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Kathrin_Stopp_190 ©(c) privat

Kathrin Stopp, M.A.

Kontakt: stopp@europa-uni.de

Jüdische Identitätsbildung unter Zwang: Deutsch-jüdische Geschlechterdiskurse im nationalsozialistischen Deutschland

Im Rahmen meines Dissertationsprojekts untersuche ich Texte jüdischer Autorinnen und Autoren, die in Deutschland ab 1933 entstanden. Innerhalb eines Literatursystems, das durch die Repressionen nationalsozialistischer Kulturpolitik nach und nach ghettoisiert wurde, unterlagen Schreibende einerseits dem äußeren Zwang, eine dezidiert jüdische Kultur zu schaffen. Andererseits entstand aufgrund von Ausgrenzung und Diffamierung innerhalb der jüdischen Minderheit auch das Bedürfnis sich mit der jüdischen Kultur zu befassen. In diesem Zusammenhang wurden jüdische Selbstdefinition und Identitätsfindung zunehmend wichtiger. So findet sich in Texten unterschiedlicher Genres die Auseinandersetzung mit der Bedeutung und Bestimmung jüdischen Lebens. Dabei fällt auf, dass hiermit häufig bestimmte Geschlechterbilder sowie geschlechterspezifische Erwartungen und Normierungen verknüpft sind.

Im Zentrum der Arbeit steht die Frage nach den Geschlechter- und insbesondere den Frauenbildern, die im Kontext einer jüdischen Selbstfindung und Positionsbestimmung unter Zwang relevant werden. Hieraus ergibt sich auch die Frage nach der politischen, religiösen und kulturellen Funktion solcher Bilder und Zuschreibungen.

Die Materialauswahl besteht aus verschiedenen literarischen und publizistischen Fallbeispielen, die in verschiedenen Phasen jüdischer kultureller Aktivität im Dritten Reich entstanden und die sowohl textanalytisch untersucht als auch in ihren jeweiligen historischen Entstehungskontext eingeordnet werden (u.a. Hermann Sinsheimer: Maria Nunnez, 1934; Egon Jacobsohn/Leo Hirsch: Jüdische Mütter, 1936; Bertha Badt-Strauss: Jüdinnen, 1937). Zudem soll die Rezeptionsgeschichte dieser Texte in der deutsch-jüdischen Presse der 1930er Jahre untersucht werden, um Aufschluss zu geben über die zeitgenössische Bedeutung sowie ihre Wirkung in einem weiter gefassten (innerjüdischen) kulturellen Diskurs.

Barbara_Heindl_12_190 ©Foto von Heide Fest, EUV

Barbara Heindl, M.A.

Kontakt: heindl@europa-uni.de

Religion in Auschwitz – Autofiktionale Texte der Shoah und die Funktion von religiöser Praxis im Konzentrationslager 

Immer wieder wird die Shoah als Zivilisationsbruch verstanden und auch die autobiographischen Texte von Überlebenden der Konzentrations- und Vernichtungslager beschreiben eine existenziell bedrohliche Welt, in der Menschen zu würdelosen Häftlingen – zu Dingen – degradiert werden. Gegenüber dieser gezielten Vernichtung von Millionen Menschen scheinen vertraute Handlungs- und Denkweisen zunächst kaum wirksam. Dennoch erzählen die Autobiographien aber nicht nur von Leid, sondern auch von den Versuchen der inhaftierten Menschen, sich der Lagerwelt zu widersetzen. Weil der reale Handlungsspielraum gering ist, liegen die Selbstbehauptungsstrategien der Häftlinge häufig auf einer symbolischen Ebene. Immer wieder beschreiben Autorinnen und Autoren wie Ruth Klüger, Primo Levi, Viktor Frankl, Max Mannheimer oder Elie Wiesel gerade religiöse Praktiken als besonders stabilisierend und wirksam für die Behauptung des eigenen Selbst.

Im Rahmen der Dissertation sollen die literarischen Beschreibungen religiöser Praktiken untersucht werden, d.h. Gebete, individuelle Anklagen Gottes, jahreszeitliche Riten und religiöse Feste. Aber auch die Darstellung dieser Praktiken durch die Autobiographien ist Gegenstand der Arbeit. Außerdem gilt es, die spezifischen Kommunikationsmöglichkeiten religiöser Sprachformen zu reflektieren. Im Zentrum des Projektes steht somit die Frage nach der Funktion von religiöser Praxis, die zwischen den Extremen von widerständigem Denken bzw. Handeln und einer Ergebung in das fremdbestimmte eigene Schicksal schwanken kann.

Tobias Bargmann_190 ©Copyright by Tobias Bargmann

Tobias Bargmann

Kontakt: bargmann@daad-italia.it

„Der Morgen“ (1925–1938) –  Ein geistiges Forum des deutschen Judentums

Im Rahmen meines Promotionsvorhabens widme ich mich einer zentralen Leerstelle in den Geschichten deutsch-jüdischer Literatur- und Kulturgeschichte: der von Julius Goldstein gegründeten Zeitschrift „Der Morgen“, die von April 1925 bis November 1938 (112 Hefte mit über 8.000 Seiten) im Berliner Philo-Verlag erschien. Meine Arbeit unternimmt dabei erstmals den Versuch, die Geschichte des „Morgen“ in seiner Gesamtheit und auf Basis umfangreicher Archivquellen zu rekonstruieren und zentrale Aspekte dieser Geschichte anhand literarhistorischer Fallstudien zu untersuchen.

Da sich bisher nur eine Handvoll kleinerer Aufsätze und Kapitel, in jeweils spezifischem Kontext, mit der Zeitschrift befasst hat, stützt sich meine Studie fast ausschließlich auf Primärquellen. Neben dem „Morgen“ selbst und seinem publizistischen Umfeld (u. a. der „C.V.-Zeitung“, und dem katholischen „Hochland“) zählen hierzu vor allem die Hinterlassenschaften der fünf Schriftleiter (Julius und Margarete Goldstein, Max Dienemann, Eva Reichmann-Jungmann und Hans Bach), der Redaktionsnachlass des „Morgen“ (im Centrum Judaiucum, Berlin) sowie der weitgehend unerschlossene Bestand des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem).

Die Themenbereiche der Studie reichen von der Entstehungsgeschichte des „Morgen“, über sein Verhältnis zum C.V. und seine Rolle innerhalb der jüdischen Presse der 1920er/ 1930er Jahre bis hin zu seiner Eigenschaft als ein literarisches Forum des deutschen Judentums (um nur einige zu nennen). Mit fast 200 Autorinnen und Autoren, die hier ihre literarischen Texte veröffentlichten (darunter Julius Bab, Margarete Susman, Jakob Picard, Nelly Sachs, Jakob Wassermann, Karl Wolfskehl und Franz Kafka, aber auch literarische Newcomer wie Leo Hirsch, Mala Laaser und Max Samter), erweist sich der „Morgen“ dabei besonders für die literarhistorische Forschung als ergiebig.

Czerwonogóra_Katarzyna_klein ©Czerwonogora, Katarzyna

Katarzyna Czerwonogóra

Kontakt: redhillka@gmail.com

Transnationale Pfade der Emanzipation zionistischer Frauen

Dieses Projekt ist eine Studie von Biografien und Aktivitäten zionistischer Frauen aus Mitteleuropa an der Wende des 19. Jahrhunderts. Es konzentriert sich auf die Entstehung zionistischer Frauen-Organisationen in deutschen und polnischen Gebieten, auf die Bedeutung dieser Organisationen für die Frauenemanzipation und auf die Übertragung der Ideen der Gleichstellung der Geschlechter von Europa in die jüdischen Siedlungen Palästinas. 

Normalerweise konzentrieren sich die Analysen von Frauen und Zionismus in Europa auf einen Staat und lenken ihre Aufmerksamkeit zu wenig auf die Strategien der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zionistischer Frauen. Das Forschungsprojekt dagegen strebt eine vergleichende Fallstudie zwischen zwei Ländern (Polen und Deutschland) an und analysiert zusätzlich die internationalen Verbindungen zwischen zionistischen Frauen aus diesen Ländern und jüdischen Frauen in Palästina. Es konzentriert sich auf das Verständnis davon, wie politische und wirtschaftliche Kräfte in zwei verschiedenen nationalen Kontexten jüdisches Frauengeschlechterbewusstsein geformt, ihre Fähigkeit zur lokalen und internationalen Selbstorganisation beeinflusst und ihre Beziehungen mit dem jüdischen nationalen Projekt ausgestaltet haben.

Ein übergeordnetes Ziel dieses Projektes ist es, die politische Mobilisierung jüdischer Frauen an der Wende des 19. Jahrhunderts als Teil eines größeren Phänomens zu sehen - der ersten Welle des europäischen und globalen Feminismus. Die bestehenden Studien über die allgemeinen Frauen-Kämpfe um Anerkennung, einschließlich der Analyse der nationalistischen Feminismen, befassen sich nicht in ausreichendem Maße mit der Frage der jüdischen Frauenemanzipation. Diese Arbeit stellt die Entstehung der Bewegung der zionistischen Frauen vor dem Hintergrund eines allgemeinen politischen Erwachens der Frauen in Europa (mit Schwerpunkt auf Polen und Deutschland) zur Debatte. Die Idee ist jedoch nicht "add Jewish women and stirr", sondern der Versuch, die Geschichte dieses Phänomen, zu nuancieren.

Die untersuchenden Fallbeispiele in diesem Projekt sind: Puah Rakovsky (1865-1955) Erzieherin, Aktivistin und Übersetzerin) und Rahel Straus (1881-1965, politische Aktivistin und eine der erste Ärztinnen).