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Habilitationen

Sievers_8544_hoch190 ©von Wiebke Sievers selbst bereitgestellt

Dr. phil. Wiebke Sievers

Postmigrantische Literaturgeschichte: Wege in eine neue Gesellschaft

Ziel meines Habilitationsprojekts ist, Literaturgeschichte aus postmigrantischer Perspektive neu zu schreiben. Als Beispiel dafür dient das österreichische literarische Feld. Schriftsteller*innen, die selbst Immigrant*innen oder Nachkommen von Immigrant*innen sind, werden in diesem Neuansatz nicht einfach als Ergänzung einer bestehenden Literaturgeschichte gesehen. Vielmehr will postmigrantische Literaturgeschichte erklären, wie sich literarische Felder durch Immigration veränderten. Sie befasst sich in einem ersten Schritt mit der Ausgrenzung, die Immigrant*innen und deren Nachkommen durch die Nationalisierung von Literaturen erfahren haben, um anschließend zu analysieren, wie und wie weit es ihnen gelungen ist, sich dieser Ausgrenzung zu widersetzen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Kampf um Anerkennung. In diesem Prozess erhalten die Autor*innen schrittweise Aufmerksamkeit von Verlagen, Kritik und Wissenschaft und tragen damit zu einer Öffnung dieser literarischen Strukturen bei. Mittel dieses Kampfes sind ihre literarischen Werke, die grundsätzlich homogene Vorstellungen von Identitäten, Kulturen und Nationen in Frage stellen, selbst wenn sie sich nicht explizit mit Migration befassen. Vielmehr kann auch die Tatsache, dass sie das nicht tun, eine Form des Widerstands gegen die Kategorisierung als Migrant*in darstellen. Die Publikation und kritische Diskussion dieser Texte werden in der postmigrantischen Literaturgeschichte als Zeichen eines konkreten Veränderungsprozesses gelesen. Sie gelten als Schritte der Überwindung von Ausgrenzungsmechanismen, die sich im Zuge der Nationalisierung als selbstverständlich etablierten. Das bedeutet methodisch, über die Werkanalyse hinauszugehen, um zu erfassen, wie weit die neuen Gesellschaftsvorstellungen, die sich in den Werken ausdrücken, auch über das Feld hinaus Gehör fanden. Mein Habilitationsprojekt entwirft auf Basis von Pierre Bourdieus Arbeiten einen literaturwissenschaftlichen Neuansatz, um postmigrantische Literaturgeschichte zu schreiben und wendet diesen auf das österreichische literarische Feld an.

Wiebke Sievers ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Östereichischen Akademie der Wissenschaften.

Die Habilitation basiert auf dem Projekt Literature on the Move.

Kontakt: Wiebke.Sievers@oeaw.ac.at