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Dr. Christian Dietrich

Es ist ein Irrtum, den Kampf gegen den Antisemitismus vor 1933 ausschließlich den fortschrittlichen Kreisen des Bürgertums zuzuschreiben. Er blendet gleich zwei wesentliche Punkte aus: Erstens, das Engagement jüdischer Protagonisten in den Arbeiterparteien; zweitens, die Diskussionen innerhalb der deutschen wie der internationalen Arbeiterbewegung darüber, wie mit dem erstarkenden Antisemitismus umzugehen ist und wie die völkischen Angriffe zu parieren sind. Beiden Punkten widmet sich mein Habilitationsprojekt „Zwischen Republikschutz und Außenpolitik. Antisemitismus und Zionismus in der Sozialdemokratie und der Labour Party zwischen 1917 und 1930/31“.

Das Projekt schließt an meine bis­he­ri­gen Arbeitsschwerpunkte an, zu denen em­pi­ri­sche Antisemitismusfor­schun­g und die Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung gehören. Da­rü­ber hi­naus be­schäf­ti­ge ich mich seit ei­ni­gen Jah­ren mit jü­di­schen Ab­wehr­ver­ei­nen ge­gen den An­ti­se­mi­tis­mus. In mei­ner Dis­ser­ta­tion, die ich im Wal­ther Ra­thenau Gra­du­ier­ten­kol­leg am Moses Men­dels­sohn Zen­trum für eu­ro­pä­isch-jü­di­sche Stu­dien an­fer­tig­te, machte ich die frü­hen Jah­re des „Cen­tral­ver­eins deut­scher Staats­bür­ger jü­di­schen Glau­bens“ zum Thema. Es sollte die Fra­ge be­ant­wor­tet werden, wie aus dem a­re­li­giö­sen und li­be­ra­len Ver­ein von 1893 die größ­te Ver­tre­tung der deut­schen Ju­den wer­den konn­te, die sich noch vor dem Er­sten Welt­krieg zu­neh­mend re­li­giö­ser The­men an­nahm und an­ti­zio­nis­tisch po­si­tio­nier­te.