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Habilitationen

Dietrich_Christian_0102 ©Foto von Frau Fest, Viadrina

Dr. phil. Christian Dietrich

Zwischen Republikschutz und Außenpolitik. Antisemitismus und Zionismus in der Sozialdemokratie und der Labour Party zwischen 1917 und 1930/31

So unterschiedlich die Voraussetzungen der deutschen Sozialdemokratie und der Labour Party für ihre jeweilige Stellung zum Zionismus auch waren, zu den Fragen des Antisemitismus, der jüdischen Migration und der Neukolonisation in Palästina positionierten sie sich beide - wenn auch in unterschiedlicher Weise.

Dem Forschungsprojekt geht es um einen Vergleich beider Parteien in dreierlei Hinsicht. Erstens werden die offiziellen Erläuterungen zum Zionismus im Rahmen der politischen Selbstverortung der Parteien diskutiert, zweitens die Debatten zum Umgang mit jüdischer Migration analysiert und
drittens die jeweiligen Stellungnahmen zum Antisemitismus sowie der Lebenssituationen der Juden in England und Deutschland untersucht. Dabei zeigt sich, wie sehr die SPD bei der Beschäftigung mit Antisemitismus und Zionismus auf die Innenpolitik abzielte und wie stark die Labour Party mit dem Thema
außenpolitische Ziele verknüpfte. Um die wechselvollen politischen Konstellationen in den Zwischenkriegsjahren abzubilden, nutzt das Forschungsprojekt methodische Ansätze der Figurationssoziologie.


Kontakt: chrdietrich@europa-uni.de

Michaelis_Andree_114 ©Foto von Frau Fest, Viadrina

Dr. phil. Andree Michaelis-König

Politik und Poetik jüdisch-nichtjüdischer Freundschaften in der deutsch-jüdischen Literaturgeschichte seit der Aufklärung

Bis heute wird das deutsch-jüdische Verhältnis zumeist als die – versuchte, gescheiterte und schließlich verworfene – Geschichte einer „Symbiose“ verhandelt. An der Grundeinstellung dieser in ihrem Ursprung biologistisch konnotierten und eigens zu historisierenden Bezeichnung hat auch Dan Diners Wendung von einer „negativen Symbiose“ nur wenig geändert. Das literatur- und kulturwissenschaftlich verortete Forschungsprojekt unternimmt daher den Versuch, die Begegnung von deutschsprachigen Juden und Nichtjuden seit dem 18. Jahrhundert ausgehend von dem ganz anders perspektivierten Begriffsfeld der Freundschaft zu verstehen. Es folgt darin der Blickverschiebung zu den versuchten freundschaftlichen Begegnungen Einzelner, die bereits Gershom Scholem angeregt hatte, und eröffnet durch den Anschluss an die Tradition des Freundschaftsdenkens seit Aristoteles zugleich ein ganz anderes begriffliches und diskursiven Feld der Beschreibungs- und Analysemöglichkeiten.         

Dabei soll die Bedeutung der jeweiligen Freundschaft und ihrer Konfliktmomente nicht nur anhand (auto-)biographischer Quellen, sondern gerade auch anhand der literarischen und essayistischen Werke der Freunde, ihrer gegenseitigen Einflussnahme und Abgrenzung voneinander, genauer untersucht werden. Zu den Erkenntniszielen zählen damit nicht nur fallspezifische Einsichten durch literaturwissenschaftlich ausgerichtete Einzelanalysen, sondern auch eine systematisch und diskursiv am Begriffsfeld der Freundschaft neu ausgerichtete literaturgeschichtliche Perspektive auf das deutsch-jüdische Verhältnis.

Kontakt: michaelis@europa-uni.de

Sievers_8544_hoch190 ©von Wiebke Sievers selbst bereitgestellt

Dr. phil. Wiebke Sievers

Migrationsliteratur: eine Revolution im literarischen Feld?
Eine literatursoziologische Analyse von Literatur im Kontext von Migration in Österreich

Der Begriff Migrationsliteratur ist in der deutschsprachigen Debatte über Literatur und Migration allgegenwärtig, wird aber von den Autoren und Autorinnen, die unter diesem zusammengefasst werden, und in der Literaturwissenschaft inzwischen durchwegs abgelehnt. Dieser Spannung möchte ich mit Hilfe von Pierre Bourdieus Arbeiten zum literarischen Feld am Beispiel von Literatur im Kontext von Migration in Österreich auf den Grund gehen. Meine erste These lautet, dass unter dem Titel Migrationsliteratur eine Revolution im literarischen Feld stattfand, die als solche anerkannt werden muss: Autoren und Autorinnen wie Dimitré Dinev, Anna Kim oder Julya Rabinowich, die selbst oder deren Eltern als Zuwanderer kamen, fanden unter diesem Label zum ersten Mal Anerkennung im österreichischen literarischen Feld und durchbrachen damit die darin herrschenden nationalistischen Strukturen. Natürlich finden sich Spuren dieser Revolution auch in den Werken, die jedoch, so meine zweite These, weit über diese hinausweisen.

Die Habilitation basiert auf dem Projekt Literature on the Move.

Kontakt: Wiebke.Sievers@oeaw.ac.at