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Titelbild_Schoor_190 ©Schoor

Kerstin Schoor: סופרות וסופרים יהודים בגרמניה הנאצית: פרק נשכח בתולדות הספרות הגרמנית (sofrot ve-sofrim yehudim be-germania ha-natsit: perek nishkah be-toldot ha-sifrut ha-germanit / Jüdische Autorinnen und Autoren im nationalsozialistischen Deutschland: Ein vergessenes Kapitel in den Geschichten deutschsprachiger Literatur, erw. und mit umfangreichem Dokumentenanhang), in: Yad Vashem Publications/ Carmel Publishing House, Jerusalem 2019.

Im Schatten staatlich legitimierter Rassenpolitik und Zensur entstanden zwischen 1933 und 1938/45 in einem separierten jüdischen Kulturkreis im nationalsozialistischen Deutschland literarische Arbeiten, die heute neben den literarischen und künstlerischen Werken des Exils als Beginn einer Literatur gelesen werden können, die auf die soziale Entrechtung, Ausgrenzung und Ermordung großer Teile des europäischen Judentums reagierte. Die bis 1938 einem begrenzten jüdischen Publikum innerhalb Deutschlands öffentlich gewordenen Texte von Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft spiegeln dabei häufig nur verdeckt deren äußeres Dasein – einen Alltag von Beschränkungen und Entrechtung, von Demütigungen und Zwangsarbeit. Im Spannungsfeld von Antisemitismus und Identitätssuche beschreiben sie vielmehr die tiefen Erschütterungen jener Jahre in Darstellungen der inneren Befindlichkeit einer ausgegrenzten und verfolgten Bevölkerungsgruppe oder führen vermittelt auf das dem öffentlichen Wort Versagte. Namen wie Gertrud Kolmar oder Nelly Sachs, Franz Hessel, Ernst Blass, Ludwig Meidner oder Leo Hirsch, Mascha Kaléko, Kurt Pinthus, Arthur Eloesser, Jakob Picard, Karl Escher, Meta Samson, Hilde Marx, Arthur Silbergleit, Arno Nadel, Herbert Friedenthal (Freeden), Hans Keilson, Max Samter oder Ilse Blumenthal-Weiss stehen exemplarisch für viele, die nicht, oder zunächst nicht, aus Deutschland auswandern konnten oder mochten. Ein ausführlicher Anhang mit ins Hebräische übersetzen Originaldokumenten einzelner Autorinnen und Autoren ist dem Band beigefügt.

2018-02-15_Ruinen_Umschlag_neu ©neofelis Verlag Andree Michaelis-König: "Auf den Ruinen der Imperien. Erzählte Grenzräume in der mittel- und osteuropäischen Literatur nach 1989", Berlin: Neofelis Verlag, 2018.

Durch den Zerfall der großen Imperien des 20. Jahrhunderts entstanden in Mittelosteuropa einige Grenzräume wie Galizien, die Bukowina, das Banat, die Walachei und die ungarische Provinz. Sie zeichneten sich dadurch aus, dass sie für jeweils bestimmte historische Phasen eine gewisse Vielfalt an Ethnien, Religionen und Kulturen bargen, die nebeneinander und auch miteinander existieren konnten, dann aber aufgrund hegemonialgeschichtlicher Entwicklungen zerteilt und neu geprägt wurden. Die Alltagspraxis, die sich hieraus ergab, war zumeist eine konfliktreiche, sie lässt sich aber auch als ein durchaus erprobter (Lebens-)Zusammenhang beschreiben. Karl Schlögel hat von solchen Übergangsräumen als dem "Reichtum Europas" gesprochen: "Sie bringen Kunstwerke zustande, die nur dort möglich sind, wo sich etwas mischt."

Gerade die Kunst und die Literatur erweisen sich als Stätten, an denen sichtbar und erfahrbar wird, was in der politischen Realität unkenntlich gemacht wurde. Ihnen widmen sich die vorliegenden Beiträge, in denen Werke von Jurij Andruchowytsch, Andrzej Stasiuk, Joanna Bator, Maria Matios, Pál Závada, Herta Müller und anderen polnisch-, ukrainisch-, ungarisch- und deutschsprachigen Autorinnen und Autoren analysiert werden, die nach 1989 entstanden und die sich mit dem Phänomen der grenzbestimmten Erfahrung in Mittel- und Osteuropa befassen. Literatur wird dabei zum Ausgangspunkt einer vielschichtigen und notwendig interdisziplinären Auseinandersetzung mit der ebenso abgründigen wie reichen Geschichte und Gegenwart einer dezidiert europäischen Erfahrungswelt.