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Aktuelle Publikationen

2018-02-15_Ruinen_Umschlag_neu ©neofelis Verlag Andree Michaelis-König: "Auf den Ruinen der Imperien. Erzählte Grenzräume in der mittel- und osteuropäischen Literatur nach 1989", Berlin: Neofelis Verlag, 2018.

Durch den Zerfall der großen Imperien des 20. Jahrhunderts entstanden in Mittelosteuropa einige Grenzräume wie Galizien, die Bukowina, das Banat, die Walachei und die ungarische Provinz. Sie zeichneten sich dadurch aus, dass sie für jeweils bestimmte historische Phasen eine gewisse Vielfalt an Ethnien, Religionen und Kulturen bargen, die nebeneinander und auch miteinander existieren konnten, dann aber aufgrund hegemonialgeschichtlicher Entwicklungen zerteilt und neu geprägt wurden. Die Alltagspraxis, die sich hieraus ergab, war zumeist eine konfliktreiche, sie lässt sich aber auch als ein durchaus erprobter (Lebens-)Zusammenhang beschreiben. Karl Schlögel hat von solchen Übergangsräumen als dem "Reichtum Europas" gesprochen: "Sie bringen Kunstwerke zustande, die nur dort möglich sind, wo sich etwas mischt."

Gerade die Kunst und die Literatur erweisen sich als Stätten, an denen sichtbar und erfahrbar wird, was in der politischen Realität unkenntlich gemacht wurde. Ihnen widmen sich die vorliegenden Beiträge, in denen Werke von Jurij Andruchowytsch, Andrzej Stasiuk, Joanna Bator, Maria Matios, Pál Závada, Herta Müller und anderen polnisch-, ukrainisch-, ungarisch- und deutschsprachigen Autorinnen und Autoren analysiert werden, die nach 1989 entstanden und die sich mit dem Phänomen der grenzbestimmten Erfahrung in Mittel- und Osteuropa befassen. Literatur wird dabei zum Ausgangspunkt einer vielschichtigen und notwendig interdisziplinären Auseinandersetzung mit der ebenso abgründigen wie reichen Geschichte und Gegenwart einer dezidiert europäischen Erfahrungswelt.

Levine%cc%81_Cover ©Hentrich&Hentrich / Christian Dietrich Christian Dietrich: Eugen Leviné. "Ich fühle russisch und denke jüdisch", Berlin: Hentrich&Hentrich, 2017.

Eugen Leviné (1883–1919) gab nie die Hoffnung auf eine bessere Welt auf. Selbst als er wusste, dass es für ihn keine Zukunft mehr geben würde, hielt er eine mutige Rede vor dem Münchner Standgericht, das am 3. Juni 1919 seine Hinrichtung beschloss. Eugen Leviné ist heute weitgehend vergessen. Wenn von ihm gesprochen wird, dann meist nur über die letzten sechs Monate seines Lebens. Doch sein Engagement für die KPD, seine Arbeit für die „Rote Fahne“ und seine Beteiligung an der Münchner Räterepublik sind nur Schlaglichter einer bemerkenswerten Biographie. Christian Dietrich blickt auf das Schaffen des jungen Revolutionärs, der neben seiner politischen Tätigkeit auch literarisch wirken wollte.

00.A.CoverFr%c3%a4uleinElse_NEU ©Böhlau Verlag Alexandra Tacke: "Schnitzlers 'Fräulein Else' und die Nackte Wahrheit. Novelle, Verfilmungen und Bearbeitungen", Köln/Weimar/Wien: Böhlau, 2017.

Im Zentrum von Arthur Schnitzlers Novelle Fräulein Else (1924) steht ein Skandal: Eine junge Frau entkleidet sich öffentlich im Musiksalon eines Hotels. Mit der Nacktszene greift Schnitzler ein Motiv auf, das um die Jahrhundertwende zu einem zentralen Thema avanciert und allseits präsent ist. Enthüllt wird dabei weniger der weibliche Körper als die ‚Nackte Wahrheit‘. Schnitzler geht es vor allem um ein Spiel mit der Sprachlosigkeit sowie der schamlosen Enthüllung der (Sprach-)Zeichen. Die zahlreichen Adaptionen und Bearbeitungen in Film, Fernsehen, Hörfunk, Bildender Kunst, Internet und Comic kreisen ebenfalls um diese Darstellungsproblematik, wie die Studie in ausführlichen Einzelanalysen erstmals zeigt.