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Promotionen

Tobias Bargmann_190 ©Copyright by Tobias Bargmann

Tobias Bargmann

Kontakt: TobiasBargmann@gmail.com

„Der Morgen“ (1925–1938) –  Ein geistiges Forum des deutschen Judentums

Im Rahmen meines Promotionsvorhabens widme ich mich einer zentralen Leerstelle in den Geschichten deutsch-jüdischer Literatur- und Kulturgeschichte: der von Julius Goldstein gegründeten Zeitschrift „Der Morgen“, die von April 1925 bis November 1938 (112 Hefte mit über 8.000 Seiten) im Berliner Philo-Verlag erschien. Meine Arbeit unternimmt dabei erstmals den Versuch, die Geschichte des „Morgen“ in seiner Gesamtheit und auf Basis umfangreicher Archivquellen zu rekonstruieren und zentrale Aspekte dieser Geschichte anhand literarhistorischer Fallstudien zu untersuchen.
Da sich bisher nur eine Handvoll kleinerer Aufsätze und Kapitel, in jeweils spezifischem Kontext, mit der Zeitschrift befasst hat, stützt sich meine Studie fast ausschließlich auf Primärquellen. Neben dem „Morgen“ selbst und seinem publizistischen Umfeld (u. a. der „C.V.-Zeitung“, und dem katholischen „Hochland“) zählen hierzu vor allem die Hinterlassenschaften der fünf Schriftleiter (Julius und Margarete Goldstein, Max Dienemann, Eva Reichmann-Jungmann und Hans Bach), der Redaktionsnachlass des „Morgen“ (im Centrum Judaiucum, Berlin) sowie der weitgehend unerschlossene Bestand des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem).
Die Themenbereiche der Studie reichen von der Entstehungsgeschichte des „Morgen“, über sein Verhältnis zum C.V. und seine Rolle innerhalb der jüdischen Presse der 1920er/ 1930er Jahre bis hin zu seiner Eigenschaft als ein literarisches Forum des deutschen Judentums (um nur einige zu nennen). Mit fast 200 Autorinnen und Autoren, die hier ihre literarischen Texte veröffentlichten (darunter Julius Bab, Margarete Susman, Jakob Picard, Nelly Sachs, Jakob Wassermann, Karl Wolfskehl und Franz Kafka, aber auch literarische Newcomer wie Leo Hirsch, Mala Laaser und Max Samter), erweist sich der „Morgen“ dabei besonders für die literarhistorische Forschung als ergiebig.

Betreuerin: Prof. Dr. Kerstin Schoor

platzhalter ©unbekannt

Uta Esther Hadad, MA

Kontakt: utahadad@gmail.com

Vergessene Orte deutsch-jüdischer Kultur: Das Schicksal der jüdischen Bibliotheken Berlins und ihrer Bestände

Die geplante Dissertation untersucht die Geschichte und den durch das national-sozialistische Regime verursachten Verlust der jüdischen Bibliotheken Berlins, zu denen bedeutende Bibliotheken wie jene der Jüdischen Gemeinde, der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und des Rabbiner-Seminars zählten. Nach 1945 wurden an drei verschiedenen Orten, in Offenbach, Prag und Berlin, Restbestände dieser Bibliotheken geborgen und neu verteilt. Die Dissertation widmet sich der Frage nach dem Verbleib, aber auch nach den Ursachen des Verlustes dieser Bibliotheksbestände bis in die Gegenwart. Sie fragt auch nach der Relevanz der Jerusalem National- und University Library in diesem Prozess der Verteilung, da bis heute noch Teil-Bestände der Bücher vor allem in Israel auffindbar sind.

Betreuerin: Prof. Dr. Kerstin Schoor

Heim ©Lea Heim

Lea Heim, MA

Kontakt: euv153494@europa-uni.de

“Ein Genre der Gesellschaftskritik? Postmigrantische Transformationen des Bildungsromans.” (Arbeitstitel)

Literaturen, die im Kontext von Migration und Kulturkontakt entstehen, provozieren jede national begrenzte Kanonisierung von Literatur. Die Auffassung, die sogenannte „Migrationsliteratur“ sei der deutschen Literatur und Kultur zugehörig, hat sich mittlerweile in der Forschung zwar weitgehend etabliert, ihre Durchsetzung ist dennoch ein noch immer andauernder Prozess. Seiner wissenschaftlichen Fortschreibung fühlt sich auch die geplante Dissertation verpflichtet. Unter der methodischen Prämisse, Genres als lebendige Ordnungssysteme anzusehen, die historisch von jeher Veränderungen erfahren haben, beschäftigt sich die Dissertation am Beispiel literarischer Texte von Sasha Marianna Salzmann, Fatma Aydemir und Olivia Wenzel mit postmigrantisch geprägten, literarischen Transformationen des Bildungsromans. Dabei ist die methodische Herangehensweise eine Umkehrung der – insbesondere im öffentlichen Diskurs vorherrschenden – Fokussierung auf das migrantisierte Subjekt hin zu dem in den Texten erkennbaren Potenzial einer kritischen Gesellschaftsanalyse. Dies wird im Formalen auf das Genre des Bildungsromans appliziert, nicht nur um dessen Entwicklung als einem Genre der Gesellschaftskritik nachzuspüren und dadurch das erweiterte Potenzial eines kanonisch gewordenen Genres der Nationalliteratur erkennbar zu machen. Vielmehr soll daran die überkommene Trennung von National- und „Migrationsliteratur“ kritisch diskutiert werden. Im Blick auf ein kanonisch gewordenes Genre (auch) deutschsprachiger Literatur untersucht die Dissertation, auf welche Weise sich die betrachteten Werke (und damit auch ihre Autor*innen) gesellschaftskritisch und gestützt durch eine ‚oppositionelle‘ Ästhetik, dem Genre des Bildungsromans ‚einschreiben‘ und auf diese Weise auch auf künstlerisch-ästhetischer Ebene diskursive kulturelle Mitbestimmung einfordern und dadurch einen Platz im nationalen Literatur- und Kulturkanon.

Barbara Heindl ©Barbara Heindl

Barbara Heindl, MA

Kontakt: heindl@europa-uni.de

Religion in Auschwitz – Autofiktionale Texte der Shoah und die Funktion von religiöser Praxis im Konzentrationslager 

Immer wieder wird die Shoah als Zivilisationsbruch verstanden und auch die autobiographischen Texte von Überlebenden der Konzentrations- und Vernichtungslager beschreiben eine existenziell bedrohliche Welt, in der Menschen zu würdelosen Häftlingen – zu Dingen – degradiert werden. Gegenüber dieser gezielten Vernichtung von Millionen Menschen scheinen vertraute Handlungs- und Denkweisen zunächst kaum wirksam. Dennoch erzählen die Autobiographien aber nicht nur von Leid, sondern auch von den Versuchen der inhaftierten Menschen, sich der Lagerwelt zu widersetzen. Weil der reale Handlungsspielraum gering ist, liegen die Selbstbehauptungsstrategien der Häftlinge häufig auf einer symbolischen Ebene. Immer wieder beschreiben Autorinnen und Autoren wie Ruth Klüger, Primo Levi, Viktor Frankl, Max Mannheimer oder Elie Wiesel gerade religiöse Praktiken als besonders stabilisierend und wirksam für die Behauptung des eigenen Selbst.
Im Rahmen der Dissertation sollen die literarischen Beschreibungen religiöser Praktiken untersucht werden, d.h. Gebete, individuelle Anklagen Gottes, jahreszeitliche Riten und religiöse Feste. Aber auch die Darstellung dieser Praktiken durch die Autobiographien ist Gegenstand der Arbeit. Außerdem gilt es, die spezifischen Kommunikationsmöglichkeiten religiöser Sprachformen zu reflektieren. Im Zentrum des Projektes steht somit die Frage nach der Funktion von religiöser Praxis, die zwischen den Extremen von widerständigem Denken bzw. Handeln und einer Ergebung in das fremdbestimmte eigene Schicksal schwanken kann.

Betreuerin: Prof. Dr. Kerstin Schoor

kern ©Nadine Kern

Nadine Kern-Danilsen, MA

Kontakt: nkern@europa-uni.de

Aufklärungsdiskurse in der Erzählliteratur von Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft im NS-Deutschland

Die geplante Dissertation widmet sich der Aufklärungsrezeption in der Erzählliteratur von Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft im nationalsozialistischen Deutschland. Die Transformation der voremanzipatorischen jüdischen Gemeinschaft und Kultur in die bürgerliche Gesellschaft lässt sich bis auf die philosophischen, ästhetischen und historischen Entwicklungen des Aufklärungszeitalters zurückverfolgen. Vor der Folie der Nichtigerklärung der 1812 in Preußen erstrittenen Bürgerrechte und dem Ausschluss von Schriftsteller*innen jüdischer Herkunft aus dem allgemeinen Kulturbetrieb wird im Rahmen dieses Promotionsprojekts der Frage nachgegangen, auf welche philosophischen und ästhetischen Grundideen der Aufklärung in der deutsch-jüdischen literarischen Kultur im Nationalsozialismus Bezug genommen wurden, um im Verhältnis zur Aufklärung auch das Verhältnis zu ‚deutscher‘ beziehungsweise zu ‚jüdischer‘ Kultur (neu) zu verhandeln. Die Dissertation erschließt Texte von Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft, die nach 1933 im nationalsozialistischen Deutschland und somit in einem zunehmend ghettoisierten und durch die NS-Zensur deformierten literarischem Feld erschienen sind. Im Fokus der Analyse stehen Werke, die in ihrer Rezeption von Grundpositionen der Aufklärung die Tragfähigkeit des im Zuge der Moderne entwickelten liberalen Selbst- und Weltbildes hinterfragen und somit einen literarischen Beitrag zum virulenten Diskurs um Positionsbestimmungen einer marginalisierten und verfolgten Minderheit leisteten.
Die Arbeit möchte mit der Aufarbeitung dieser Rezeptionsgeschichte nicht nur einen literaturwissenschaftlichen Beitrag zu dem Forschungsfeld der jüdischen Literatur im NS-Deutschland, sondern ebenso einen Beitrag zur Aufklärungsforschung leisten. Darüber hinaus soll sie Erkenntnisse über Prozesse der Selbstbestimmung marginalisierter Minderheiten in der Moderne unter den Bedingungen von Ausgrenzung und existentieller Verfolgung ermöglichen.

Das Dissertationsprojekt entsteht im Rahmen des Forschungs- und Digitalisierungsprojektes "Digitales Archiv jüdischer Autorinnen und Autoren in Berlin 1933 - 1945 (DAjAB)".

Betreuerin: Prof. Dr. Kerstin Schoor

Anna Rosemann_190 ©Anna Rosemann

Anna Rosemann, MA

Kontakt: anna.rosemann.90@gmail.com

Judentum und die Entwicklung des Pressefotoagenturwesens im Kontext der Moderne – Von der Ereignisfotografie zum modernen Fotojournalismus

Die angestrebte Dissertation verfolgt zentral die Frage, welchen Beitrag Pressefotoagenturen mit Inhabern jüdischer Herkunft für die Entwicklung der Pressefotografie in Deutschland geleistet haben. Sie wird vor dem Hintergrund der in der Literatur allgemein verbreiteten Ansicht gestellt, dass Juden eine herausragende Rolle innerhalb der Geschichte der Pressefotografie eingenommen haben und diese durch ihre Innovations- und Anpassungsfähigkeit entscheidend mitgestalteten. Es existiert jedoch innerhalb der bislang vorliegenden Untersuchungen ein erhebliches Desiderat an Forschungen zu dieser Frage im Hinblick auf das Pressefotoagenturwesen. Die geplante Dissertation soll dieses Desiderat durch die Betrachtung von vier Berliner Agenturen für Pressefotografie im Zeitraum von 1895 bis 1938 exemplarisch bearbeiten. Alle untersuchten Firmen haben gemein, dass sie einen oder mehrere Inhaber jüdischer Herkunft hatten und im Nationalsozialismus nachweislich verfolgt wurden. Ziel ist es, die Firmengeschichte, Netzwerke sowie Arbeitsweisen der Unternehmen genauer zu betrachten und in den jeweiligen konkreten sozioökonomischen sowie gesellschaftspolitischen Kontext einzubetten. Die Dissertation verspricht in diesem Sinne Erkenntnisse im Bereich der deutsch-jüdischen Kulturgeschichte und hier spezifisch auch in der Institutionen- und Fotografiegeschichte.

Betreuerin: Prof. Dr. Kerstin Schoor

Stipendiatin des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerkes (ELES)

Fabian Sader ©Fabian Sader

Fabian Sander, MA

Kontakt: euv06374@europa-uni.de

Deutschsprachig-jüdische Gegenwartsliteratur im Spannungsfeld von Postmoderne und Erinnerungsdiskurs

In einigen Romanen aus dem Feld der deutschsprachigen jüdischen Gegenwartsliteratur scheint bereits vorweggenommen, worum seit Mitte 2020 innerhalb des deutschen Feuilletons, ausgelöst durch die radikal israelkritischen Thesen des kamerunischen Historikers Achille Mbembe, eine erbitterte Debatte kreist. Den – im innerakademischen Diskurs freilich schon länger geführten – Diskussionen, ob sich etwa „diskursive Kontinuitäten und Funktionsäquivalenzen“ (Rothberg/Zimmerer) zwischen Shoah und Kolonialismus ausmachen lassen, oder ob durch eine „postkoloniale Schablone“ nicht demgegenüber die Gefahr bestehe, dass in der Analyse „die Spezifik der modernen Judenfeindlichkeit verloren[gehe]“ (Elbe), liegen einerseits fundamentale gesellschaftliche Wandlungsprozesse mit Blick auf die kollektive Erinnerung an die Shoah zugrunde. Auf der anderen Seite scheint die Debatte jedoch insbesondere auch Ausdruck eines größeren theoretischen Problems zu sein, das bei genauerer Betrachtung den argumentativen „Frontlinien“ der jüngsten gesellschaftlich-wissenschaftlichen Auseinandersetzungen um die Erinnerung an die Shoah latent vorausgeht: Es ist der zunehmende Einfluss postmoderner Theoriebildung, an dem sich auch im deutschsprachigen Erinnerungsdiskurs, deutlich später als etwa im angloamerikanischen Raum, der Streit entzündet.

In der Dissertation soll aufgezeigt werden, wie die Romane Ohnehin (2004) und Andernorts (2010) von Doron Rabinovici, Broken German (2016) von Tomer Gardi und Die Leinwand (2010) von Benjamin Stein als Formen literarischer Positionsbestimmungen lesbar sind, die angesichts eines sich fundamental wandelnden Horizonts kollektiven Erinnerns die Auswirkungen poststrukturalistisch geprägter Denkmodelle auf die wissenschaftliche wie auch gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Erinnerung an die Shoah auf kritische Weise vorführen. Dabei können die hier diskutierten Romane natürlich nicht als unmittelbare Positionierungen innerhalb des durch den Vorfall um Mbembe ausgelösten Streits betrachten werden, sind sie doch allesamt – und zum Teil lange – vor dessen Einsetzen erschienen. Allerdings lässt sich die in den vier literarischen Texten auffällige Bezugnahme auf unterschiedliche Schlüsselelemente postmoderner Theorie in der Gesamtschau durchaus als eine Art literarischer Diskussion interpretieren, in der bereits eben jenes zum Problem wird, das nun auch in der jüngsten Debatte den Kern des theoretischen Streits bildet. Die Texte Rabinovicis, Gardis und Steins werfen somit, literarisch vermittelt, jeweils die Frage auf, ob der ursprünglich kritische Impetus jener Theoriebildung in diesem Kontext noch zur Geltung kommt oder sich demgegenüber nicht in sein Gegenteil zu verkehren Gefahr läuft.

Betreuerin: Prof. Dr. Kerstin Schoor

Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes

Malte Spitz ©Malte Spitz

Malte Spitz, MA

Kontakt: Spitz@europa-uni.de

Schreiben in der Diaspora: Der Schriftsteller Hermann Grab zwischen Prag, Heidelberg und New York

Die literatur- und kulturwissenschaftlich ausgerichtete Dissertation beschäftigt sich mit dem Prager Schriftsteller und Musiker Hermann Grab (1903-1949), von dem in der europäischen Literaturgeschichte nur wenige Spuren zu finden sind. Sie fokussiert in einer Fallstudie zu seinem Werk gezielt Praktiken jüdischen Schreibens, die nicht ausschließlich auf einzelne national-europäische Zugehörigkeiten und Poetiken zurückzuführen, sondern als widersprüchliche Komplexe zu beschreiben sind. Ausgehend von Überlegungen zu Aspekten jüdischer Existenz in der Diaspora, die insbesondere in Mittel- und Osteuropa auch durch kulturelle Mehrfachprägungen beschrieben sind, soll Grab in seinem Schaffen in Prag und Wien als ein Schriftsteller wahrgenommen und verstanden werden, dessen Wirken von jüdischen sowie nichtjüdischen, von deutschen, tschechischen und österreichischen Lebenswirklichkeiten bestimmt war. Grabs späteres Exil in New York reflektiert und erweitert diese Perspektive. Ziel der Dissertation ist es, anhand ausgewählter biographischer Konstellationen wie analytischer Betrachtungen von Hermann Grabs Schreiben die geographischen, disziplinären und ästhetischen Räume seines Wirkens auszumessen und spezifische Aspekte eines Schreibens in der Diaspora exemplarisch zu studieren. Die Arbeit soll damit zu einer Literaturgeschichte als Verflechtungsgeschichte beitragen sowie ein vertieftes Verständnis jüdischen Schreibens im Kontext konkreter historischer Erfahrungen im 20. Jahrhundert ermöglichen.

Das Dissertationsprojekt entsteht im Rahmen der Nachwuchsforschungsgruppe „Literarische Praktiken der Verflechtung: Jüdisches Schreiben in der europäischen Diaspora (19. und 20. Jahrhundert) “ (Leitung: Dr. Andree Michaelis-König, Betreuung: Prof. Dr. Kerstin Schoor) am Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg und ist dort im Forschungsbereich „Diaspora – Migration – Transnationalität“ angesiedelt.

Betreuerin: Prof. Dr. Kerstin Schoor

Kathrin_Stopp_190 ©(c) privat

Kathrin Stopp, MA

Kontakt: stopp@europa-uni.de

Selbst-Bestimmung unter Zwang: Geschlechterdiskurse im Israelitischen Familienblatt 1933–1938 (Arbeitstitel)

Das literatur- und kulturwissenschaftlich ausgerichtete Dissertationsprojekt untersucht am Beispiel der Wochenzeitung Israelitisches Familienblatt, wie sich Geschlechterdiskurse innerhalb der jüdischen Minderheit im nationalsozialistischen Deutschland zwischen 1933 und 1938 entwickelten. Die im Israelitischen Familienblatt erschienenen Texte werden dabei im Kontext eines zunehmend ghettoisierten und deformierten jüdischen Kulturbetriebes betrachtet. Autor*innen jüdischer Herkunft, deren Schreiben sich ab 1933 im Spannungsfeld von Zensur und Schreibverboten bewegte, waren durch die Restriktionen der NS-Kulturpolitik einerseits gezwungen, eine dezidiert ‚jüdische‘ Kultur zu schaffen. Andererseits verstärkten die Erfahrung der Ausgrenzung sowie die äußere Bedrohungssituation innerhalb der jüdischen Bevölkerung das Bedürfnis sich mit jüdischer Kultur und Tradition als einem Teil der eigenen Herkunft und Zukunft auseinanderzusetzen. Fragen jüdischer Identität und Selbstbestimmung werden dabei oftmals geschlechtsspezifisch verhandelt und mit bestimmten Vorstellungen von Geschlechterverhältnissen und -normen in Verbindung gebracht. Dazu gehört beispielsweise die verstärkte Auseinandersetzung mit der Aufgabe der jüdischen Frau für den Erhalt der Familie und somit auch die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft.

Ziel der Arbeit ist es, den Geschlechterdiskurs im Israelitischen Familienblatt zu erschließen und danach zu fragen, welche Möglichkeiten der jüdischen Selbstbestimmung und Selbstbehauptung sich den Autor*innen boten, gegenüber einem virulenten und existenziell bedrohlichen Antisemitismus im NS-Deutschland, der immer auch geschlechtlich konnotiert war. Hierzu werden sowohl der journalistische Diskurs der Zeitung als auch ausgewählte Fortsetzungsromane aus der Literaturbeilage analysiert.

Das Dissertationsprojekt entsteht im Rahmen des Forschungs- und Digitalisierungsprojektes "Digitales Archiv jüdischer Autorinnen und Autoren in Berlin 1933 - 1945 (DAjAB)".

Betreuerin: Prof. Dr. Kerstin Schoor

Foto Xiao ©Qing Xiao

Qing Xiao

Kontakt: euv184852@europa-uni.de

Das Exil in China zwischen 1938 und 1951 in autobiographischen Texten deutschsprachiger Flüchtlinge jüdischer Herkunft (Arbeitstitel)

Seit den 1980er Jahren erschienen vermehrt Memoiren, (Auto)Biographien, Erzählungen und Romane, Oral Histories, Audios und Filme über das chinesische Exil, die uns – neben den durchaus divergierenden "Grand Narrativs" unterschiedlicher nationaler Geschichtsschreibungen und Erinnerungskulturen in Asien wie in Europa – den Alltag des chinesischen Exils in persönlichen Erinnerungen zugänglich machen. Die geplante Dissertation untersucht am Beispiel autobiografischer Texte deutschsprachiger Flüchtlinge jüdischer Herkunft Narrationen über das Exil in China zwischen 1938-1951 vor dem Hintergrund kollektiver Erinnerungsprozesse im europäischen und im asiatischen Raum der Nachkriegsjahre bis in die Gegenwart. Im Zentrum der Analyse stehen u.a. Franziska Tausigs Shanghai Passage. Flucht und Exil einer Wienerin (1987/2007), Hellmut Sterns Saitensprünge – Erinnerungen eines leidenschaftlichen Kosmopoliten (Berlin 2000) und Wolfgang Karfunkels Chinesische Jahre: Eine abenteuerliche Flucht (2003).

Betreuerin: Prof. Dr. Kerstin Schoor

Stipendiat des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerkes (ELES)