interessieren. Im Wintersemester 2019/20 erwarten wir sowohl international anerkannte Wissenschaftlerinnen als auch MA Studierenden und Doktorandinnen, die ihre Forschung in Frankfurt/ Oder vorstellen. Das detaillierte Programm wird auf dem Webpage von Lehrstuhl für Entangled History of Ukraine veröffentlicht.

Andrii Portnov

The Second World War in Post-Soviet East European Film

Seminar: KGMOE: Grundlagen der Kultur und Geschichte Mittel- und Osteuropas / Räume - Grenzen - Metropolen // MEK: Mittel- und Osteuropa als kultureller Raum // Alle MAs: Optionsmodul: Transdisziplinäre Kulturwissenschaften

Mo, 14-täglich, 14:15 - 17:45 Uhr Ort: AM 205

How the language of cinema works with historical topics? What changed in the movie representations of the Second World War since late 1980s after the collapse of the ‘socialist camp’ and the Soviet Union? How the topics of the Holocaust, the deportations and ‘population exchanges’ entered the public discourse? How various national politics of memory influenced film production in Eastern Europe, its “Europeanization” and/or nationalization? The list of films to be shown include the Polish pictures “Katyń” by Andrzej Wajda, “W ciemności” by Agnieszka Holland, and “Róża” by Wojtek Smarzowski, the Russian “Svoi” by Dmitrii Meskhiev, the Hungarian “Saul fia” by László Nemes, the Ukrainian “Haytarma” by Achtem Seitablajev, the Belarusian “In the Fog” by Sergei Loznitsa, and others. All films will be shown in original language versions with English subtitles.

Andrii Portnov

Belarus und die Ukraine: Geschichte, Kultur, Post-sowjetische Transformation

Vorlesung: Kulturgeschichte: Vertiefung

Mi, 9:15 - 10:45 Uhr Ort: GD 06

Dieser Kurs soll eine Einführung in die vergleichende Forschung zweier ostslawischer Nationen und zweier postsowjetischer Staaten mit teils ähnlichen, teils völlig unterschiedlichen Trajektorien geben. Belarus und die Ukraine haben eine gemeinsame historische Erfahrung mit dem Großherzogtum Litauen, dem polnisch-litauischen Rzeczpospolita, dem russländischen Reich und der Sowjetunion. Dennoch repräsentieren sie verschiedene Formen der Nation Bildung und kulturellen Entwicklung sowie wichtige Unterschiede in der politischen Kultur. Wie lässt sich der pluralistische Charakter der postsowjetischen Transformation der Ukraine mit einer Reihe von Massenprotesten und einem ständigen Machtwechsel erklären? Wie kann man sich die Kontinuität der Herrschaft von Alexander Lukaschenka in Belarus vorstellen? Was sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Sprach-, Religions- und Erinnerungspolitik zweier Länder? In unseren Vorträgen werden wir mit verschiedenen Arten von Quellen arbeiten, darunter offizielle Dokumente, Dokumentationen und Spielfilme, Musikclips und Fotobeweise.

Bozhena Kozakevych

Stadt-Metamorphosen. Die Neuordnung Osteuropas nach dem Zweiten Weltkrieg

Seminar: Kulturgeschichte: Vertiefung

Mi, 11 - 13 Uhr Ort: AM 204

Der Zweite Weltkrieg hatte die Neuordnung Osteuropas zur Folge, was zu neuen Grenzziehungen und massenhaften Umsiedlungen von Menschen führte. Dieser Krieg war ein tiefgreifender Einschnitt in die seit Jahrhunderten in dieser Region bestehenden Gesellschaftsstrukturen. Nach der Auseinandersetzung mit den Ereignissen und Vorbedingungen, die zu diesen Umwälzungen führten, wird sich das Seminar den Städte-Metamorphosen in Osteuropa anhand von einigen Fallbeispielen widmen. Wenn man in Wrocław, Lviv oder Kaliningrad unterwegs ist, kann man unterschiedliche historische Schichten dieser Städte erkennen und hie und da Breslau, Lwów oder Königsberg bemerken. Diese verschiedenen Schichten der Stadtgeschichten, die Neueinwohner der osteuropäischen Städte nach dem 2. Weltkrieg, ihre Suche nach der Identität in fremden Orten und der Umgang mit der Vergangenheit dieser Städte haben viele Wissenschaftler*innen fasziniert. In unserem Seminar beschäftigen wir uns mit einigen Fallstudien, die uns unterschiedliche Methoden der Städteforschung aufzeigen werden. Neben Urban Studies und soziokulturellen Methoden lernen wir auch anthropologische Herangehensweisen kennen und versuchen das im Seminar erarbeitete Wissenin der Praxis am Beispiel von Słubice anzuwenden. 

Kyrylo Tkachenko

Bergarbeiterbewegung im Donbas, 1989-1993

Seminar: Kulturgeschichte: Vertiefung

Block Ort: AM 02

Im Sommer 1989 wurde die Sowjetunion durch präzedenzlose Ereignisse erschüttert: Von 400 bis 500 tausend Bergarbeiter traten in den Streik. Es handelte sich um den ersten Massenprotest der Arbeiter seit den 1920er Jahren und den größten Streik in der sowjetischen Geschichte. Die Streikwelle reichte von dem Kohlenrevier in der Westukraine bis zu Sachalin im russischen Fernen Osten und vereinigte Minenarbeiter von drei größten Unionsrepubliken (Ukraine, Russland und Kasachstan). Beispiellos war nicht nur der Grad der Proteste sondern auch die Situation, in der eine gewaltsame Bekämpfung derselben mit zu hohen Risiken verbunden war. Die Regierung gab nach und befriedigte alle Forderungen der Bergarbeiter. Im Sommer 1989 hatten diese noch einen überwiegend ökonomischen Charakter. Dennoch markierte der erste Bergarbeiterstreik den Punkt, an dem die von oben initiierter Perestroika außer Kontrolle ihrer Initiatoren geriet. Der Sieg beflügelte und im Zuge einer dichten „revolutionären Evolution“ bekam die Bergarbeiterbewegung einen viel radikaleren Charakter. 1991 forderten die Bergarbeiter die Entmachtung der Kommunistischen Partei, in der Ukraine wurden sie zur einflussreichsten politischen Bewegung, die Unabhängigkeit der Republik befürwortete. Das Ziel des Blockseminars liegt darin, die Rolle der Bergarbeiterbewegung im Kontext der politischen Umwälzungen zwischen 1989 und 1993 intensiv und gründlich zu erörtern sowie die scheinbaren Paradoxe, mit welchen der Entwicklungspfad der Bewegung die Forschung konfrontiert, zu lösen. Dabei sollen die Teilnehmer zu einer selbstständigen wissenschaftlichen Arbeit befähigt werden. Neben der Lektüre von sekundären Quellen liegt eines der Schwerpunkte des Seminars in der Interpretation und Kontextualisierung von primären Quellen, wie Kopien von Archivdokumenten, Kopien von Artikeln aus den Lokalzeitungen und Dokumentarvideos (dabei handelt es sich fast ausschließlich um die bis heute in der Forschung kaum rezipierten Quellen).

Taisiya Leber

Konfessionelles Zeitalter - Religionen und Konfessionen im Polen-Litauen der Frühen Neuzeit

Vorlesung: KGMOE: Menschen - Artefakte - Visionen // MEK: Wissenskulturen – Wissenschaften, Religionen, Künste

Mo, 14:15 - 15:45 Uhr Ort: GD 303 

Im Fokus der Lehrveranstaltung steht die Frage nach den Besonderheiten der religiösen Kultur(-en) im frühneuzeitlichen PolenLitauen. Welchen Einfluss hatte die Reformation und die katholische Gegenreformation auf das religiöse Nebeneinander von christlichen, jüdischen und muslimischen Gemeinden in Polen-Litauen? Diese Frage lässt sich aus der Perspektive des Religions-, Kultur-, Kommunikations- und Stadtgeschichte beantworten. Im Rahmen dieser Lehrveranstaltung möchte ich mit Studentinnen und Studenten verschiedene Aspekte der sog. Konfessionalisierung in Polen-Litauen besprechen: wie bilden sich (christliche) Konfessionen aus; welche Rolle spielt dabei religiöse/konfessionelle Bildung? Wie kann die Katechisierung der Bevölkerung durch den Buchdruck/Übersetzungen in Volkssprachen (Vernakularisierung) beeinflusst werden? Wann kann man von der Entwicklung einer konfessionellen Identität sprechen? Welche Bedeutung hat dabei Mobilität (Migration/Diaspora/Netzwerk/ Wissenszirkulation)? Zu den wichtigen Thesen in der Forschung gehört die nach der besonderen religiösen Toleranz Polen-Litauens. In der LS sollte man sich mit dieser These auseinandersetzen – welche Rechtsordnung ermöglicht solche Vorstellung? Wo sind die Grenzen der „Toleranz“? Wir werden interreligiöse (-konfessionelle) Konflikte gelöst? Welche Rolle spielt Zensur und wie wird sie durchgesetzt? Viel Aufmerksamkeit sollte der orthodoxen Bevölkerung Polen-Litauens gewidmet werden: confessio orthodoxa und Identitätsbildung; Kirchenstrukturen – zwischen Konstantinopel, Kiew und Moskau; Bildungsmaßnahmen; orthodoxe Brüderschaften usw. Welche Rollen spielten griechische Hierarchen aus dem Osmanischen Reich? Orthodox-protestantisches Projekt einer antikatholischen Union. Die Rolle der Union von Brest (1596).