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Prof. Dr. Ievgeniia Voloshchuk

Seit August 2016 arbeite ich an dem durch die Fritz Thyssen Stiftung geförderten Forschungsvorhaben „Die Ukraine als Palimpsest: deutschsprachige Literatur und ukrainische Welt von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart“. Anhand der repräsentativen fiktionalen und nicht-fiktionalen Texte werden im Rahmen des Projektes die Bilder der multinationalen Ukraine erforscht und die bedeutendsten Entwicklungstendenzen der Ukraine-Rezeption in der deutschsprachigen Literatur ergründet. Als basale Elemente der literarischen Ukraine-Konstruktionen gelten im Projekt die „(post)habsburgische“ und die „(post)russische“/“(post)sowjetische“ Rezeptionstraditionen, die sich seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der deutschsprachigen Literatur entwickelten und die heutigen literarischen Ukraine-Darstellungen immer noch wesentlich prägen. Dabei werden die zentralen imagologischen Rezeptionsperspektiven durch die Einbeziehung der Werke von zwei Autor*innengruppen erforscht. Zur ersteren zählen jene Schriftsteller*innen, welche die Ukraine als ein „fremdes“ bzw. “anderes“ Land erkundig(t)en. Zur zweiteren gehören die aus den ukrainischen Regionen stammenden Autor*innen, die ihre „kleine Heimat“ durch das Prisma der eigenen Migrationserfahrungen reflektier(t)en. Neben den traditionellen Ukraine-Repräsentationen, die aus der vorangehenden literarischen Rezeption hinlänglich bekannt sind, werden auch literarische Inszenierungen von neueren Topoi des aktuellen Ukraine-Diskurses untersucht. Der Forschungsfokus richtet sich dabei auf die durch Palimpsest-Metapher zusammengefassten Überlappungen verschiedener Darstellungs- und Kartierungsmuster im literarischen Ukraine-Bild, das im Spannungsfeld zwischen Erinnerung und Erfindung steht. Die methodologische Basis des Vorhabens bilden die Ansätze von imagologischen Studien, Phantomgrenzen-Theorie, Mental Maps-Forschung sowie von intertextueller Analyse.