Doctoral students at our professorship
Erstgutachten
Arbeitstitel des Promotionsvorhabens:
»Intensive individuation: Deleuzian ontology and virtual science«
Arbeitstitel des Promotionsvorhabens:
»Kritik und Klinik des Subjekts«
Arbeitstitel des Promotionsvorhabens:
»Ontologie und Dialektik im Denken von Alain Badiou«
Promotionsstipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung
Arbeitstitel des Promotionsvorhabens:
»Genießen, Differenz, Plastizität: Feminine Körper denken«
Die Figuren des Femininen bei Jacques Lacan, Gilles Deleuze und Catherine Malabou werden in dieser Arbeit auf ihr kritisches Potenzial gegenüber kanonischen Verständnissen von Körper und Sexualität sowie auf ihre Verbindung von Genießen und Sein hin untersucht. Alle Autor:innen verknüpfen das Feminine mit einem genießenden Körper, der jenseits anatomischer Determinismen gedacht wird, repräsentationskritisch verfasst ist und der marxistisch-feministischen Kritik an der Objektivierung weiblicher Körper, somit auch am Objektbegriff selbst, antwortet. Dabei unterscheiden sich die Figuren des Femininen in Bezug auf ihre ontologischen Koordinaten und Subjektbegriffe: Lacans weibliches Genießen ist mit einer Subjektivierung verknüpft ist, die kein Sein hat. Es wird allerdings gezeigt, dass es in der deleuzianischen Ontologie einen Ort findet. Da Deleuzes Begriff der Differenz, der für das weibliche Genießen mobilisiert wird, besonders in seiner Verknüpfung mit dem Frau-Werden allerdings stark in Richtung Unsichtbarkeit strebt, wird er mit Malabous femininer Plastizität kontrastiert: einer Art des Genießens, die systematisch unterdrückte Symbole weiblicher Körper neu belebt. Die unterschiedlichen Bezüge der vorgestellten Begriffe auf ihre Sichtbarkeit hin sind kontrovers und zeigen eine krisenhafte Beziehung zwischen Ontologie und Bildlichkeit. Dieser wird zu begegnen versucht, indem die Figuren des Femininen mit dem Begriff des materialistischen Subjekts assoziiert werden.
Promotionsstipendium des Evangelischen Studienwerks Villigst
ARBEITSTITEL DES PROMOTIONSPROJEKTS: MATERIELLE VERSCHRÄNKUNGEN UND DIE
SUCHE NACH HANDLUNGSFÄHIGKEIT. DER MATERIE-BEGRIFF DES FEMINISTISCHEN
NEOMATERIALISMUS, SEINE BEZÜGE UND MÖGLICHEN ALLIANZEN
ABSTRACT
Entgegen der dominanten Erzählung, wonach der feministische Neomaterialismus für einen radikalen Paradigmenbruch stehe, schlage ich vor, Poststrukturalismus sowie ältere und neuere Materialismen als korrelative Methodologien zu verstehen. Methodisch orientiere ich mich an der
wissenschaftstheoretischen Figur der Diffraktion, so wie sie bei Donna Haraway und Karen Barad aufgegriffen und angewendet wird. Entlang von zentralen philosophiegeschichtlichen Figuren materialistischen Denkens werde ich die verschiedenen Erkenntnis- und Kritikperspektiven mit und
gegeneinander lesen, wobei der Fokus meiner diffraktiven Lektüre auf drei Begriffsfiguren liegen wird – auf dem Clinamen des antiken Atomismus, dem Conatus der spinozistischen Philosophie und der platonischen Chōra sowie den damit zusammenhängenden Reaktualisierungen im Poststrukturalismus, Postmarxismus und feministischen Neomaterialismus. Mein Anspruch besteht darin, die spezifische theoretische und politische Reichweite der einzelnen, teils auch kontroversen, Positionen auszuloten und – im Zusammenspiel – einen nicht-idealisierenden Begriff materieller Handlungsfähigkeit zu
erarbeiten. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Unterschieden zwischen poststrukturalistischen und vitalistischen Denkverortungen (Braidotti, Grosz, Gatens usw.), wissenschaftstheoretischen Eingriffen (Barad, Haraway, Stengers usw.) sowie dekonstruktiven Positionen (Butler, Irigaray, anders gelagert
auch Ahmed).
SCHLÜSSELBEGRIFFE: Materie, Körper, Differenz, Handlungsfähigkeit, Virtualität, Kausalität
Arbeitstitel des Promotionsvorhabens:
»Sublimieren und akkumulieren. Negative Ästhetik bei Theodor W. Adorno, Leo Bersani und Lauren Berlant«
Das Promotionsvorhaben untersucht Sublimierungskonzepte in den Theorien negativer Ästhetik von Theodor W. Adorno, Leo Bersani und Lauren Berlant und setzt diese kritisch mit dem Marx’schen Begriff der ursprünglichen Akkumulation ins Verhältnis. Es konturiert damit eine spezifische Option der Interlokutionen politischer und libidinöser Ökonomien: Die begriffliche Verschränkung der beiden Konzepte der Sublimierung und der ursprünglichen Akkumulation ermöglicht grundlegende Fragen der Ästhetik unter gegenwärtigen Bedingungen (kolonial-)kapitalistischer Produktionslogiken zu bearbeiten. Übergreifend soll eine kulturtheoretische Arbeit entstehen, die Ansätze aus dem historischen Materialismus und der Theorie der Psychoanalyse mit Sozial- und Kulturphilosophie verschränkt und in Auseinandersetzung mit queerer und postkolonialer Theorie weiterführt. In diesem Sinne tritt das Promotionsvorhaben dazu an, in einem ersten Schritt den Begriff der Sublimierung mit Adorno, Bersani und Berlant systematisch neuzubestimmen: Dieser wird entgegen eines tradierten Verständnisses nicht mehr nur als Umlenkung bzw. Aufwertung sexueller Triebenergie verstanden, sondern als weitaus umfassenderer Prozess. In drei negativitätslogischen Spielarten ästhetischer Theorie – der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule, einer an der Psychoanalyse geschulten Queer Theorie, sowie Affekttheorie mit marxistischem Unterbau – wird Sublimierung als transformative Arbeit entworfen, die letztlich die von ihr hervorgebrachten sozio-kulturellen Ausdrucksformen unterläuft. Diese Verkomplizierung ergänzt das Promotionsvorhaben durch einen weiteren Schritt. Entgegen einer Marginalisierung von Kritiken der politischen Ökonomie in dem Begriff der Sublimierung, tritt das Dissertationsvorhaben zu einer Analyse der Möglichkeit der wechselseitigen Bezüge zwischen Adornos, Bersanis und Berlants Verständnissen von Sublimierung und dem Begriff der ursprünglichen Akkumulation an. Nach Marx meint ursprüngliche Akkumulation die gewaltsame Enteignung von Produktionsmitteln und Land, die die Errichtung der (kolonial-)kapitalistischen Gesellschaftsordnung überhaupt erst ermöglicht hat. Nachfolgende Interpretationen haben jedoch darauf hingewiesen, dass der Begriff der ursprünglichen Akkumulation nicht nur einen einmaligen historischen Moment beschreibt, sondern sich auch in Bezug auf gegenwärtige (post-)koloniale, kapitalistische Gesellschaftsformationen nachvollziehen lässt (vgl. bspw. Harvey 2003, Balibar, Wallerstein 1991, Ferreira da Silva 2022). Vor diesem theoretischen Horizont werden beide Begriffe – Sublimierung und ursprüngliche Akkumulation – sowohl auf ihre ökonomischen als auch ihre libidinösen Dimensionen hin befragt. Durch den Kontrapunkt des Marx’schen Terms kann der Prozess der Sublimierung als ökonomischer Begriff gefasst werden. Geschichts- bzw. zeitphilosophische Fragestellungen – insbesondere nach den Dynamiken von Ursprung und Wiederholung – ermöglichen es, sowohl die Tiefendimensionen der beiden Begriffe im Horizont einer ihnen zugrundeliegenden Zivilisationshypothese als auch deren gegenwärtige Relevanz für eine kritische Kulturanalyse der Gegenwart herauszuarbeiten. Insofern beide Begriffe als inhärent instabile sozio-kulturelle Ausdrucksformen bestimmt werden, tragen sie dazu bei, die Verstrickungen ästhetischer Formen in gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse zu reflektieren, sowie ein besseres Verständnis der Krisenanfälligkeit eben dieser zu entwickeln und somit auch das Potential einer Alternative aufzuzeigen.
Arbeitstitel des Promotionsvorhabens:
»Zwischen Ökologie und Ökonomie - Zur Reproduktion der Gaben«
Die These, dass die Reproduktion des Kapitalismus von der Aneignung „kostenloser Geschenke“ abhängt – insbesondere der Geschenke der Natur –, findet immer häufiger Einzug in die gegenwärtigen kritischen Gesellschafts- und Krisenanalysen (z.B. Moore, Battistoni, Fraser). Mit ihr soll die defizitäre Dynamik charakterisiert werden, dass der kapitalistische Akkumulationsprozess davon abhängig ist, Materie aus nicht-marktförmigen Bereichen des Systems herauszureißen und zu verwerten. Doch warum artikuliert sich die Unterschlagung des Werts gerade in der Form des Geschenks? Zur kritischen Aufklärung dieser Frage soll in meiner Arbeit das kostenlose Geschenk in terminologische Spannung mit dem Prinzip der Gabe positioniert werden. Geht aus der klassischen Gabentheorie hervor, dass die Gabe in der Gabenzirkulation ein Mittel ist, um Beziehungen zu stabilisieren und soziale Bindungen und damit letztlich Gesellschaft zu reproduzieren, so gehen andererseits aus der aktuellen Kritik des kostenlosen Geschenks die Unzulänglichkeiten der ökologischen Reproduktion des Kapitals hervor. Beide Ansätze sollen in meiner Arbeit zusammengebracht werden, um einerseits die metabolisch-energetischen Voraussetzungen der Kapitalakkumulation und deren Vermittlung durch das Wertgesetz in den Blick zu nehmen, und andererseits den Blick für alternative Formen dieser Vermittlung zu erweitern. Mein Fokus auf die Gabe ist geprägt durch ein zirkulationstheoretisches Interesse, das in Anknüpfung an Marx sowie die Ökonomische Anthropologie das spezifische Bewegungsgesetz des Stoffwechsels im Rahmen der gesellschaftlichen Zirkulationsverhältnisse historisch-materialistisch denkt. Die Struktur der Gabenzirkulation soll dabei auf ihr heuristisches Potential hin befragt werden, ökologische und ökonomische Kreisläufe miteinander zu vermitteln.
Zweitgutachten
Arbeitstitel des Promotionsvorhabens:
„Praxis der Befreiung. Zur Anwesenheit Spinozas im Denken Gustav Landauers“
Gustav Landauer (1870-1919) hat sich schon früh und im Laufe seines Lebens immer wieder der Philosophie Spinozas zugewandt. Erste Spuren einer Rezeption lassen sich bereits in den Tagebüchern des Sechzehnjährigen ausmachen. Spinoza sei „das Wichtigste“ zum Verständnis des philosophischen Erstlings „Skepsis und Mystik“, schrieb Landauer selbst, und die „Ethik“ sollte Richtschnur noch der späten Shakespeare-Vorträge sein. Da es Landauer nicht vergönnt war, ein spätes „philosophisches Buch“ zu schreiben und er sich auch sonst nur selten direkt über Spinoza ausgesprochen hat, wird seine Spinoza-Rezeption nicht nur aus direkten und impliziten Äußerungen, sondern auch aus der operativen Form ihrer Anwesenheit in theoretischen Diskussionen und eingreifender Publizistik rekonstruiert. Durch die Bestimmung der spezifischen Differenz seiner Position in eine Vielzahl von Richtungen tritt dabei zugleich Landauers Philosophie erstmals deutlicher hervor – und sein praktisches Projekt als ein Anarchismus maßgeblich auf spinozistischer Basis.
Erstgutachten: Iris Därmann, Humboldt-Universität zu Berlin
Fertiggestellte Promotionen
Arbeitstitel des Promotionsvorhabens:
»Denken der Menge. Spinoza und die Politik der Kollektivbildungen«
Mein Promotionsprojekt untersucht das Konzept der "Menge" durch die Philosophie von Spinoza und Marx, wobei Spinozas politisches Denken kritisch im Kontext (post-)marxistischer Ansätze beleuchtet wird. Ich argumentiere, dass eine Betrachtung Spinozas ohne Einbeziehung der Marx’schen Theorie dazu neigt, die Dynamiken kolonial-kapitalistischer Herrschaft und Ausbeutung zu unterschätzen oder lediglich als Ausschluss eines Teils der Menge zu interpretieren. In dieser Analyse erweist sich die Figur der Menge als zentraler Punkt in Spinozas Politik, der wesentliche Spannungen in seinem Denken offenbart. Ziel dieser Arbeit ist es, ein Verständnis gesellschaftlicher Transformation zu entwickeln, das ohne die traditionelle Annahme einer revolutionären Klasse auskommt. Stattdessen wird eine Politik vorgeschlagen, die auf einem über den Staat hinausgehenden Denken der Menge basiert und sich auf Prozesse und Begegnungen konzentriert, die bestehende Kollektivstrukturen dekonstruieren und neu organisieren können.
https://www.uni-frankfurt.de/44535357/Eichhorn__Ivo
Erstgutachten: Martin Saar, Goethe Universität Frankfurt/M.
Arbeitstitel des Promotionsvorhabens:
»Marx’ Begriff der Form«
DFG-Graduiertenkolleg Kulturen der Kritik
Erstgutachten: Roberto Nigro, Leuphana Universität Lüneburg
»Anti-ökonomischer Kommunismus. Batailles philosophische Herausforderung«
Disputation: 06.11.2023
Promotionsstipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung
Erstgutachten: Alexander García Düttmann, Universität der Künste, Berlin
Zweitgutachten: Katja Diefenbach, Europa-Universität Viadrina
»Die Arbitrarität des Werts. Marxismus und Semiologie«
Erstgutachten: Ursula Kocher, Bergische Universität Wuppertal
Zweitgutachten: Katja Diefenbach, Europa-Universität Viadrina