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Lehre

Lehre im Sommersemester 2018


„Was ist Aufklärung?“ II:
Perspektiven der Philosophie des 20. und 21. Jahrhunderts

(Vst.-Nr.: 11219)

6/9 ECTS

Seminar: BA, Kulturwissenschaften-/Sozialwissenschaften-/Literaturwissenschaft-Vertiefung

Mittwoch, 11.15 - 12.45 Uhr, Ort: GD 303, Veranstaltungsbeginn: 11.04.2018 


„Was ist Aufklärung?“ – diese auf Kants gleichnamigem Text zurückgehende Frage ist, so Michel Foucault, eine Frage, „die zu beantworten die moderne Philosophie nicht imstande war, von der sie sich auch nie wieder frei zu machen vermochte (...). Von Hegel bis Horkheimer oder Habermas, über Nietzsche oder Max Weber, gibt es kaum eine Philosophie die, direkt oder indirekt, nicht mit ebendieser Frage konfrontiert wäre: Was ist das also für ein Ereignis, das man die Aufklärung nennt und das zum Teil zumindest bestimmend ist für das, was heute sind, was wir heute denken und was wir heute tun?“ (M. Foucault). Im Ausgang von dieser Diagnose Foucaults nehmen wir im Seminar Perspektiven auf die Aufklärung als Leitfaden durch die Philosophie des 20. und 21. Jahrhunderts. Wir lesen Texte von Klassikern der Philosophie des frühen 20. Jahrhunderts wie E. Cassirer und A.N. Whitehead, beschäftigen uns mit M. Horkheimer und T.W. Adornos Diagnose einer „Dialektik der Aufklärung“ und diskutieren neben Foucault aktuelle feministische und postkoloniale Perspektiven auf das Denken des 18. Jahrhunderts. Was wird jeweils unter Aufklärung verstanden? In welchem Kontext tritt die Auseinandersetzung mit dem Denken und Handeln des 18. Jahrhunderts auf? Warum ist sie heute noch so zentral? Themen, die uns dabei beschäftigen werden, sind die jeweiligen Modernediagnosen, das Verständnis von Subjektivität und Kritik, die Ambivalenz aufklärerischen Denkens insbesondere im Verhältnis zu dem von ihr als „Anderem“ Deklarierten sowie die Rolle der modernen Wissenschaften.

Literatur: James Schmidt (Hg.), What is Enlightenment?: Eighteenth-Century Answers and Twentieth-Century Questions. Univ. of California Press, 1996. Barbara Stollberg-Rilinger, Die Aufklärung: Europa im 18. Jahrhundert. Stuttgart: Reclam, 2011.

Leistungsnachweis: aktive mündliche Beteiligung, Abstracts, Referat, Protokoll, Responsepaper, Essay, Hausarbeit. Genaueres wird im Seminar bekannt gegeben.


Das Denken dekolonialisieren. Postkoloniale Perspektiven auf Wissen

(Vst.-Nr.: 11220) 

3/6/9 ECTS


Seminar: MA, MEK: Wissenskulturen - Wissenschaften, Religionen, Künste // MASS: Zentralmodul / Migration, Ethnizität, Ethnozentrismus / Kulturelle Praktiken, Wissensordnung, ästhetische Formationen / MAL: Zentralmodul / Wissenskulturen und Künste //
Alle MAs: Optionsmodul: Transdisziplinäre Kulturwissenschaften

Dienstag, 11.15 - 12.45 Uhr, Ort: AM 204, Veranstaltungsbeginn: 10.04.2018

An der Schnittstelle von postkolonialer Theorie und Wissenschaftsforschung stellt sich die Frage nach der epistemischen Dimension von Kolonialisierung und Dekolonialisierung: Welche systematische Rolle spielten die Konzeption von Wissen, Wissenschaft und Rationalität der westlichen Moderne im Rahmen der Kolonialisierung? Welche Bedeutung kommt generell dem Ort, der Situierung und der Praxis der Wissensproduktion zu? Was bedeutet dies für die modernen Naturwissenschaften, zu deren Selbstverständnis es schließlich gehört, zeit- und ortlos gültig zu sein? Welche Rückwirkungen hat dieses Selbstverständnis für ihr Verhältnis zu nicht-wissenschaftlichen Wissensformen? Und was könnte es bedeuten, das Denken zu dekolonialisieren, wie der Anthropologe Viveiros de Castro es fordert? Diese Fragen zielen sowohl in den Kern kulturwissenschaftlicher als auch wissenschaftsphilosophischer Diskurse, schließlich, so die zu diskutierende Ausgangshypothese des Seminars, spielt der Wissen(schaft)sbegriff der europäischen Moderne eine zentrale Rolle in ihrem Verhältnis zu dem von ihr als Anderem (Dis)qualifizierten. Im Seminar führen wir daher zwei oftmals getrennt geführte Diskurse zusammen, die von unterschiedlichen Ausgangspunkten aus den Anspruch auf Universalität sowie die Dichotomisierungen der westlichen Moderne (Wissen / Glauben, Natur / Kultur, Subjekt / Objekt, Wissenschaft / Mythos etc.) problematisiert haben. Wir diskutieren Positionen der Wissenschaftsforschung (Isabelle Stengers, Sandra Harding, Bruno Latour u.a.) und postkolonialer Theorie (Aimé Césaire, Boaventura de Sousa Santos, Eduardo Viveiros de Castro u.a.), die nicht nur Kritik an westlichen Wissensformen üben, sondern auch nach Weisen suchen, wie verschiedene Modi der Wissensproduktion ohne strukturelle Disqualifizierung miteinander in Austausch treten könnten.

Literatur: Harding, Sandra G., ed. The Postcolonial Science and Technology Studies Reader. Duke University Press, 2011, Latour, Bruno. Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie. Frankfurt am Main: Fischer, 1998.

Hinweise zur Veranstaltung: In der Akademie der Bildenden Künste in Berlin läuft z.Z. ein Ausstellungs- und Konferenzprogramm zum „Kolonialen Erbe“. Insbesondere mit der Bibliothek/Installation C& Center of Unfinished Business von Julia Grosse und Yvette Mutumba werden wir uns im Seminar beschäftigen.

Leistungsnachweis: Referat, Protokoll, Responsepaper, Essay, Hausarbeit. Genaueres wird im Seminar bekannt gegeben. 


Werkstatt Kultur/Philosophie: Fokus Philosophie und (Inter)Disziplinarität

(Vst.-Nr.: 11221) 

3/6/9 ECTS

Masterclass/Kolloquium: MA, MASS: Kulturelle Praktiken, Wissensordnung, ästhetische Formationen // MEK: Wissenskulturen - Wissenschaften, Religionen, Künste // MAL: Wissenskulturen und Künste // Alle MAs: Optionsmodul: Transdisziplinäre Kulturwissenschaften // MEK/MASS/KGMOE/MAL: Forschungsmodul

Freitag, 11.00 - 14.30 (s.t.) Uhr, Ort: GD 202, Veranstaltungsbeginn: 20.04.2018

Was ist eine Disziplin? Wie hat sich die heutige disziplinäre Landschaft herausgebildet und wie stehen die Disziplinen heute zueinander? Was bedeutet und (wie) funktioniert Interdisziplinarität? Welche Rolle nimmt die Philosophie im modernen Fächerkanon ein? Im Sommersemester beschäftigt sich die Werkstatt Kultur/Philosophie mit dem Thema Philosophie und (Inter)Disziplinarität. Im Zentrum stehen Fragen nach dem historischen wie systematischen Verhältnis der Disziplinen, nach Praktiken und Theorien von Interdisziplinarität und nach der spezifischen Funktion der Philosophie im Fächerkanon. Wir werden wissenschaftsphilosophische und –historische Texte zur Frage der Disziplinarität lesen (etwa von L. Fleck, H.J. Rheinberger, L. Daston), uns mit dem Begriff der Disziplin selbst beschäftigen und problemorientiert mit unseren eigenen Erfahrungen von (Inter)Disziplinarität arbeiten. Dabei werden wir uns nicht nur aus kultur- und wissenschaftsphilosophischer Perspektive mit (Inter-)Disziplinarität auseinandersetzen, sondern auch fragen, was Disziplinarität für die Philosophie selbst bedeutet – welche Kulturen des Philosophierens und damit Verständnisse von Disziplinarität lassen sich historisch ausmachen? Teil des Seminars ist eine Masterclass mit einem ausgewiesenen Gast (genauere Informationen s. Website des Lehrstuhls) sowie ein Kolloquium zur Diskussion studentischer Arbeiten.

Literatur: Ludwik Fleck, Denkstile und Tatsachen: Gesammelte Schriften und Zeugnisse. Hg. v. Sylwia Werner. Berlin: Suhrkamp, 2011

Teilnahmevoraussetzungen: Die Veranstaltung richtet sich an Studierende aller Masterstudiengänge sowie Doktoranden. Philosophisches Vorwissen wird nicht vorausgesetzt, lediglich die Bereitschaft zur aktiven Teilnahme und zum problem- und interessensorientierten gemeinsamen Arbeiten. Besonders eingeladen sind Studierende, die dabei sind, eine Problemstellung für eigene Forschungsarbeiten (HA, MA) zu erarbeiten.

Hinweise zum Blockseminar: Termine der Veranstaltung (vorbehaltlich): 20.04.18, 04.05.18, 18.05.18, 01.06.18, 15.6.18, 29.06.18, 20.07.18

Leistungsnachweis: aktive mündliche Beteiligung, Referat, Protokoll, Responsepaper, Problem- und Begriffsskizze, Essay, Hausarbeit. Genaueres wird im Seminar bekannt gegeben.