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Lesereihe

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Die deutschsprachige Gegenwartsliteratur ist nicht erst seit dem durchschlagenden Erfolg von Autorinnen und Autoren wie Olga Grjasnowa (Der Russe ist einer der Birken liebt), Wladimir Kaminer (Russendisko) oder Yoko Tawada (Etüden im Schnee) ein europäisches Phänomen geworden. Die Erfahrungs­welten der Migration, der Flucht und der Interkulturalität haben sich ihr so fest ein­geschrieben, dass sie ohne gar nicht mehr denkbar wäre. Doch gerade durch die Inter­nationalisierung, durch das ständige Über­schreiten und Be­schreiten von sprach­lichen, nationalen und gefühlten Grenzen, ist diese Literatur so spannend. Denn ihr gelingt es, nicht nur gut und unter­haltend zu erzählen, sondern zugleich zentrale Problem­felder unserer Gegenwarts­gesellschaft an­zu­gehen und in der literarischen Texten eigenen, oft hoch­differenzierten Art und Weise analytisch zu durch­dringen. So sind die Texte von Grjasnowa, Kaminer, Tawada, aber auch von Abbas Khider (Der falsche Inder), Irena Brežná (Die undankbare Fremde) oder Doron Rabinovici (Andernorts) immer auch Arbeit an der Gegen­wart, Kunst und Politik zugleich. Sie ver­deutlichen, was so viele Menschen heute er­fahren müssen, nämlich zwischen den Welten und Kulturen zu leben.

Seit 2013 veranstaltet die Axel Springer-Stiftungsprofessur für deutsch-jüdische Literatur- und Kultur­geschichte, Exil und Migration an der Europa-Universität Viadrina daher regel­mäßig öffent­liche Lesungen, zu denen bereits viele der genannten Autorinnen und Autoren ein­geladen werden konnten. Dabei hat sich die Spann­breite der aus­gewählten Themen und somit auch der ein­geladenen Autorinnen und Autoren der Lese­reihe unter der Überschrift „Zwischen()Welten – Deutschsprachige Literatur der Gegenwart“ vergrößert. Fokussierte sich die Lese­reihe in ihren Anfängen zunächst auf die sogenannte „Migrations­literatur“, also Literatur, die nicht in der eigentlichen Mutter­sprache ver­fasst wird, haben wir das thematische Spektrum mittlerweile markant er­weitert. Aspekte wie Vertreibung, Flucht und andere mittel­europäische Schicksale des 20. Jahr­hunderts sind hinzu­gekommen, denn sie lassen sich nicht minder als Er­fahrungen des Dazwischen und der Grenze lesen und verstehen.


Koordination: Elke Lange

 

17. Juli 2017

18:00 Uhr

Stadt- und Regionalbibliothek,
Frankfurt (Oder)

KATHRIN SCHMIDT (Berlin)

"Kapoks Schwestern"

(Kiepenheuer & Witsch 2016)

Lesung und Diskussion

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© Gunter Glücklich

Die Siedlung Eintracht im einstigen Ostteil Berlins: Jahre nach der Wende leben die Schwestern Barbara und Claudia Schaechter gemeinsam in jenem Haus, in dem sie einst ihre Kindheit verbrachten. Nebenan wohnt neuerdings der frühere Nachbarssohn Werner. Während alle drei Protagonisten sich den Erinnerungen an ihre Vergangenheit hingeben, legen Barbara und Claudia nach und nach auch die Lebens- und Leidenswege ihrer jüdischen Familiengeschichte frei, welche im 19. Jahrhundert ihren Anfang nahm und bis über die Grenzen der DDR hinaus verlief. 

Kathrin Schmidt, die 2009 für ihren Roman "Du stirbst nicht" mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde, unternimmt mit "Kapoks Schwestern" eine Reise in die europäische Vergangenheit, erzählt aus der Perspektive einer Berliner Gegenwart. 

Vergangene Lesungen:

 

17. Januar 2017

18:00 Uhr

Stadt- und Regionalbibliothek,
Frankfurt (Oder)

MICHAEL GÖRING (Hamburg)

"Spiegelberg - Roman einer Generation"

(Osburg Verlag 2016)

Lesung und Diskussion

Porträt hoch M. Göring_Roman Pawlowski ©Roman Pawlowski
© Roman Pawlowski

07. November 2016

18:00 Uhr

Stadt- und Regionalbibliothek,
Frankfurt (Oder)

HANS-ULRICH TREICHEL (Berlin)

"Tagesanbruch" (Suhrkamp Verlag 2016)

Lesung und Diskussion

treichel ©Copyright Heike Steinweg_SV
© Heike Steinweg_SV

23. Mai 2016

18:00 Uhr

Stadt- und Regionalbibliothek,
Frankfurt (Oder)

JENNY ERPENBECK (Berlin)

"Gehen, Ging, Gegangen" (Knaus 2015)

Lesung und Diskussion

JennyErpenbeck_ ©Katharina Behling
© Katharina Behling

Am Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg campieren afrikanische Flüchtlinge. Es ist ein Protest gegen das europäische Asylsystem: der Versuch, etwas zu bewegen. Der emeritierte Altphilologe und Ostberliner Richard zeigt Interesse, befragt, begleitet. Aus dem zunächst wissbegierigen Protokollanten der Schicksale wird schließlich – zaghaft, aber sicher – ein Freund. Dabei erweist sich das Kaleidoskop der fremden Erfahrungen als Reflexionsfläche für das eigene Leben. Die Frage „Wer bin ich?“ stellt sich im Kontext der Beziehungen zu den Asylsuchenden vollkommen neu und Richards bisheriges Leben in ein anderes Licht.
Auf eindringliche Weise beschwört Jenny Erpenbeck die Konsequenzen europäischer Flüchtlingspolitik und rückt das Los des Einzelnen in den Vordergrund. Bereits vor dem Höhepunkt der „Flüchtlingskrise“ entstanden, ist „Gehen, ging, gegangen“ heute aktueller denn je.

Jenny Erpenbeck: geboren 1967 in Berlin, 1999 Debüt mit der Novelle „Geschichte vom alten Kind“, es folgten Romane, Erzählungen und Theaterstücke. Ihr Roman „Aller Tage Abend“ wurde von Lesern und Kritik gleichsam gefeiert und vielfach ausgezeichnet. Mit „Gehen, ging, gegangen“ war Jenny Erpenbeck für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert (Shortlist).

11. Januar 2016

18:00 Uhr

Stadt- und Regionalbibliothek,
Frankfurt (Oder)

KATJA PETROWSKAJA (Berlin)

"Vielleicht Esther" (Suhrkamp 2014)

Lesung und Diskussion



Hieß sie wirklich Esther, die Großmutter des Vaters, die 1941 im besetzten Kiew allein in der Wohnung der geflohenen Familie zurückblieb? Die jiddischen Worte, die sie vertrauensvoll an die deutschen Soldaten auf der Straße richtete – wer hat sie gehört? Und als die Soldaten die Babuschka erschossen, „mit nachlässiger Routine“ – wer hat am Fenster gestanden und zugeschaut?

Die unabgeschlossene Familiengeschichte, die Katja Petrowskaja in kurzen Kapiteln erzählt, hätte ein tragischer Epochenroman werden können: der Student Judas Stern, ein Großonkel, verübte 1932 ein Attentat auf den deutschen Botschaftsrat in Moskau. Sterns Bruder, ein Revolutionär aus Odessa, gab sich den Untergrundnamen Petrowski. Ein Urgroßvater gründete in Warschau ein Waisenhaus für taubstumme jüdische Kinder.

Wenn aber der Name schon nicht mehr gewiss ist, was kann man dann überhaupt wissen?

Statt ihren gewaltigen Stoff episch auszubreiten, schreibt die Autorin von ihren Reisen zu den Schauplätzen, reflektiert über ein zersplittertes, traumatisiertes Jahrhundert und rückt Figuren ins Bild, deren Gesichter nicht mehr erkennbar sind. Ungläubigkeit, Skrupel und ein Sinn für Komik wirken in jedem Satz dieses eindringlichen Buches.

Katja Petrowskaja: Autorin und Journalistin, 1970 in Kiew geboren, studierte Literaturwissenschaften in Tartu (Estland) und promovierte 1998 in Moskau. Seit 1999 lebt sie in Berlin. 2014 erschien ihr Debütroman „Vielleicht Esther“, für den sie u.a. mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis (2013) und dem „aspekte“-Literaturpreis (2014) ausgezeichnet wurde.

Mit freundlicher Unterstützung des Fördervereins Europa-Universität Viadrina e.V.

26. Oktober 2015

18:00 Uhr

Stadt- und Regionalbibliothek,
Frankfurt (Oder)

MICHAL HVORECKÝ (Bratislava)

"Tod auf der Donau" (Tropen 2012)

Lesung und Diskussion

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© Vlado Dolinay

Martin Roy ist eigentlich literarischer Übersetzer, ein Feingeist. Doch im Bratislava der Nachwendezeit lässt sich mit diesem Beruf leider kein gutes Geld verdienen. So heuert der junge Mann als Reiseleiter auf der Kreuzfahrtlinie American Danube Cruises an und begleitet fortan die weiße US-amerikanische Oberschicht im besten Rentenalter auf ihrer luxuriösen Fahrt über den größten Schicksalsfluss Europas, von Regensburg bis ins Donaudelta. Hierbei sieht er sich nicht nur mit der penetranten Arroganz seiner Gäste konfrontiert, sondern muss nebenbei auch noch zwei Leichen entsorgen und sich seiner wieder aufgetauchten großen Liebe stellen.

Zwischen realistischer Erzählung und satirischer Zuspitzung oszillierend, ist Horvecký mit „Tod auf der Donau“ nicht nur ein tragikomischer Krimi gelungen, sondern ein ebenso lehrreicher kulturhistorischer Donau-Essay.

Michal Hvorecký (geb. 1976) lebt in Bratislava. Der Schriftsteller und Journalist wurde mit mehreren slowakischen Literaturpreisen ausgezeichnet und war Stipendiat des Literarischen Colloquiums Berlin.

Die Veranstaltung wird aus Mitteln des Grenzgänger-Programms der Robert Bosch Stiftung unterstützt.

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02. Februar 2015

18:00 Uhr

Stadt- und Regionalbibliothek,
Frankfurt (Oder)

PER LEO (Berlin)

"Flut und Boden"

Lesung und Diskussion

 
 
Leo_Per_4c_honorarfrei_c_Alexa_Geisthoevel1_kopf_190 ©Copyright by Alexa Geisthoevel
© Alexa Geisthoevel

Per Leo hat in seinem Debüt „Flut und Boden“, der für den Preis der Leipziger Buchmesse 2014 nominiert war, die eigene Familiengeschichte zum Roman geformt. Der Enkel fragt nach dem Großvater, der Karriere im Rasse- und Siedlungshauptamt der SS gemacht hat. „Familienwappen, Humanismus, Schiffbau, Villa, Heide, Scholle, Bücher, Blitzkrieg, Sturmbannführer. Da komme ich also her.“ Was genau das für ihn und für die Familie bedeutet, danach fragt der von der Kritik hoch gelobte Roman, den Per Leo in der Reihe "Zwischen()Welten - Deutschsprachige Literatur der Gegenwart" vorstellen wird.

Per Leo, geboren 1972 in Erlangen, studierte Geschichte, Philosophie sowie Russische Philologie in Freiburg und Berlin und wurde 2009 mit einer Arbeit über Ludwig Klages und die Tradition des charakterologischen Denkens promoviert. 2011 erhielt er für seine Dissertation den Humboldtpreis (Sonderpreis »Judentum und Antisemitismus«). Per Leo lebt als freier Autor in Berlin.

19. Januar 2015

18:00 Uhr

Stadt- und Regionalbibliothek,
Frankfurt (Oder)

DORON RABINOVICI (Wien)

"Andernorts"

Lesung und Diskussion

Rabinovici021(c)SusanneSchleyer_190 ©Copyright by Susanne Schleyer
© Susanne Schleyer

Die Romane des israelisch-österreichischen Schriftstellers und Historikers Doron Rabinovici handeln von jüdischem Leben und Überleben in Europa und Israel, von Schuld und Erinnerung und ihren (politischen) Folgen, von der Suche nach Zugehörigkeiten. Was kann in der Darstellung dieser Themen der Roman, was die Geschichtsschreibung nicht kann? Darüber berichtet Doron Rabinovici bei Lesung und Gespräch.

Doron Rabinovici, 1961 in Tel Aviv geboren, lebt seit 1964 in Wien. Er ist Schriftsteller, Essayist und Historiker. An der Universität Wien studierte er Medizin, Psychologie, Ethnologie und Geschichte und promovierte mit einer historischen Arbeit unter dem Titel „Instanzen der Ohnmacht: Wien 1938-1945. Der Weg zum Judenrat“. Für sein Werk erhielt Doron Rabinovici zahlreiche Auszeichnungen und Preise u.a. den Clemens-Brentano-Preis der Stadt Heidelberg und den Jean-Améry-Preis (beide 2002). Im Jahr 2014 war er gemeinsam mit Matthias Hartmann mit dem Projekt „Die letzten Zeugen“ (Burgtheater) zum Theatertreffen Berlin eingeladen.

01. Dezember 2014

18:00 Uhr

Stadt- und Regionalbibliothek,
Frankfurt (Oder)

ULRIKE DRAESNER (Berlin)

"Sieben Sprünge vom Rand der Welt"

Lesung und Diskussion

Draesner_Bauer2_KLEIN ©Jürgen Bauer© Jürgen Bauer

Die Schriftstellerin Ulrike Draesner stellt in ihrem neuesten Roman „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“ virtuos die Frage nach der Wahrheit in einer (historischen) Erzählung. Die Lebenswege der schlesischen Familie Grolmann werden mit dem Schicksal einer aus Ostpolen nach Wrocław vertriebenen Familie gekreuzt. Vier Generationen kommen zu Wort. Die Erinnerungen der Familien zeigen, wie die durch Flucht und Vertreibung ausgelösten Traumata weiterwirken und wie sich seelische Landschaften von einer Generation in die nächste weitervererben.

Der Roman wird seit seinem Erscheinen von der Website www.der-siebte-sprung.de begleitet, auf der die Autorin Einblicke in die Entstehung des Romans sowie dessen Quellen gewährt. In einem kontinuierlichen Fortschreibungsprozess von Quellen, Stimmen und Gedanken sind auch die Leser aufgefordert ihre Geschichten einzuweben.

Ulrike Draesner, geboren 1962 in München, studierte Germanistik, Anglistik und Philosophie in München und Oxford. 1992 promovierte sie mit einer Arbeit über Wolframs von Eschenbach „Parzival“. Seit 1996 lebt Ulrike Draesner als Dichterin, Essayistin und Prosaautorin in Berlin. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Mit klarem Blick untersucht es heutige Lebens- und Arbeitsverhältnisse. Die Texte nehmen sowohl die geschichtlichen Dimensionen Deutschlands als auch mediale und biotechnische Entwicklungen in den Blick.

Die Veranstaltung wird aus Mitteln des Grenzgänger-Programms der Robert Bosch Stiftung unterstützt.

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30. Juni 2014

18:00 Uhr

Stadt- und Regionalbibliothek,
Frankfurt (Oder)

ANNETT GRÖSCHNER (Berlin)

"Walpurgistag"

Lesung und Diskussion

 
Moderation: Josephine Kujau
AnnettGröschner_00219II_190 ©Copyright by Philipp von Recklingshausen
© Phillipp von Recklingshausen

Annett Gröschners Werk ist das einer Spurensucherin: Vor dem Roman „Walpurgistag“ (2011), den die Autorin am 30. Juni in der Stadt-und Regionalbibliothek präsentieren wird, stand ein Radioaufruf, in dem sie zahlreiche Hörer veranlasste, die Begebenheiten ihres 30. April zu erzählen. Der Roman ist das Ergebnis dieses präzisen öffentlichen Nachfragens und Zuhörens. Er berichtet von einem einzigen Berliner Tag, der ein Mosaik an Figuren vorstellt, die ihren Platz in der Gesellschaft noch suchen, bereits verloren haben oder gar nicht darauf aus sind, ihn zu finden. Die Autorin entwirft ein dichtes erzählerisches Netz von der Stadt und gewährt Einblicke in die schmuck-sanierten Fassaden eines heutigen Berlin.

Annett Gröschner, 1964 in Magdeburg geboren, lebt als Schriftstellerin und Journalistin seit mehr als zwei Jahrzehnten in Berlin. Im Jahr 2000 erschien ihr Roman "Moskauer Eis". Ihr Band "Mit der Linie 4 um die Welt" (2012) versammelt literarische Reportagen von 34 Orten der Welt. In gemeinsamen literarisch-fotografischen Projekten mit Arwed Messmer (u.a. Ausstellung und Buch "Aus anderer Sicht. Die frühe Berliner Mauer", 2011) dokumentiert Annett Gröschner Berliner und Brandenburger Zeitgeschichte.

Über ihren 2011 erschienen Roman „Walpurgistag“ schrieb die Autorin Christa Wolf: „Lebensfülle, Wirklichkeitsfülle. Eine schier unendliche Fülle der verschiedensten Figuren, jeder Herkunft, jeden Alters. Unverkennbar Berlin. War es bei Döblin die Gegend um den Alexanderplatz in den zwanziger Jahren - bei der Gröschner ist es der Kollwitzplatz um die Jahrtausendwende. Ein unverwechselbares Milieu, ein unerschöpfliches Kaleidoskop von Zeitgenossen und Geschehnissen - faszinierend mit oft absurdem Blick gesehen, erzählt mit dem trockenen Humor dieser Autorin. Als Leser möchte man die Fesselung durch diese Welt nicht mehr missen. Ein Dokument, authentisch, poetisch. Ein großer Wurf."   

14. April 2014

18:00 Uhr

Stadt- und Regionalbibliothek, Frankfurt (Oder)

Veranstaltung entfällt!

GINO CHIELLINO (Berlin)

"Landschaft aus Menschen und Tagen"

Lesung und Diskussion

 
Moderation: Wiebke Sievers
Foto_Chiellino_190 ©Copyright by Chiellino
© Jana Chiellino

"Als Erich Fried 1987 Gino Chiellino den Adelbert-von-Chamisso-Preis überreicht, zeigt er sich erstaunt: „Eigentlich hätte ich gar nicht geglaubt, dass es Dichter wie Gino Chiellino überhaupt geben kann. Dichter, die gültige Verse in einer Sprache schreiben, die nicht ihre Muttersprache ist, sind ungemein selten.“ Die Lese- und Gesprächsreihe „Zwischen()Welten – Deutschsprachige Literatur der Gegenwart" tritt in der nunmehr siebten Lesung den Gegenbeweis an. Am 14. April 2014 ist der Lyriker, Essayist, Übersetzer und Literaturwissenschaftler Gino Chiellino in der Stadt- und Regionalbibliothek Frankfurt (Oder) zu Gast. Er liest aus seinem literarischen Werk und berichtet im Gespräch mit der Literaturwissenschaftlerin Wiebke Sievers vom Über-Setzen der einen in die andere Sprache. Carmine Gino Chiellino, geboren 1946 in Carlopoli, Kalabrien, lebt seit den 1970er Jahren in Deutschland. Seine Werke verfasst er auf Italienisch und Deutsch. Für seine kreativen Sprachwechsel wurde er u. a. mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschien in der Edition Lyrik Kabinett des Carl Hanser Verlags der Gedichtband „Landschaft aus Menschen und Tagen““.

30. Januar 2014

19:00 Uhr

Stadt- und Regionalbibliothek,
Frankfurt (Oder)

LOTHAR QUINKENSTEIN (Berlin)

"Tellurium" und "Gegenort"

Lesung und Diskussion

 
Moderation: Bożena Chołuj (EUV)
Foto_quinkenstein_190 ©Copyright by Wojciech Gajtkowski
© Wojciech Gajtkowski

Lothar Quinkenstein ist ein Spurensucher. In Landschaften und Lektüren findet er die Zeichen einer nicht vergangenen Geschichte. Im Mittelpunkt seiner Erkundungen steht Polen, das Nachbarland der eigentümlichen Ferne. Hier, in der polnischen Gegenwart, öffnen sich die Perspektiven, entlarvt sich Vertrautes als Illusion. 

Lothar Quinkenstein wurde 1967 in Bayreuth geboren und wuchs im Saarland auf. Er studierte Germanistik und Ethnologie in Freiburg im Breisgau, lebte von 1994 bis 2011 in Polen und ist seit 2011 wohnhaft in Berlin. Lothar Quinkenstein war Stipendiat der Villa Decius (Krakau), des Künstlerhauses Schloss Wiepersdorf sowie der Denkmalschmiede Höfgen. Er hat zahlreiche Texte in deutschsprachigen und polnischen Literaturzeitschriften veröffentlicht. Zuletzt erschienen sein Roman Tellurium (Neisse Verlag 2013) sowie der Gedichtband gegenort (Allitera Verlag 2013).

  

16. Januar 2014

19:00 Uhr

Stadt- und Regionalbibliothek,
Frankfurt (Oder)

ROBERT SCHINDEL (Wien)

"Der Kalte" und andere Werke

Lesung und Diskussion

 
Moderation: Andree Michaelis (Literaturwissenschaftler, EUV)
Foto_schindel_190 ©Copyright by Aleksandra Pawloff
© Aleksandra Pawloff

Eigentlich ist Robert Schindel ein Lyriker. Nun aber hat der österreichisch-jüdische Autor nach den beiden Lyrikbänden „Wundwurzel“ (2005) und „Mein mausklickendes Saeculum“ (2008) seinen zweiten großen Roman „Der Kalte“ (Suhrkamp 2013) vorgelegt. Sprachgewandt und experimentierfreudig zeichnet er darin ein Österreichbild aus den Jahren der Waldheim-Affäre. Das Ringen um die Erinnerung an KZ und NS bleibt dabei Schindels zentrales Thema. Doch das Buch ist mehr als eine Charakterstudie des „kalten“ Protagonisten Edmund Fraul, es ist zugleich ein vielschichtiges Bild der Gesellschaft dieser Jahre. 

Robert Schindel, geboren 1944 in Bad Hall bei Linz, überlebte als Kind jüdischer Kommunisten den Nationalsozialismus in Wien. Von 1961 bis 1967 war Schindel selbst auch aktives Parteimitglied der KPÖ. 1967 holte er sein Abitur nach, studierte Philosophie und engagierte sich in maoistischen Kreisen. Daneben entstanden Arbeiten für Film, Fernsehen und Rundfunk. Ab 1986 arbeitet er als freier Schriftsteller in Wien. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter den Erich-Fried-Preis 1993, den Eduard-Mörike-Preis 2000 sowie 2007 den Jakob-Wassermann-Literaturpreis.

20. Juni 2013

20:00 Uhr

EUV

Frankfurt (Oder)

IRENA BREŽNÁ (Basel)

"Die undankbare Fremde"

Lesung und Diskussion im Rahmen der interdisziplinären Konferenz Gedächtnis und Gewalt – Nationale und transnationale Erinnerungsräume im östlichen Europa

 
Moderation: Dr. Dirk Wissen (Direktor SRB Frankfurt/Oder)
Brezna_Irena ©Copyright by Marian Strauch
© Marian Strauch

Die Ent­schei­dung für das Exil geht immer mit einem Ver­lust ein­her. Für Irena Brežnás rotz­na­si­ge Ich-Er­zäh­le­rin ist dies vor allem der Ver­lust der ei­ge­nen Spra­che, der einer kör­per­li­chen Ver­stüm­me­lung gleich­kommt. Die neue Hei­mat Schweiz erw­eist sich für die junge Tsche­chos­lo­wa­kin als ein sper­ri­ges Land, in dem sie nicht nur mit einer la­ten­ten Frem­den­feind­lich­keit zu käm­pfen hat, son­dern auch mit den Hö­hen und Tie­fen auf dem Weg per­sön­licher Selbst­fin­dung. Wie brü­chig ist in Eu­ro­pa das Ver­hält­nis zwischen denen, die Schutz suchen, und denen, die Schutz bieten? Mit poe­ti­scher Sprach­ge­walt er­zählt Irena Brežná von einem Ver­such des An­kom­mens und ver­leiht dabei den Sprach­losen, Ver­folg­ten und Rat­losen eine eigene Stimme.

Irena Brežná  liest am 20. Juni im Senats­saal (Haupt­ge­bäu­de, EUV) aus ihrem nicht nur in der Schweiz hef­tig dis­ku­tier­ten Roman Die undank­bare Fremde (Verlag Galiani Berlin, 2012). 

In diesem Buch können wir natür­lich vie­les von un­seren west­li­chen Neu­rosen wieder­er­ken­nen – was sie hier zeigt, ist, dass es keine EU ge­norm­ten Men­ta­li­tä­ten gibt, sie zeigt wie Men­ta­li­tä­ten in Eu­ro­pa auf­ein­ander stoß­en, wie schmerz­haft das ist und dass An­pas­sung nicht nur etwas ist, was die leis­ten müs­sen, die in das Land kom­men, son­dern etwas ist, was na­tür­lich auch die Gast­ge­ber leis­ten müs­sen, dass dieser An­pas­sungs­druck […] nicht alles sein kann, das kann man in diesem Buch sehr schön ler­nen. […] Es ist ein sehr mu­ti­ges Buch." Iris Radisch (Li­te­ra­tur­club) 

Mit freundlicher Unterstützung der Herbert und Elsbeth-Weichmann-Stiftung.

04. Juni 2013

16:00 Uhr

Stadt- und Regionalbibliothek, Frankfurt (Oder)

ABBAS KHIDER (Berlin)

"Brief in die Auberginenrepublik"

Lesung und Diskussion

 
Moderation: Sarah Fortmann-Hijazi (Literaturwissenschaftlerin)
Portraet_Khider1jpg_klein ©Copyright by Jacob Steden
© Jakob Steden

Sie ist eben nur eine meso­po­ta­mi­sche Ge­schich­te“, heißt es über die Reise eines Brie­fes durch die ara­bi­schen Staa­ten vor dem re­vo­lu­tio­nären Früh­ling. Was dem Exi­lan­ten in Li­byen bleibt, um seiner gro­ßen Liebe im zu­rück­ge­las­se­nem Irak ein Zei­chen zu schi­cken, ist eine heut­zu­tage fast ana­chro­nis­tisch an­mu­ten­de Form der Kom­mu­ni­ka­tion: der Brief. Ein Netz­werk von il­le­ga­len Brief­bo­ten schleust die zärt­li­chen Wor­te durch mehr­ere Län­der und vermeint­lich auch durch die Zensur. Dabei ent­steht ein schick­sal­haf­tes Pa­no­ra­ma des mög­lichen Um­gangs mit dem Leben in einer Dik­ta­tur: vom Dis­si­den­ten zum Mit­läu­fer, von Bengasi bis nach Bagdad.

Am 04. Juli stellt der Chamisso-Förderpreisträger und gebür­ti­ge Ira­ker Abbas Khider in der Stadt- und Re­gio­nal­bi­blio­thek Frank­furt (Oder) seinen neu­es­ten Roman Brief in die Au­ber­gi­nen­re­pu­blik (Edition Nau­ti­lus Verlag, 2013) vor.

All das ist einfach und un­prä­ten­tiös ge­schrie­ben, dabei aber tie­fen­scharf in der Bild­haf­tig­keit, ge­würzt mit einer Pri­se tro­cke­nen Wit­zes. Klar, sein Lebens­weg ist eine fast un­glaub­liche Aben­teuer­ge­schich­te. Aber Abbas Khider kann mehr, als einfach nur daraus zu schöp­fen: Die Schreib­wei­sen, die Per­spek­ti­ven, die Themen – unter den jün­ge­ren deut­schen Au­to­ren ist er einer der in­te­res­san­tes­ten." Ulrich Noller (WDR Funkhaus Europa)

Mit freundlicher Unterstützung der Sparkasse Oder-Spree und der Kulturbetriebe Frankfurt (Oder).

14. Mai 2013

16:00 Uhr

Stadt- und Regionalbibliothek, Frankfurt (Oder)

VLADIMIR VERTLIB (Wien/Salzburg)

"Schimons Schweigen"

Lesung und Diskussion

 
Moderation: Christian Dietrich (Historiker und Soziologe, EUV)
Vertlib_Vladimir_Kaindl HF2_klein ©Copyright by Kurt Kaindl/Deuticke Verlag
© Kurt Kaindl/Deuticke Verlag

Ein namenloser, russisch-jü­di­scher Autor mitt­le­ren Al­ters begibt sich auf eine Lese­reise durch das heu­ti­ge Is­rael, das Land, von dem seine El­tern einst träum­ten. Das auto­bio­gra­phisch ge­färbte Roman­ma­nu­skript, das er dabei vor­stellt, kata­pul­tiert ihn und den Leser in das von der Wald­heim-Af­fä­re ge­präg­te Öster­reich der acht­zi­ger Jahre – nicht nur die Zeit seines Stu­diums und der ersten gro­ßen Liebe, son­dern auch die der Er­nüch­te­rung an­ge­sichts einer nicht zu rea­li­sie­ren­den In­te­gra­tion. So ver­webt sich in der Kon­fron­ta­tion mit der is­rae­li­schen Rea­li­tät die per­sön­liche Odys­see des Er­zäh­lers mit der immer wieder auf­ge­wor­fenen Frage nach einer ei­ge­nen Iden­ti­tät.

Vladimir Vertlib entwirft mit bis­sigem Humor und nar­ra­ti­vem Fein­ge­spür eine emo­tio­nale Selbst­suche zwi­schen Hei­mat und Frem­de. Am 14. Mai liest er in der Stadt- und Re­gio­nal­bi­blio­thek Frank­furt (Oder) aus sei­nem Roman Schi­mons Schwei­gen (Deuticke Verlag 2012).

In seinem neuen, viel­leicht bis­her bes­ten Buch macht Vla­dimir Vert­lib die oft tra­gi­ko­mi­schen Zer­reiß­proben im Leben eines Kos­mo­po­li­ten wider Wil­len nach­er­leb­bar und führt uns auf beschä­men­de Wei­se die Ab­sur­di­tät je­ner Iden­ti­täts- und Her­kunfts­de­bat­ten vor Au­gen, die heute zu­wei­len wie­der be­droh­liche For­men an­neh­men." Sabine Berking (Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung)  

Mit freundlicher Unterstützung der Kulturbetriebe Frankfurt (Oder).

23. April 2013

19:00 Uhr

Stadt- und Regionalbibliothek,
Frankfurt (Oder)

ZUM WELTTAG DES BUCHES:

OLGA GRJASNOWA (Berlin)

"Der Russe ist einer, der Birken liebt"

Lesung und Diskussion

 
Moderation: Aleksandra Laski (Literaturwissenschaftlerin, EUV)
Olga_Grjasnowa_H7_1_klein ©Peter-Andreas Hassiepen
© Peter-Andreas Hassiepen

Lebhaft kündigt sich der Tag an und sie will am lieb­sten lie­gen­blei­ben - Mascha Kogan, Mitt­zwan­zi­ge­rin, Stu­den­tin, jü­di­scher Kon­tin­gent­flücht­ling aus Aser­bai­dschan, und vor allem eins: trau­ma­ti­siert. Als ihr Freund Elias stirbt, plat­zen kaum ver­heil­te Wun­den wieder auf und die Suche nach Trost und Sinn in Zei­ten von Wur­zel­lo­sig­keit, Ver­trei­bung und Ver­lust lässt sie bis in den Na­hen Os­ten rei­sen. Was dabei heraus­kommt, ist der vor­sich­ti­ge Ent­wurf einer neuen Iden­ti­tät als Welt­bür­gerin. Und die wahr­schein­lich stärk­ste und eigen­sin­nig­ste Erzähl­figur der jüng­sten deut­schen Li­te­ratur. 

Mit Scharfsinn und Ironie por­trä­tiert Olga Grjasnowa eine Ge­ne­ra­tion, für die Wor­te wie „post­mi­gran­tisch“ oder „In­te­gra­tions­ver­wei­ge­rung“ nicht mehr als über­kom­me­ne Flos­keln sind. Für ihr fas­zi­nie­ren­des Prosa­de­büt er­hielt die 1984 in Baku ge­bo­rene Grjasnowa zu­letzt den Klaus-Michael Kühne-Preis und den Anna Seghers-Preis.

Olga Grjasnowa trifft aus dem Stand den Nerv ihrer Ge­ne­ra­tion. Zeit­ge­schicht­lich wa­cher und ei­gen­sin­ni­ger als die­ser Ro­man war lange kein deut­sches Debüt." Ursula März (Die Zeit)

Hier kommt die Welt zu Ihnen, wie sie noch nie zu Ihnen ge­kom­men ist in einem Roman. Mit Macht, mit Witz, mit Weis­heit, mit Scharf­sicht und Scharf­sinn, mit Tempo und Trauer." Elmar Krekeler (Die Welt)

Mit freundlicher Unterstützung der Kulturbetriebe Frankfurt (Oder).