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Dr. Andree Michaelis-König

Von den Autoren der Auf­klä­rung im aus­ge­hen­den 18. bis zur neu­eren deutsch-jü­di­schen Ge­gen­warts­li­te­ra­tur rei­chen mei­ne For­schungs­in­ter­es­sen. Dabei nimmt die Li­te­ra­tur von Über­le­ben­den der Shoah und mit ihr die Er­in­ne­rungs­kul­tur nach 1945 einen be­son­de­ren Stel­len­wert ein. Au­to­bio­gra­phik, Me­dia­li­tät und Er­in­ne­rung sowie das Ver­hält­nis von Li­te­ra­tur und Ge­schich­te sind hier­bei die für mich zen­tra­len The­men. 
 
Darüber hinaus spielt der Film, ins­be­son­dere die Ge­schich­te der fil­mi­schen Re­präsen­ta­tion der natio­nal­sozia­lis­ti­schen Ver­bre­chen und deren Nach­wirken bis in die Gegen­warts­kultur hinein eine wich­tige Rolle. Neben einer medien­kriti­schen gilt meine Auf­merk­sam­keit schließ­lich der lite­ratur­theo­re­ti­schen Re­fle­xion. Denn es ist die Band­brei­te li­te­ra­tur­theo­re­ti­scher Po­si­tio­nen im 20. Jahr­hun­dert – von Saus­sure und den rus­si­schen For­ma­lis­ten bis hin zu Fou­cault, Derrida und Barthes –, die ich neben nar­ra­tolo­gi­schen Über­le­gungen als un­ab­ding­bare Grund­lage des Faches ver­stehen möchte.

In meinem ak­tuel­len For­schungs­vor­ha­ben geht es mir um ein­zel­ne Kon­stel­la­tio­nen eu­ro­pä­isch-jü­di­scher Be­zie­hun­gen seit dem 18. Jahr­hun­dert. Mich in­te­res­sie­ren die ver­such­ten, die ge­glück­ten und die ge­schei­ter­ten Freund­schaf­ten zwi­schen jü­di­schen und nicht-jü­di­schen Schrift­stel­lern und In­tel­lek­tuel­len – von Men­dels­sohn, Nicolai und Les­sing bis hin zu Ruth Klü­ger und Mar­tin Wal­ser –, und wie sie die Kul­tur­ge­schich­te der letz­ten 200 Jah­re ge­prägt ha­ben. "Freund­schaft" ver­stehe ich dabei als ei­nen Arbeits­be­griff, der ei­nen spe­zi­fi­schen dis­kur­si­ven Ort der Be­geg­nung zu er­fas­sen hilft, an dem ein pri­vates Ver­hält­nis öf­fent­liche Gel­tung er­lang­te, ohne in­sti­tu­tio­nell ver­ein­nahmt zu wer­den. Un­ter­su­chen möch­te ich vor al­lem die Zeug­nis­se die­ser Be­geg­nung, und zwar mit Blick auf ihre äs­the­ti­sche, ihre in­tel­lek­tuel­le und ihre his­to­ri­sche Be­deu­tung für das heute als ge­schei­tert an­ge­se­he­ne deutsch-jü­di­sche bzw. eu­ropä­isch-jü­di­sche Ge­spräch.